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Pepe Escobar: Muneer in Teheran – Verhandlungen, Grenzfragen und regionale Sicherheit

Im Gespräch erörtern Pepe Escobar und Zufikar Ali die Reise des pakistanischen Militärchefs Muneer nach Teheran und die kurz zuvor erfolgten Gespräche des russischen Aussenministers Sergej Lawrow in Iran. Sie sprechen über mögliche Verhandlungen zwischen Iran und den USA, die schwierige Lage an der pakistanisch-iranischen Grenze und die Frage, ob Pakistan im Jemen-Konflikt unter Druck gesetzt werde. Viele Angaben des Gesprächs beruhen nach Darstellung der beiden auf ihren Quellen und Einschätzungen; sie werden hier als Aussagen im Video wiedergegeben.

Muneers Reise und die Möglichkeit einer Verständigung

Escobar sagt, Muneers Besuch sei erst kurzfristig organisiert worden. Der pakistanische Militärchef solle mit der iranischen Führung über drei Themen sprechen. Als ersten Punkt nennt Escobar eine mögliche Wiederbelebung eines früheren Verständigungsprozesses zwischen Iran und den USA, den er als «dead cat MOU» bezeichnet. Er verweist auf einen zuvor erörterten Sieben-Punkte-Ansatz des iranischen Aussenministers Abbas Araghchi und auf ein umfassenderes Memorandum mit 14 Punkten. Nach Escobars Darstellung würden die USA die meisten der dabei genannten Forderungen – darunter ein Ende der Seeblockade, die Freigabe eingefrorener Gelder und ein Ende der Sanktionen – nicht akzeptieren.

Stattdessen sei ein neuer, von Katar und Pakistan verbreiteter Vorschlag im Umlauf. Dieser sehe laut Escobar eine Waffenruhe und die Rückkehr von Inspektionen der Internationalen Atomenergie-Organisation in Iran vor. Das wäre für die iranischen Revolutionsgarden schwer hinzunehmen, meint er: Im Gegenzug für Inspektionen könnte Iran allenfalls eine teilweise Freigabe der in Katar liegenden sechs Milliarden Dollar erhalten oder Zinsen auf diesen Betrag. Das sei aus seiner Sicht kein ausreichender Ausgleich. Der politische Teil der iranischen Führung könnte einem solchen Vorschlag eher zustimmen als die Revolutionsgarden, doch eine Einigung sei keineswegs sicher.

Escobar vermutet, die US-Regierung wolle vor den Zwischenwahlen eine Zugeständnis Irans vorweisen können. Ob Washington Muneer dafür einsetze oder ob Pakistan selbst die Initiative ergriffen habe, könne er nicht beantworten. Pakistan habe ein eigenes Interesse daran, wieder als Vermittler zwischen den USA und Iran aufzutreten. Zugleich, sagt Escobar, sei die iranische Geduld nach wiederholten diplomatischen Rückschlägen erschöpft. Er führt als Beispiel an, dass frühere Vermittlungsversuche – darunter ein von ihm erwähnter Vorstoss des chinesischen Präsidenten Xi Jinping – von US-Präsident Donald Trump zurückgewiesen worden seien.

Zufikar Ali ergänzt, Muneer sei in Teheran nicht allein: Auch der pakistanische Innenminister Mohsin Naqvi vertrete dort die zivile Seite der pakistanischen Führung. Beide Seiten hätten zum Zeitpunkt des Gesprächs noch nicht mit Mohsen Rezaei gesprochen; ein Treffen könne aber später stattfinden. Ali sagt, die Regierungen in Iran und Pakistan wollten eine Verschlechterung ihrer Beziehungen vermeiden. Pakistan stehe zwar wegen des Internationalen Währungsfonds unter starkem Druck. Sollte es zu einer entscheidenden Abwägung kommen, werde Islamabad seiner Einschätzung nach aber nicht gegen Iran handeln. China stehe hinter Pakistan, behauptet Ali und beruft sich dabei auf Informationen, die er nach eigener Aussage aus seinem Umfeld erhalten habe.

Pepe Escobar und Zufikar Ali stellen die Reise als Versuch dar, eine militärische Eskalation zu verhindern. Ali berichtet von «lebhaften», aber nicht feindseligen Gesprächen zwischen den pakistanischen und iranischen Seiten über eine Wiederaufnahme der Verständigung. Er sagt zudem, Russland unterstütze Pakistans Bemühungen, einen Konflikt zwischen Iran, den USA und Israel zu vermeiden. Ali spricht auch über die Möglichkeit, dass Trump einen besonders grossen Bombenangriff anordnen könnte. Für diesen Fall behauptet er, Iran habe gewarnt, US-Interessen und -Stützpunkte in der Golfregion seien nicht sicher. Eine Sperrung der Strasse von Hormus, so Ali, würde Lieferungen beeinträchtigen und die Dieselpreise steigen lassen. Er beschreibt dies als mögliches Szenario, nicht als bereits eingetretenes Ereignis.

