Die von den Vereinten Nationen und der Gates Foundation unterstützte Kampagne 50-in-5 hat Benin, Brasilien und Indonesien für den Ausbau digitaler öffentlicher Infrastruktur ausgezeichnet. Die Preise würdigen eine digitale Identität, staatliche Online-Dienste und vernetzte Zahlungssysteme – Bausteine einer Initiative, die bis 2028 in 50 Ländern mindestens einen solchen Infrastrukturteil beschleunigen will.
Drei Länder, drei prämiierte Ansätze
Benin erhielt den Impact-Preis, obwohl das Land erst im Juni 2026 der Kampagne beigetreten war. Ausgezeichnet wurde die Initiative «From Identity to Inclusion: Building a Connected Digital Nation». Nach Angaben der Regierung wurden damit knapp 13,75 Millionen Menschen – rund 99 Prozent der Bevölkerung – digital registriert. Das Vorhaben verbindet eine digitale Identität mit einer nationalen Plattform für den Datenaustausch zwischen Behörden und digitalen öffentlichen Diensten. In ihrer Pressemitteilung der beninischen Regierung stellte die Regierung diese drei Elemente als Grundlage eines integrierten digitalen Ökosystems dar.
Marc-Andre Loko, Generaldirektor der beninischen Agentur für Informationssysteme und digitale Technologie, betonte bei der Preisverleihung, dass Menschen solche Systeme nur nutzten, wenn sie einfach zu bedienen seien und Vertrauen in den Schutz ihrer Daten hätten. Technologie könne sich, so Loko, nur verbreiten, wenn auch das Vertrauen wachse. Damit verwies er auf eine zentrale Voraussetzung für die Nutzung der Infrastruktur, deren Ausbau die Kampagne vorantreibt.
Brasiliens Ministerin für Management und Innovation im öffentlichen Dienst, Esther Dweck, erhielt den Preis für Führungsbeiträge. Gewürdigt wurde ihr Einsatz für digitale öffentliche Infrastruktur wie GOV.BR und PIX. Diese Systeme hätten laut der Begründung der Auszeichnung dazu beigetragen, betroffene Gemeinden nach Überschwemmungen binnen sechs Tagen mit Nothilfe zu erreichen. Zudem wurde Dwecks Engagement für internationale Zusammenarbeit im Rahmen der G20 genannt. PIX ist Brasiliens vom brasilianischen Zahlungssystem PIX betriebenes schnelles Zahlungssystem.
Dweck beschrieb die Verbindung des nationalen Identitätsausweises mit GOV.BR und CONECTA.GOV.BR als Aufbau einer souveränen digitalen öffentlichen Infrastruktur. Öffentliche Dienste könnten dadurch zunehmend proaktiv werden; Inklusion, Zugänglichkeit, Datenschutz und Vertrauen müssten dabei im Zentrum stehen, sagte sie.
Indonesiens Zentralbank erhielt den Preis für Zusammenarbeit. Gewürdigt wurde QRIS Cross-Border, eine Initiative, die nach der Darstellung der Organisatoren gemeinsam mit regionalen Partnern entwickelt wurde. Sie ermöglicht grenzüberschreitende Transaktionen und unterstützt in sieben Ländern mehr als 45,3 Millionen Unternehmen. 96 Prozent davon sind Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen. Die stellvertretende Gouverneurin der Bank Indonesia, Filianingsih Hendarta, hob als Ziele effizientere, leichter zugängliche und transparentere Zahlungen sowie neue Möglichkeiten für kleinere Betriebe hervor.
Preise als Motor für den Ausbau
Die Auszeichnungen sind Teil der 50-in-5-Kampagne für digitale öffentliche Infrastruktur, die im November 2023 startete. Sie will mindestens eine Komponente digitaler Identität, digitaler Zahlungssysteme oder des Datenaustauschs bis 2028 in 50 Ländern beschleunigen. Digitale Identität ist damit neben Zahlungen und Datenverbindungen ausdrücklich ein Kernbereich des Vorhabens. Im September war Italien als 40. Land der Initiative beigetreten; die Preisvergabe fand am Rand der 81. Sitzung der UN-Generalversammlung statt.
