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«Wir haben die Republik verloren»: Ulrike Guérots Abrechnung mit Europa

Die Politologin sieht den Kontinent in der schlechtesten Verfassung seit Jahrzehnten. Ihre Diagnose ist scharf, ihre Belege sind teils dünn, und doch trifft sie einen Nerv.

Von Nico Stino

Eine Landkarte aus dem Jahr 1534 steht am Anfang. Sie zeigt Europa als gekrönte Frau, die Füsse auf russischem Boden, den Kopf nach Osten gewendet. Ulrike Guérot, Politikwissenschafterin und frühere Mitarbeiterin von Jacques Delors, hat dieses Bild an einer Konferenz zur multipolaren Weltordnung gezeigt. Sie nutzt es als Gegenbild zur Gegenwart: Heute, sagt sie, stehe Europa mit abgeschnittenen Beinen im Atlantik und schaue nach Washington.

Der Vortrag ist ein Rundumschlag.