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Escobar: Iran soll zum «Ende des Jobs» bereit sein – Hormus und Petrodollar im Zentrum

Pepe Escobar und sein Gesprächspartner, den Escobar mit «Mr. Z» anspricht, zeichnen in einem Gespräch aus Shanghai ein Szenario wachsender Spannungen zwischen den USA, Israel und Iran. Sie sprechen über mögliche militärische Schritte nach den US-Zwischenwahlen, stockende Vermittlungsversuche und die Bedeutung der Strasse von Hormus. Ihre Aussagen beruhen nach eigener Darstellung teilweise auf Kontakten in der Region; sie sind im Gespräch nicht unabhängig belegt.

Warnung vor möglichen Angriffen auf Inseln

Escobar verweist auf eine Einschätzung des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Larry Johnson, wonach die US-Regierung nach den Zwischenwahlen eine besonders riskante militärische Option wählen könnte: die Einnahme einer oder zweier iranischer Inseln. Als mögliche Ziele nennt Escobar Kharg, einen wichtigen iranischen Ölumschlagplatz, sowie Larak nahe der Insel Qeschm. Eine Besetzung wäre nach seiner Einschätzung kaum zu halten, weil die Inseln nahe an der iranischen Küste lägen und die USA dort mit grossem Widerstand rechnen müssten. Er spekuliert, dass Truppen eher aus der Luft abgesetzt werden müssten als an Land zu gehen.

Pepe Escobar und Mr. Z stellen einen möglichen US-Angriff nach den Zwischenwahlen als ernsthafte Gefahr dar. Escobar betont zugleich, dass sich die Lage in den vergangenen zwei oder drei Tagen nicht grundsätzlich verändert habe. Vielmehr nähmen die Erwartungen zu, dass es nach den Wahlen zu einer gefährlichen Zuspitzung kommen könnte. Eine mögliche Entscheidung über Angriffe hänge davon ab, wie die Zwischenwahlen ausgingen; zugleich meint Escobar, Präsident Donald Trump könne unabhängig vom Resultat bereits festgelegt sein.

Irans Bedingungen für Verhandlungen

Ein zentraler Streitpunkt sei die Reihenfolge möglicher Gespräche. Laut Escobar hätten iranische Vertreter über Vermittler aus Katar deutlich gemacht, dass die Atomfrage erst am Ende einer Verhandlung behandelt werden solle. Die USA wollten dagegen nach seiner Darstellung mit dem Nukleardossier beginnen. Für Teheran seien zunächst ein glaubwürdiges Entgegenkommen der USA, die Rückgabe eingefrorener Gelder und ein Ende der Seeblockade entscheidend.

Escobar sagt, Iran halte an sieben Bedingungen fest und die Strasse von Hormus bleibe geschlossen, bis diese erfüllt seien. Er erwähnt dabei auch die Freigabe von Ölsanktionserleichterungen und eingefrorenen Mitteln. Erst danach könnten Gespräche über eine mögliche schrittweise Öffnung der Meerenge und über Routen, darunter eine über Oman, beginnen. Die von Katar ins Spiel gebrachte Öffnung innerhalb weniger Tage sei aus iranischer Sicht verfrüht, solange die Bedingungen nicht umgesetzt würden.

Zu einem Brief des US-Vizepräsidenten J. D. Vance habe der iranische Vertreter Mohsen Rezaei nach Escobars Angaben keine formelle Antwort gegeben. Rezaei habe den Brief als positiven Schritt bezeichnet; die eigentliche Kommunikation laufe jedoch über Vermittler. Escobar erklärt, Teheran habe den USA signalisiert, dass der Brief allein keine Grundlage für weitere Gespräche bilde. Die in Doha geführten Kontakte seien zudem auf einer niedrigeren Ebene angesiedelt und verträten nicht die iranische Führung.

Drohungen und mögliche Vergeltung

Pepe Escobar und Mr. Z geben wieder, die iranische Führung habe ihre Streitkräfte angewiesen, bei einem erneuten Angriff ohne geografische Begrenzung zu reagieren. Mr. Z sagt, ihm sei berichtet worden, der oberste Führer habe hochrangigen Militärs erklärt, es sei ihre Pflicht, «diesmal den Job zu Ende zu bringen». Er beschreibt dies als sinngemäss wiedergegebene Aussage und nicht als wörtliches Zitat. Als mögliche Ziele nennt er US-Marineeinheiten, Israel sowie US-Stützpunkte in Jordanien oder Katar, falls diese für Angriffe genutzt würden.