Grenzverkehr, Finanzsanktionen und möglicher Schmuggelweg

Als zweites Thema nennt Escobar die Lage an der Grenze zwischen Pakistan und Iran. Er verweist auf einen eigenen, auf X veröffentlichten Beitrag, in dem er die Vorgänge ausführlicher dargestellt habe. Nach seiner Schilderung seien die Grenzübergänge tagsüber geschlossen, nachts aber geöffnet; für verderbliche Waren wie Tomaten, Zwiebeln und Kartoffeln gebe es Ausnahmen. Schwieriger sei die Abwicklung grösserer Lieferungen und anderer Waren, die nicht unter diese Ausnahmen fielen.

Das Problem liege auch bei den Zahlungen, sagt Escobar: Pakistanische Importeure müssten ihre Transaktionen über Banken abwickeln, die in das internationale Finanzsystem eingebunden seien. Er befürchtet, die USA könnten solche Banken mit Sekundärsanktionen belegen. Ausserdem verweist er auf einen Kredit von 1,2 Milliarden Dollar, den Pakistan nach seiner Darstellung Anfang Oktober vom IWF erhalten sollte, sowie auf den Druck der Sanktionen auf die wirtschaftlichen Verbindungen zwischen den beiden Nachbarstaaten. Als mögliche Lösung nennt er Tauschhandel, den Russland bereits mit Iran betreibe und den Pakistan ausbauen könnte.

Ali widerspricht der Darstellung, die Grenze sei insgesamt geschlossen. Sie sei rund 900 Kilometer lang, sagt er, und es gebe viele Wege, die seit Jahrhunderten genutzt würden. Pakistan erleichtere den Verkehr auf diesen Routen nach seiner Einschätzung, statt ihn zu behindern. Beide betonen, dass die Regierungen nach Wegen suchten, die Folgen der Einschränkungen zu vermindern.

Als drittes Thema fragt Escobar nach den US-Marineeinheiten im nördlichen Arabischen Meer. Er erwähnt Berichte über drei Black-Hawk-Helikopter, die sich der pakistanischen Grenze genähert hätten und nach seiner Darstellung aufgefordert worden seien, sich zu entfernen. Als mögliche, ausdrücklich persönliche Erklärung nennt er eine Unterstützung der USA für eine Operation aus dem pakistanischen Belutschistan, die Gebiete im iranischen Sistan und Belutschistan destabilisieren könnte. Dabei verweist er auf bewaffnete salafistische Dschihadistengruppen, die nach seiner Darstellung grenzüberschreitende Angriffe verübten. Er spekuliert zudem über eine Rolle des US-Militärs, der CIA und des britischen MI6. Escobar sagt, er selbst habe die Grenzregion im Vorjahr im Rahmen von Dreharbeiten zu einem Dokumentarfilm besucht und sie mit einem Fischerboot überquert. Seine Überlegungen zu möglichen US-Operationen stellt er als Szenario dar, nicht als bestätigte Information.

Lawrows Gespräche und ein Vorschlag für Westasien

Escobar verbindet Muneers Reise mit dem vorherigen Besuch Lawrows in Teheran. Er zitiert Araghchi mit der Aussage, die Beziehungen zwischen Iran und Russland seien nie so eng gewesen. Das sei, so Escobar, eine Botschaft an Eurasien und an die USA. Beide Länder seien von schweren Sanktionen betroffen und aus dem Swift-Zahlungssystem ausgeschlossen; dennoch arbeiteten sie in verschiedenen Bereichen enger zusammen.

Bei Lawrows Gesprächen seien laut Escobar wirtschaftliche und nukleare Zusammenarbeit sowie verschiedene Formen des Handels zur Sprache gekommen. Auch der Internationale Nord-Süd-Transportkorridor zwischen Russland, Iran und Indien sei Thema gewesen. Escobar beschreibt ihn als Route über das Kaspische Meer sowie Strassen entlang der Küste. Iran exportiere darüber Waren nach Russland und erhalte Lieferungen aus Russland. Er erwähnt auch iranisches Öl, das nach Russland verschifft und dort zu Diesel verarbeitet werde. Anschliessend macht er die Behauptung, russischer Diesel könne in die USA gelangen oder an europäische Abnehmer weiterverkauft werden.

Auf Grundlage von Informationen russischer Kontakte und Quellen sagt Escobar, Lawrow und Araghchi hätten besonders ausführlich über Palästina, Libanon, Jemen und die Ukraine gesprochen. Er deutet diese Konflikte als mehrere Schauplätze eines umfassenderen Krieges zwischen den USA und sogenannten Zivilisationsstaaten wie Russland und Iran; China zählt er ebenfalls zu den strategischen Gegenspielern Washingtons. Diese Einordnung ist seine politische Deutung.

