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Britische NGO steckt hinter der „Umgestaltung“ des Al-Qaida-Führers zum syrischen Präsidenten

Eine britische Nichtregierungsorganisation mit Verbindungen zur britischen Regierung war maßgeblich an der Umbenennung und politischen Rehabilitierung von Ahmad al-Sharaa beteiligt – dem früheren Al-Qaida-Chef, bekannt unter dem Namen Abu Mohammad al-Julani. Das geht aus einem Bericht von Independent Arabia sowie aus aktuellen Aussagen eines ehemaligen US-Diplomaten hervor.

Der frühere US-Botschafter in Syrien, Robert Ford, erklärte Anfang Mai vor dem Baltimore Council on Foreign Affairs, dass er vor zwei Jahren von einer britischen Organisation eingeladen wurde, um an einem Plan mitzuwirken, der darauf abzielte,

„Sharaa, damals Julani genannt, aus der Welt des Terrorismus in die reguläre Politik zu bringen.“

Ford sagte, er habe zunächst gezögert:

„Ich stellte mir vor, wie ich in einem orangefarbenen Overall mit einem Messer am Hals ende.“

Nach Gesprächen mit Personen, die Sharaa zuvor getroffen hatten, habe er sich jedoch entschlossen, die Einladung anzunehmen.
Ford berichtet von zwei Treffen mit Sharaa im Jahr 2023 in Idlib, einer syrischen Provinz, die zu diesem Zeitpunkt von Scharaas Organisation Hayat Tahrir al-Sham (HTS) – ehemals Nusra-Front, ein Ableger von Al-Qaida – beherrscht wurde.

Bei einem dieser Gespräche habe Sharaa erklärt, dass seine ideologischen Überzeugungen und früheren Taktiken als Al-Qaida-Mitglied nicht mehr anwendbar seien, wenn man Millionen Menschen regiere.
Er habe betont, dass er „Kompromisse“ eingehen musste.

Ford zufolge fand das zweite Treffen im September 2023 statt – rund zwei Monate vor dem Angriff, der zum Zusammenbruch der Regierung von Bashar al-Assad führte.

Die NGO im Zentrum: Inter Mediate

Wie Independent Arabia berichtet, handelt es sich bei der betreffenden britischen NGO um Inter Mediate, eine in London ansässige Organisation, die laut eigener Website in „komplexen und gefährlichen Konflikten“ vermittelt.
Sie wurde 2011 von Jonathan Powell gegründet – dem ehemaligen Stabschef von Premierminister Tony Blair.

Powell trat im Vorjahr von seiner Funktion zurück, nachdem er von Premierminister Keir Starmer zum Nationalen Sicherheitsberater Großbritanniens ernannt wurde.
Zu den Mitbegründern von Inter Mediate gehört auch Martin Griffiths, ehemaliger UN-Sondergesandter für den Jemen.

Widerspruch aus Damaskus

Eine Quelle aus der syrischen Präsidentschaft widerspricht den Aussagen von Robert Ford.
Demnach seien die Gespräche nicht privat gewesen, sondern fanden im Rahmen großer öffentlicher Veranstaltungen statt, die organisiert wurden, um die Verwaltungs- und Institutionserfahrung Idlibs unter Oppositionskontrolle zu präsentieren.

Ford sei Mitglied einer Delegation einer britischen Forschungseinrichtung gewesen.
Sein Besuch habe keinen diplomatischen Charakter gehabt und sei nicht Teil eines besonderen politischen Arrangements gewesen.

Terrorvergangenheit und internationale Rehabilitierung

Der Bericht erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem viele erstaunt sind über die warme Aufnahme Sharaas in Paris und während eines jüngsten Treffens in Saudi-Arabien mit Ex-US-Präsident Donald Trump – trotz seiner extremistischen Vergangenheit.

Sharaa hatte sich nach der US-Invasion des Irak 2003 der Al-Qaida im Irak (AQI) angeschlossen und wurde später stellvertretender Anführer von Abu Bakr al-Baghdadi, als dessen Organisation unter dem Namen Islamischer Staat im Irak (ISI) operierte.

2011 entsandte Baghdadi ihn nach Syrien, um am Krieg gegen die Regierung Assad teilzunehmen. Sharaa war maßgeblich an tödlichen Selbstmordanschlägen auf Sicherheitskräfte und Zivilisten beteiligt und gründete 2012 die Nusra-Front.

Nach mehreren von Katar unterstützten Rebranding-Kampagnen wurde die Nusra-Front 2017 in Hayat Tahrir al-Sham (HTS) umbenannt – eine Organisation, die nun von westlichen Akteuren offenbar als politisch tragfähig aufgebaut wird.