Ein britischer Geheimdienstmitarbeiter ermöglichte der von Julani geführten HTS-Regierung Zugang zum syrischen Präsidentenpalast, während Agenten aus der Blair‑Ära hinter den Kulissen die britische Außenpolitik steuern.
Kit Klarenberg
Am 19. Juli enthüllte Mail on Sunday, dass Inter‑Mediate, eine undurchsichtige Firma von Jonathan Powell – dem nationalen Sicherheitsberater von UK‑Premier Starmer – die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen London und Damaskus vermittelte. Dazu gehörte ein öffentlichkeitswirksames Treffen von Außenminister Lammy mit Syriens selbsternanntem Präsidenten Ahmad al‑Sharaa – angeblich HTS‑Führung – und ein Büro von Inter‑Mediate im Präsidentenpalast.
Die britische Opposition forderte Untersuchungen zu Powells Rolle, insbesondere wegen seiner nicht gewählten Beraterposition, außerhalb parlamentarischer Kontrolle. Eine Quelle erklärte, Inter‑Mediate nutze „Rückkanäle zu terroristischen Gruppen“ mit dem Ziel, Dialoglösungen zu ermöglichen.
Von Extremismus zu Einfluss
Bereits im Mai berichtete Independent Arabia, dass Inter‑Mediate HTS‑Führer Sharaa assistierte, von einem Terrorführer zum Politiker aufzusteigen. Ex-US-Botschafter Robert Ford hatte ähnliche Vorgänge bestätigt – Powell oder Inter‑Mediate wurden damals aber nicht namentlich genannt. Nur zögernd berichten westliche Medien nun über die Verbindungen von HTS zu Al‑Qaida und ISIS – doch kaum jemand hinterfragt, dass ein britisch verbundener Geheimdienst eine so intime Machtposition in Syrien innehat.
Timing und Einfluss
Powell übernahm seine Rolle wenige Tage vor der Machtübernahme Damaskus durch HTS. Starmer kündigte eine aktivere Rolle Großbritanniens in Westasien an und sandte Diplomaten zu Treffen mit HTS, obwohl HTS nach britischem Recht als Terrororganisation gelte. Seitdem öffnete HTS die syrische Wirtschaft für westliche Interessen und ordnete Gewalt gegen Alawiten und andere Gruppen an. Zugleich versucht die HTS-Herrschaft zunehmend Beziehungen zu Israel zu normalisieren.
Obwohl die HTS-Regierung syrische Militärziele bombardiert und intern brutal unterdrückt, bleibt sie weitgehend unbehelligt – was Spekulationen über MI6-Steuerung möglicher Gewaltakte nährt.
Keine offizielle Agenda
Die Website von Inter‑Mediate gibt kaum Hinweise auf ihre Strategie: Sie listet ehemalige Diplomaten als Mitarbeiter und verspricht „Rückkanäle zu schwer erreichbaren Konfliktakteuren“. Ziel sei es, politische Lösungen in einigen der schwierigsten Konflikte der Welt zu ermöglichen. Syrien galt als solcher – nicht zuletzt, weil Assad sich weigerte, die Macht an westlich unterstützte Gruppen abzugeben.
Leaked E-Mails belegen, dass Clinton‑Berater bereits 2012 und Powell selbst 2012 über Inter‑Mediate berichteten – und vorgaben, in Ländern wie Syrien, Jemen oder Myanmar tätig werden zu wollen. Powell betonte die enge Zusammenarbeit mit britischem Außenministerium, MI6 und Sicherheitsrat.
Die Anschlüsse reichen tief
Hinweise zeigen, dass Powell seit über einem Jahrzehnt mit HTS-ähnlichen Gruppen kooperiert. Das operative Büro im Palast ist das Ergebnis jahrelanger stiller Einflussnahme – und Inter‑Mediate ist kein Einzelfall. Auch britische „NGOs“ wie Torchlight arbeiten mit Geheimdiensten im Libanon zusammen, ebenso die Westminster Foundation for Democracy, die verdeckt Projekte in der Region unterstützt.
Powells Karriere: Blair‑Erbe
Der Mail on Sunday‑Kommentar wirft ein Schlaglicht auf den Einfluss von Tony‑Blair‑Clans in Starmers Regierung – etwa Powell und Botschafter Mandelson. Sie gelten als wahre Drahtzieher der britischen Außenpolitik, während amtierende Politiker nur noch Repräsentationsfunktionen erfüllen. Kritiker wondern: Wo endet Erfahrung und beginnt Kontrolle?
Powells frühere Rolle im Irakkrieg zeigt Parallelen: 2002 beeinflusste er das britische Joint Intelligence Committee, Massenvernichtungswaffen zu dramatisieren – um die Invasion zu legitimieren. Diese Haltung, so der Mail-Text, lebt er auch heute noch: interventionistische Diplomatie im Gewand des Humanitarismus.
Ein modernes Kolonialszenario?
Wenn Powell aktuell die Außenpolitik aus der Schattenposition gestaltet und HTS in Damaskus heimlich unterstützt, bedeutet das nicht nur Einmischung – es bedeutet Macht über Stellvertreterregime. Und wenn dieses Regime eine Al‑Qaida-nahe Clique ist, wird deutlich: Das alte koloniale Drehbuch ist nicht etwa zurück – es war nie verschwunden.