Als besonders wichtig bewertet Escobar Lawrows Vorschlag einer «Unteilbarkeit der Sicherheit». Ein entsprechender russischer Vorschlag sei im Dezember 2021 an Washington und die NATO gerichtet worden, sagt er. Moskau habe damals gefordert, Sicherheitsfragen gemeinsam zu verhandeln; eine Antwort sei ausgeblieben. Nun werde das Prinzip für Westasien vorgeschlagen: Iran, die Golfstaaten, Irak, Jordanien und weitere Staaten sollten an einem Tisch über die Sicherheit aller beraten. Escobar meint, ein solcher Dialog könne auch Ägypten einbeziehen und Wege zur Lösung des Jemen-Konflikts eröffnen. Er sagt, Moskau und Teheran schafften gemeinsam Voraussetzungen für Gespräche zwischen den grossen regionalen Akteuren.

Saudi-arabischer Druck und der Jemen-Konflikt

Im weiteren Gespräch geht es um Saudi-Arabiens Rolle. Ali sagt, MBS dränge Pakistan dazu, auf Ansarallah einzuwirken. Pakistan werde diesem Ansinnen nicht folgen, meint er. Ansarallah und die Streitkräfte Jemens träfen eigene Entscheidungen und seien nicht einfach von Iran oder Pakistan zu kontrollieren. Muneer solle den Iranern versichern, dass Pakistan nicht im Auftrag Saudi-Arabiens gegen iranische Interessen handeln werde. Ali stellt zugleich klar, dass Pakistan nach seiner Einschätzung eine Eskalation vermeiden wolle.

Auf eine Frage zu Berichten über pakistanische Soldaten im Süden Irans und im Jemen antwortet Ali, solche Angaben seien seiner Kenntnis nach nicht belegt. Die pakistanische Regierung weise zurück, Soldaten im Jemen zu haben. Ali ergänzt, Pakistan habe stets von höchstens zwei technischen Fachleuten gesprochen, die auf Anfrage im Lagezentrum in Saudi-Arabien tätig gewesen seien; sie hätten keine Aufgaben bei der Zielauswahl gehabt. Pakistan behaupte, diese Fachleute seien inzwischen abgezogen worden, fügt Ali an, und gehe zugleich davon aus, dass israelische Akteure weiterhin im Hintergrund tätig seien.

Escobar spricht danach über den Text der sogenannten Mekka-Verteidigungsallianz, den die türkische Regierung dem Parlament zur Zustimmung vorgelegt habe. Der Text sei daraufhin in der Türkei verbreitet worden. Er beschreibt ihn als kurz und allgemein gehalten und hebt Artikel 2 hervor. Saudi-Arabien berufe sich darauf, um Ankara und Islamabad in den Krieg gegen den Jemen hineinzuziehen, sagt Escobar. Die beiden Länder könnten dagegenhalten, dass die Angriffe aus dem Jemen eine Reaktion auf vorherige saudische Handlungen seien. Als Beispiel nennt Escobar einen Angriff auf die Landebahn des Flughafens von Sanaa im Juli und den darauf folgenden Bruch einer Waffenruhe.

Schliesslich berichtet Escobar von einer Delegation führender Stammesvertreter aus der saudischen Provinz Nadschran, die nach Sanaa gereist sei, um Ansarallah die Treue zu schwören. Nadschran sei eine von drei südlichen saudischen Provinzen, die Escobar als historisch jemenitisches Gebiet bezeichnet. Aus dem Besuch leitet er ab, dass Ansarallah und die jemenitischen Streitkräfte dort auf verwandtschaftliche und stammesbezogene Verbindungen zählen könnten. Er spekuliert, die Bevölkerung könnte einen Vormarsch jemenitischer Kräfte begrüssen und die Gebiete könnten an sie übergeben werden. Daraus folgert er, ein solcher Vorgang könnte das Ende des Hauses Saud und des heutigen Saudi-Arabiens einleiten. Ali sagt, seine Kontakte stützten Escobars Darstellung. Beide Aussagen bleiben Einschätzungen und Prognosen von Pepe Escobar und Zufikar Ali.

Zum Schluss betont Ali, Pakistan stehe unter erheblichem Druck von MBS, sich auf saudischer Seite einzumischen. Innerhalb Saudi-Arabiens gebe es konkurrierende Interessen und Machtkämpfe, sagt er. Die pakistanische Führung werde seiner Einschätzung nach aber nicht als Fusssoldat für MBS handeln und keine Entscheidung treffen, die den Interessen Irans zuwiderlaufe.