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Pepe Escobar berichtet von Irans Kriegsplanung und neuen diplomatischen Kontakten

Pepe Escobar schildert in einem Gespräch mit Mr. Z eine angespannte Lage in Westasien. Nach seinen Angaben stellt sich die iranische Führung auf einen möglichen Angriff der USA und Israels ein, hält zugleich aber an Bedingungen für neue Verhandlungen fest. Ausserdem beschreibt Escobar diplomatische Kontakte mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, Pakistan und Japan. Seine Aussagen beruhen laut ihm auf Informationen aus Regierungskreisen; sie werden im Gespräch nicht unabhängig belegt.

Escobars Einschätzung zur Wahl in Brasilien

Zu Beginn spricht Escobar über die anstehende Wahl in Brasilien, die er als knapp und ausserordentlich wichtig bezeichnet. Das Land stehe, so seine Darstellung, vor der Wahl zwischen der Wahrung seiner Souveränität als Teil einer multipolaren Welt und einer Entwicklung zu einer «extraktivistischen Neokolonie», die von der Trump-Regierung, künftigen US-Regierungen und der Technologiebranche im Silicon Valley abhängig wäre. Er erwartet in den Stunden vor der Abstimmung eine Welle von Memes und Falschmeldungen. Brasilien sei eine der am stärksten online vernetzten Nationen, weshalb sich politische Ereignisse dort besonders stark im Internet abspielten.

Escobar verbindet die Wahl mit dem Machtgefüge in der westlichen Hemisphäre. Sollte Brasilien seine Eigenständigkeit verlieren, werde die Region nach seiner Einschätzung vollständig von der «Donroe-Doktrin» kontrolliert. Im weiteren Verlauf ordnet er die Vorgänge in Brasilien neben die Entwicklungen in Westasien ein und spricht von miteinander verknüpften politischen und diplomatischen Bewegungen.

Iranische Führung und festgefahrene Verhandlungen

Als zentralen Vorgang der Woche nennt Escobar ein Treffen in Teheran zwischen dem obersten Führer Irans und Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf. Nach seiner Darstellung waren nur wenige weitere Personen anwesend, darunter eine Quelle des Senders. Escobar sagt, Ghalibaf sei ermächtigt worden, die zivile politische Führung ebenfalls auf eine Kriegsbereitschaft einzustellen. Das belege aus seiner Sicht einen vollständigen Konsens zwischen politischer Führung und Militär.

Die iranische Führung habe amerikanische Gegenvorschläge zurückgewiesen, die Escobar als kaum verhüllte Forderungen nach Kapitulation beschreibt. Er verweist auf sieben iranische Punkte, die demnach eine Kurzfassung eines 14-Punkte-Memorandums seien. Dazu gehörten ein Ende aller Kriege, einschliesslich der Konflikte im Libanon und in Gaza, die Rückgabe iranischer Gelder und eine Lockerung der Sanktionen. Über die Strasse von Hormus solle erst danach gesprochen werden; das iranische Atomprogramm stehe am Ende der Verhandlungen.

Escobar schreibt Mohsen Rezaei die Aussage zu, kein angereichertes Uran werde Iran verlassen. Berichte, wonach Russland vorgeschlagen habe, iranisches Uran vorübergehend zu übernehmen und Inspektionen zu ermöglichen, seien nicht bestätigt. Er beschreibt die Gespräche deshalb als festgefahren. Iran gebe zwar an, Verhandlungen nicht grundsätzlich abzulehnen; nach Escobars Einschätzung verlangten die USA jedoch Kapitulation statt Verhandlungen.

Warnung vor einer Eskalation und Pläne für Dimona

Escobar zufolge rechnet die iranische Führung vor allem mit einem gemeinsamen Angriff der USA und Israels. Teheran habe eine Reaktion angekündigt, die sich über ein breites Spektrum erstrecken könne. Er spricht von einer Zielliste mit mehr als 400 Zielen. Dazu zählten Einrichtungen in den Golfstaaten sowie amerikanische Anlagen und Marineeinheiten bis in den südlichen Indischen Ozean.