Die Kampagne vergibt Preise für Wirkung, Zusammenarbeit und individuelle Führungsbeiträge. Beim Impact-Preis zählen unter anderem Reichweite, Wachstum, Sicherheit und Inklusion. Der Zusammenarbeitspreis bewertet gemeinsame Technologien, Interoperabilität – also die Fähigkeit unterschiedlicher Systeme, miteinander zu funktionieren –, Sicherheit und tatsächlich umgesetzte Ergebnisse. Beim Individualpreis stehen Wissensaustausch, Engagement und Führung in der Kooperation im Fokus. Die Auszeichnungen der Kampagne sollen damit nicht nur einzelne Personen ehren, sondern auch festlegen, welche Ergebnisse und Eigenschaften bei der Verbreitung digitaler Infrastruktur als Erfolg gelten.
Die Preise für digitale öffentliche Infrastruktur gehen an Regierungen und Einzelpersonen. Die Kampagne bezeichnet sich als von Ländern getragen. Organisiert wird sie jedoch von einem Netzwerk internationaler Institutionen und Stiftungen: Dazu gehören die Gates Foundation, das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, die Digital Public Goods Alliance, das Center for Digital Public Infrastructure und Co-Develop. GovStack, die Interamerikanische Entwicklungsbank und UNICEF unterstützen die Initiative.
Ein dichtes Netz aus Stiftungen und Organisationen
Das Center for Digital Public Infrastructure wird von Co-Develop und Nilekani Philanthropies unterstützt. Co-Develop wiederum wurde von der Rockefeller Foundation, der Bill & Melinda Gates Foundation, Nilekani Philanthropies und dem Omidyar Network gegründet. Das Omidyar Network finanziert auch MOSIP. In ihrer Roadmap für Aktivitäten zur Förderung digitaler öffentlicher Güter führt die Digital Public Goods Alliance sowohl die Gates- als auch die Rockefeller-Stiftung sowie weitere Organisationen und mehrere Regierungen auf.
Die dokumentierten Verbindungen zeigen, dass die Kampagne in ein enges Geflecht von Geldgebern und Partnerorganisationen eingebettet ist. Ihre erklärte Zielsetzung ist, den Ausbau digitaler öffentlicher Infrastruktur in den teilnehmenden Ländern zu beschleunigen. Eine kritische Einordnung der Kampagne bezeichnet dieses Netzwerk als treibende Kraft hinter der weltweiten Verbreitung digitaler Identitäten und programmierbarer digitaler Währungen; diese Bewertung ist eine Einschätzung, keine der genannten Preisbegründungen.
Die zeitliche Entwicklung unterstreicht den Anspruch: 50-in-5 startete mit dem Ziel, bis 2028 in 50 Ländern Fortschritte zu erreichen, und meldete im September mit Italien den Beitritt des 40. Landes. Frühere Berichte behandelten den Start der Kampagne, ihr Erreichen von 30 Ländern und die geplante Ausweitung auf 50 Länder. Die UN- und Gates-Kampagne bei der UN-Generalversammlung, die Meldung zum Beitritt von 30 Ländern, der Bericht zum Kampagnenstart und die Darstellung des Ziels für 2028 dokumentieren diese Entwicklung. Zudem verweist eine frühere Meldung auf die Annahme des UN-«Pakts für die Zukunft», in dem Mitgliedstaaten sich auf digitale Identität verständigt hätten.
Die Preisverleihung macht sichtbar, welche konkreten Systeme 50-in-5 fördern will: digitale Identitäten, staatliche Plattformen und vernetzte Zahlungen. Benins gemeldete Registrierung von rund 99 Prozent der Bevölkerung und die Reichweite des indonesischen Zahlungssystems stehen dabei für die von der Kampagne hervorgehobenen Ergebnisse – und für den weitreichenden Ausbau, den sie bis 2028 vorantreiben möchte.


