Unabhängige Analysen und Informationen zu Geopolitik, Wirtschaft, Gesundheit, Technologie

Asiens Energiemärkte schlagen Alarm: Diesel könnte Richtung 200 Dollar steigen – so teuer könnte der nächste Preisschock für Europa werden

Der Krieg im Nahen Osten könnte den nächsten schweren Energieschock auslösen. Wie die Bangkok Post unter Berufung auf thailändische Energieexperten berichtet, könnte der internationale Dieselpreis bei einer weiteren Verschärfung der Versorgungskrise auf 200 Dollar pro Barrel steigen. Das wären derzeit rund 178 Euro oder 165 Franken pro Barrel. Umgerechnet kostet damit allein der Diesel im Großhandel bereits rund 1,12 Euro beziehungsweise 1,04 Franken pro Liter – noch bevor Steuern, Transport und Handelsspannen hinzukommen.

Die Warnung kommt vom thailändischen Amt für Energiepolitik und -planung sowie von Energieökonomen, die auf die zunehmenden Probleme im Nahen Osten verweisen.

Angriffe der vom Iran unterstützten Huthi auf saudische Energieanlagen und Handelsschiffe haben Lieferketten gestört. Gleichzeitig müssen Tanker teilweise längere Routen um Afrika nehmen, was Transportzeit und Kosten massiv erhöht. Damit verschärft sich ein Problem, das inzwischen weit über den Nahen Osten hinausreicht.

Am 20. Oktober wurde Diesel in Singapur bereits für 178 Dollar pro Barrel gehandelt. Das entspricht rund 158 Euro oder 146 Franken. Benzin lag bei etwa 136 Dollar pro Barrel.

Sollte Diesel tatsächlich auf 200 Dollar steigen, wäre das für Europa und die Schweiz ein deutliches Warnsignal.

Der Preis an der Tankstelle wäre deutlich höher

200 Dollar pro Barrel entsprechen bei rund 159 Litern etwa 1,12 Euro oder 1,04 Franken pro Liter.

Das ist allerdings nur der internationale Produktpreis.

An der Tankstelle kommen Steuern, Transportkosten, Lagerung und Margen hinzu. Der Endpreis für Verbraucher wäre deshalb deutlich höher. Damit würde ein weiterer Anstieg nicht nur Autofahrer treffen. Diesel wird für Lastwagen, Landwirtschaft, Bau, Schifffahrt und zahlreiche industrielle Prozesse benötigt.

Steigt Diesel stark, steigen damit auch die Kosten für Lebensmittel, Transporte und praktisch alle Waren, die über längere Strecken bewegt werden.

Thailand muss bereits Milliarden zuschießen

Wie ernst die Lage inzwischen ist, zeigt Thailand.

Der staatliche Öl- und Kraftstofffonds gibt laut Bangkok Post täglich rund 229 Millionen Baht aus, um die Energiepreise für Verbraucher zu stützen. Das entspricht ungefähr 6 Millionen Euro oder 5,6 Millionen Franken pro Tag. Trotzdem hat der Fonds bereits ein Defizit von rund 102 Milliarden Baht aufgebaut – umgerechnet etwa 2,7 Milliarden Euro oder 2,5 Milliarden Franken.

Die Regierung hat deshalb die Kraftstoffpreise bereits angehoben.

Sollten die internationalen Preise weiter steigen, erwägt Thailand sogar eine Senkung der Mineralölsteuer, um einen noch stärkeren Anstieg für Verbraucher zu verhindern.

Der nächste Inflationsschub könnte über Diesel kommen

Der thailändische Ökonom Praipol Koomsap hält einen Dieselpreis von 200 Dollar pro Barrel inzwischen für möglich. Das Problem: Mehrere Krisen wirken gleichzeitig.

Der Krieg in Europa dauert an, während der Nahostkrieg wichtige Energie- und Transportwege belastet. Gleichzeitig steigt im Winter auf der Nordhalbkugel der Energieverbrauch.

Damit bleibt unklar, ob die hohen Preise nur vorübergehend sind oder sich bis ins kommende Jahr halten.

Gerade Diesel ist dabei besonders gefährlich für die Wirtschaft. Denn ein hoher Ölpreis trifft zunächst den Energiemarkt. Ein hoher Dieselpreis dagegen wandert unmittelbar durch die gesamte Lieferkette.

Lastwagen werden teurer. Landwirtschaft wird teurer. Lebensmittel werden teurer. Transporte und Produktion werden teurer.

Wenn der Dieselpreis tatsächlich auf 200 Dollar pro Barrel steigt, dürfte der nächste Energieschock deshalb nicht an der Zapfsäule enden – sondern sich durch die gesamte Wirtschaft ziehen.