Besonders schwerwiegend sei nach Escobars Darstellung die Planung für den Fall eines israelischen Atomangriffs. Die iranische Führung habe eine mögliche Vergeltung genehmigt, die auf die vollständige Zerstörung der Anlage Dimona hinausliefe. Iran könne dafür, so Escobar, Hyperschallraketen einsetzen. Er betont ausdrücklich, dass solche Pläne nicht bedeuteten, Iran verfüge bereits über eine Atomwaffe oder kleinere nukleare Sprengsätze. Gemeint sei vielmehr ein konventioneller Raketenangriff, dessen Zerstörung in Israel einer nuklearen Detonation ähneln könnte. Diese Darstellung wird im Gespräch als Escobars Bericht wiedergegeben, nicht als unabhängig bestätigte Information.

Russland und China als Unterstützer Irans

Im Zusammenhang mit der strategischen Zusammenarbeit zwischen Iran und Russland erinnert Escobar an Gespräche des russischen Aussenministers Sergej Lawrow in Teheran. Dabei seien unter anderem Palästina, Iran, Jemen und die Ukraine sowie militärische Fragen besprochen worden. Einen Tag nach Lawrows Abreise seien 14 russische Frachtflugzeuge des Typs Iljuschin nach Iran geflogen. Was sie transportiert hätten, sei nicht verifiziert. Escobar sagt, seine Quellen gingen davon aus, dass die Lieferungen wichtige militärische Ausrüstung und möglicherweise Raketen oder Raketenmaterial enthielten; eine Bestätigung der russischen Seite gebe es nicht.

Russland sei damit nach Escobars Einschätzung nicht zwangsläufig unmittelbar in einen Krieg eingetreten. Es und China unterstützten Iran vielmehr von aussen und hielten sich dabei eine plausible Abstreitbarkeit offen. Escobar beschreibt die Beziehungen zwischen Russland, China und Iran als strategisch verflochten und verweist auf militärischen Austausch. China unterstütze Iran zudem mit Satelliten- und Navigationsfähigkeiten, die Positionierung, Zielerfassung und Widerstandsfähigkeit verbessern könnten. Diese Fähigkeiten seien mit Blick auf amerikanische Stützpunkte und mögliche Angriffe relevant.

Kontakte mit den Emiraten und Pakistan

Escobar berichtet von drei Kontakten innerhalb weniger Tage zwischen einem Berater des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate und iranischen zivilen Führungskreisen. Dabei gehe es auch um Geld, wobei weder die Höhe noch die genaue Vereinbarung bekannt sei. Als mögliche Erklärung nennt er Zahlungen, die den Emiraten Schutz vor Angriffen verschaffen könnten. Diese Kontakte wertet er als Hinweis auf mögliche Deeskalation, betont jedoch, Iran eskaliere seiner Ansicht nach nicht; verantwortlich dafür seien die USA und Israel. Mohsen Rezaei sei an diesen Gesprächen nicht beteiligt gewesen, weshalb es sich um einen zivilen diplomatischen Gesprächskanal handle.

Pakistans Handlungsspielraum sei kompliziert, sagt Escobar. Er verweist auf eine neue Kooperation namens «Badr», der Pakistan, Katar, Indonesien und die Türkei angehörten. Diese Initiative sei offenbar ebenfalls auf Verteidigungszusammenarbeit ausgerichtet, ihre konkrete Ausgestaltung bleibe aber unklar. Zugleich stehe Pakistan in einem weiteren Rahmen, an dem Saudi-Arabien beteiligt sei. Escobar behauptet, Saudi-Arabien wolle Pakistan und die Türkei in seinen früheren Krieg gegen den Jemen hineinziehen; beide Länder hätten sich jedoch dagegen gewehrt, als Söldnerkräfte eingesetzt zu werden.

Ein pakistanischer Vermittler namens Simon solle am Samstag in Riad dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman eine Botschaft überbringen: Saudi-Arabien solle sich mit der Führung von Ansar Allah an einen Tisch setzen. Die Botschaft komme aus Iran. Escobar zufolge habe Teheran erklärt, Ansar Allah treffe seine eigenen Entscheidungen über die nationale Sicherheit und werde nicht von Iran gesteuert. Saudi-Arabien müsse daher direkt mit der jemenitischen Bewegung verhandeln.