Escobar erweitert die mögliche Reichweite solcher Vergeltungsschläge auf US-Stützpunkte in Europa, darunter Einrichtungen in Deutschland, Osteuropa und Sizilien. Er verweist auf iranische ballistische und Hyperschallraketen, nennt aber keine konkreten Fähigkeiten oder Einzelheiten. Mr. Z sagt, Iran habe wichtige nukleare Anlagen an sicherere Orte verlegt und sei auf Angriffe vorbereitet. Ob Iran die israelische Anlage Dimona ins Visier nehmen würde, hänge laut seiner Darstellung vom Ausmass möglicher Angriffe auf iranische Infrastruktur ab. Bei einer Zerstörung iranischer Infrastruktur werde Iran, so Mr. Z, Dimona ebenfalls zerstören. Diese Aussagen sind Prognosen und Behauptungen von Pepe Escobar und Mr. Z.

Die Golfstaaten seien laut Escobar besonders besorgt, weil sie bei einer Eskalation zuerst betroffen sein könnten. Beide sprechen zudem über Aussagen, wonach auch die Türkei und Saudi-Arabien sich durch israelische Absichten bedroht sehen könnten. Mr. Z sagt, er habe diese Einschätzung von einer Person erhalten, die bei einem entsprechenden Treffen im Raum gewesen sei. Im Gespräch wird daraus keine unabhängige Bestätigung abgeleitet.

Katar, Pakistan und regionale Verbindungen

Die Vermittlungsbemühungen Katars werden im Gespräch als begrenzt dargestellt. Escobar sagt, die iranische Führung bevorzuge eine Wiederaufnahme des Islamabad-Memorandums, bei dem Pakistan statt Katar als Vermittler auftreten solle. Mr. Z ergänzt, Pakistan spiele inzwischen eine wichtige, aber wenig sichtbare Vermittlerrolle. Er vermutet, Trump sei gegenüber Pakistan abgekühlt, weil Islamabad iranische Positionen gegenüber Washington vertreten habe. Auf Nachfrage räumt er ein, dass es sich dabei um eine Einschätzung seiner Kontakte und nicht um ein Zitat handle.

Mr. Z behauptet ausserdem, Pakistan erleichtere Unterstützung aus China für Iran. Pepe Escobar und Mr. Z sprechen von eng verbundenen Beziehungen zwischen Iran, Russland und China; Mr. Z zählt Pakistan ebenfalls zu den strategischen Partnern Irans. Er sagt, pakistanische und iranische Gesprächspartner hätten Pakistan als «unerschütterlichen Freund» bezeichnet. Escobar warnt zugleich davor, Pakistan könne durch Fehlentscheidungen, insbesondere im Verhältnis zu Afghanistan und den Taliban, zusätzliche strategische Risiken schaffen.

Die Gesprächspartner führen auch die Lage in Brasilien an. Escobar sagt, der aus Brasilien geflohene, untersuchte frühere Wahlverlierer habe mit Wissen der US-Regierung das Land verlassen. Die Absichten der Trump-Regierung in dieser Angelegenheit würden sich seiner Ansicht nach erst nach den Zwischenwahlen zeigen. Er stellt diesen Fall neben die Iran-Krise als weitere Entwicklung, deren Folgen für die internationale Politik noch offen seien.

Strasse von Hormus und Petrodollar

Im letzten Teil des Gesprächs rückt die Bedeutung der Strasse von Hormus in den Mittelpunkt. Escobar argumentiert, Iran wolle eine neue Ordnung durchsetzen, in der es die Meerenge kontrolliere und für die Durchfahrt eine Gebühr verlangen könne. Diese könne nach seiner Aussage in Yuan, Kryptowährungen oder Bargeld entrichtet werden. Er deutet dies als möglichen Bruch mit der bisherigen Rolle der US-Marine und mit einer vom US-Dollar geprägten Ölordnung.

Mr. Z sagt, der Konflikt werde den Petrodollar letztlich zerstören. Er begründet seine Prognose mit seiner eigenen früheren Beteiligung an der Entstehung des Petrodollarsystems unter US-Finanzminister Simon. Später habe er seine damalige Arbeit als verfehlt beurteilt und sich davon distanziert. Der Niedergang könne Monate oder Jahre dauern, werde aber nach seiner Überzeugung rasch beginnen und die US-Vorherrschaft beenden. Das ist seine ausdrücklich als persönliche Prognose formulierte Einschätzung.

Escobar hält die kommende Woche und die Zeit nach den Zwischenwahlen für entscheidend. Er sieht für die US-Regierung kaum einen Ausweg aus der Konfrontation, ohne dass dies als strategische Niederlage wahrgenommen würde. Mr. Z stimmt ihm zu. Beide stellen damit eine mögliche Eskalation um Iran und Hormus in den Zusammenhang grösserer geopolitischer Veränderungen, ohne den weiteren Verlauf als sicher darzustellen.