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Zwangsmobilisierung außer Kontrolle? 14-Jähriger in mutmaßlicher Haftstätte bei Kiew entdeckt
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Zwangsmobilisierung außer Kontrolle? 14-Jähriger in mutmaßlicher Haftstätte bei Kiew entdeckt

In der Nähe der ukrainischen Hauptstadt Kiew wurde ein Privathaus entdeckt, in dem Dutzende eingezogene Männer von der Nationalgarde festgehalten worden sein sollen – darunter auch ein 14-jähriger Junge. Wütende Bürger stürmten das Gebäude. Aufnahmen, die in sozialen Medien kursieren, vermitteln das Bild eines Landes, das zunehmend von inneren Spannungen gprägt ist.

Was in Petropawliwka-Borschtschahivka geschah

In Petropawliwka-Borschtschahivka, etwas außerhalb von Kiew, versammelten sich am Montagnachmittag Dutzende Angehörige und Anwohner vor einem Wohnhaus, das von Einheiten der ukrainischen Nationalgarde genutzt wurde. Die Menschen traten gegen den Zaun, forderten Zutritt und erhoben Vorwürfe wegen Folter und unrechtmäßiger Inhaftierung. Auf Videos ist zu sehen, wie ein Gefangenentransporter von Umstehenden beschädigt wird.

Die Auseinandersetzung spitzte sich derart zu, dass sogar der Stabschef von Präsident Wolodymyr Selenskyj, Kyrylo Budanow, vor Ort erschien.

Ein 14-jähriger Junge wurde gefunden – wie ist das möglich?

Besonders schwer wiegt die Meldung, dass sich unter den aufgefundenen Personen ein 14-jähriger Junge befunden haben soll. Nach den geltenden Regeln und Gesetzen hätte er sich dort überhaupt nicht befinden dürfen.

Julija Mendel, ehemalige Sprecherin von Präsident Selenskyj, bestätigte den Fall und verband ihn mit scharfer Kritik an der Zwangsmobilisierung in der Ukraine. Ihrer Darstellung zufolge sei daraus ein System des Terrors entstanden, in dem Milliarden an Schmiergeldern flössen und Selenskyjs Sicherheitsapparat die Verantwortlichen schütze.

Die offizielle Reaktion

Der Kommandant der Nationalgarde, Generalmajor Oleksandr Pivnenko, bestätigte, dass sich 18 Soldaten in dem Gebäude aufhielten, darunter auch Männer, die ihre Einheit ohne Erlaubnis verlassen hatten.

Seinen Angaben zufolge ist die Nutzung gemieteter Privatwohnungen als vorübergehende Unterkunft gängige Praxis, weil der Armee nicht genügend Unterbringungsmöglichkeiten zur Verfügung stünden. Vier der angetroffenen Männer wurden zur medizinischen Untersuchung abtransportiert.

Pivnenko wies die Vorwürfe zurück, es habe sich um Folter gehandelt. Gleichzeitig kündigte die Nationalgarde eine interne Untersuchung an.

Innenminister Ivan Vyhivskyi bestätigte gegenüber „Ukrainska Pravda“, dass das Gebäude tatsächlich von einer Einheit der Nationalgarde genutzt wurde. Er kündigte an, sämtliche Informationen zu dem Fall einschließlich der Lebensbedingungen vor Ort gründlich untersuchen zu lassen.

Kritiker sehen darin klassisches Krisenmanagement: Zahlreiche Stellen werden eingeschaltet, während zunächst offenbleibt, wer für mögliche Verstöße verantwortlich gemacht wird.

Internationale Stimmen melden sich zu Wort

Während die ukrainischen Behörden versuchen, die Vorwürfe aufzuklären, fallen international scharfe Worte.

Professor Glenn Diesen spricht offen von „Selenskys Folterkammern“ und vermutet, das politische Establishment werde versuchen, die Geschichte zu vertuschen und aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwinden zu lassen. Die investigative Journalistin Elizabeth Lane bezeichnet die Ukraine als ein „Terrorregime, das seine eigene Bevölkerung unterdrückt“.

Der französische Journalist Didier Maïsto richtet seine Kritik auch gegen europäische Politiker und Medienvertreter, die den Krieg seiner Darstellung zufolge „bis zum letzten Mann“ befeuern – „zwischen zwei Gläsern Champagner“, wie er es formuliert.

Der Ökonom Richard Werner weist darauf hin, dass junge ukrainische Männer seit Jahren gefoltert würden und dass mehr als eine Million Menschen ums Leben gekommen seien. Was die Menschen nun überrasche, sei, dass die ukrainische Regierung nicht nur an der Front, sondern auch im eigenen Land ein Klima des Terrors geschaffen habe.

Asow-Kommandant spricht von russischer Provokation

Denis Prokopenko, Kommandant des Asow-Korps, stellte die öffentliche Debatte über den Vorfall dagegen als russische Provokation dar. Seiner Ansicht nach spiele vieles von dem, was derzeit im Informationsraum rund um diesen Fall verbreitet werde, Moskau in die Hände.

Damit wird erneut ein bekanntes Muster sichtbar: Kritik an der ukrainischen Regierung und ihrer Mobilisierungspolitik wird schnell in den Zusammenhang russischer Informationskriegsführung gestellt. Selbst Bürger, die Vorwürfe über die Behandlung ihrer Landsleute erheben, geraten dadurch unter den Verdacht, dem Gegner zu nutzen.

Selenskys System verschlingt seine eigenen Leute

Der Fall geht über einen einzelnen Vorfall in der Nähe von Kiew hinaus. Die Zwangsmobilisierung in der Ukraine ist seit längerem heftig umstritten. Immer wieder kursieren Aufnahmen, auf denen Männer auf Straßen festgehalten, aus Restaurants oder anderen öffentlichen Orten geholt und gewaltsam in Militärfahrzeuge gebracht werden.

Mendels Fazit fällt entsprechend drastisch aus: Sollte die EU weiterhin hinter einer Führung stehen, die nach ihrer Darstellung das eigene Volk tötet, würden sich die Ukrainer irgendwann auch gegen ihre eigene Regierung verteidigen.

Damit bleibt eine Frage offen, die weit über dieses Gebäude hinausgeht: Handelte es sich um einen isolierten Vorfall – oder existieren weitere vergleichbare Orte, die bislang nicht öffentlich bekannt geworden sind?

Allein die Meldung, dass sich ein 14-jähriger Junge in einem von der Nationalgarde genutzten Gebäude befunden haben soll, wirft schwerwiegende Fragen über die Zustände im ukrainischen Mobilisierungs- und Sicherheitsapparat auf.