Japan und die Strasse von Hormus

Als weiteren diplomatischen Vorgang nennt Escobar eine vertrauliche Verständigung zwischen Iran und Japan über langfristige wirtschaftliche Zusammenarbeit. Einzelheiten seien noch nicht bekannt. Er vermutet, dies könne der Beginn einer Annäherung sein, bei der Iran seine wirtschaftlichen Beziehungen auch zu Ländern ausbaue, die eng mit den USA verbunden seien. Südkorea könne später einen ähnlichen Schritt unternehmen.

Mr. Z ergänzt, dass viele Gespräche zwischen Vertretern der iranischen zivilen Führung und der japanischen Führung stattgefunden hätten. Beide Seiten hätten sich demnach gemeinsam für ein langfristiges Abkommen entschieden, das verschiedene Bereiche ihrer Volkswirtschaften umfassen solle. Dabei solle den Interessen der USA nicht entscheidendes Gewicht zukommen. Eine stärkere Energieversorgung Japans aus Iran würde laut Mr. Z eine freie Durchfahrt durch die Strasse von Hormus für Tanker nach Japan voraussetzen. Er hält es für möglich, dass dies in den kommenden Wochen Realität werde.

Grenzkorridore und die Rolle Pakistans

Mr. Z sagt, Pakistans sechs Grenzkorridore seien wieder geöffnet. Er beruft sich dabei auf Personen, die vor Ort an den Übergängen sowie in den militärischen Führungskreisen in Rawalpindi tätig seien. Escobar erwidert, andere Berichte behaupteten weiterhin, die Korridore seien geschlossen. Mr. Z bekräftigt, dass nach seinen Informationen alle sechs Korridore auf beiden Seiten offen seien. Der Verkehr müsse zunächst wieder anlaufen, weil sich während der Unterbrechung ein grosser Rückstand gebildet habe.

Mr. Z stellt die Öffnung als wichtig für Pakistans Position dar: Das Land habe sich damit seiner Einschätzung nach für Iran und nicht für die USA entschieden. Zugleich sieht er darin einen Hinweis auf ein entstehendes Machtzentrum, in dem Iran und Pakistan von China und Russland unterstützt würden. Das neue «Badr»-Format könne, so seine Prognose, eine Kooperation ermöglichen, die nicht durch den Streit um eine Rolle Pakistans und der Türkei als saudische Hilfskräfte belastet werde. Iran könne dem Abkommen später beitreten. Eine solche regionale Zusammenarbeit wäre nach Ansicht von Mr. Z ein schwerer Rückschlag für die US-Vorherrschaft.

Diplomatische Möglichkeiten und fortgesetzte Konfrontation

Escobar stellt die von ihm beschriebenen Kontakte und neuen Zusammenschlüsse der öffentlichen Debatte über den möglichen Zeitpunkt eines israelischen Angriffs auf Iran gegenüber. Während sich die Spekulationen um einen Angriff und eine Beteiligung der USA drehten, zeigten die diplomatischen Bewegungen aus seiner Sicht, dass in Westasien und anderen Teilen Eurasiens bereits an künftigen Beziehungen gearbeitet werde. Er beschreibt den Gegensatz als Zusammenprall zwischen diplomatischen Möglichkeiten und einer Politik fortgesetzter Kriege, Sanktionen und Machtprojektion.

Zum Abschluss betont Mr. Z, die Entwicklungen zeigten Entschlossenheit, Stärke und zugleich Zurückhaltung. Escobar sagt, beide verfolgten nicht das Ziel, dass die USA in Schande abzögen; die Politik der Trump-Regierung habe die Lage jedoch an einen Punkt gebracht, an dem ein solcher Ausgang unvermeidlich werden könne. Auch das israelische Regime werde nach seiner Einschätzung einem unausweichlichen Ende entgegengehen. Beide kündigen an, die Entwicklungen weiterzuverfolgen und in einem späteren Bericht erneut darauf einzugehen.