Ein Bericht, wonach die USA Iran einen begrenzten Angriff auf die Nuklearanlage Pickaxe Mountain vorgeschlagen hätten, bildet den Ausgangspunkt eines Gesprächs über eine mögliche Eskalation. Der Moderator hält eine symbolische US-Aktion ohne iranische Vergeltung zunächst für denkbar. Sein Gesprächspartner widerspricht: Ein Angriff würde aus seiner Sicht eine schwere iranische Antwort auslösen. Im weiteren Verlauf geht es um die Glaubwürdigkeit staatlicher Medien, eine mögliche Vereinbarung, die Kontrolle über die Strasse von Hormus und die Frage, was ein Ende des Kriegs «an allen Fronten» bedeuten würde.
Möglicher Angriff auf Pickaxe Mountain
Der Moderator bezieht sich auf einen an diesem Tag veröffentlichten Bericht, wonach Washington Iran gebeten habe, einen symbolischen Schlag gegen Pickaxe Mountain zuzulassen und nicht darauf zu reagieren. Iran habe das Angebot zurückgewiesen. Der Moderator sagt, er halte die Meldung für glaubwürdig, betont aber, Berichte aus Iran wie aus den USA könnten absichtlich oder unbeabsichtigt falsch sein.
Seine eigene Einschätzung: Der Krieg sei bereits im April zu Ende gegangen; seitherige Entwicklungen seien Teil von Verhandlungen. Die Intensität sei gegenüber März und April um etwa 95 Prozent gesunken. Den damaligen militärischen Aufbau der USA unter Präsident Donald Trump deutet er als Vorbereitung auf einen letzten, symbolischen Angriff. Pickaxe Mountain sei dafür ein geeignetes Ziel. Er erwartet keinen Angriff auf die iranische Energieinfrastruktur und keine gezielten Tötungen der Führung. Iran werde seiner Ansicht nach nicht proportional zurückschlagen; nach begrenzten Angriffen am Golf könne die Lage nach einigen Tagen enden.
Der iranische Gesprächspartner hält dagegen, selbst ein einzelner Angriff auf die Anlage wäre wegen der dabei eingesetzten schweren Bombe nicht wirklich symbolisch. Die iranische Antwort müsse entsprechend schwer ausfallen. Iran werde dafür sorgen, dass Trump nicht erfolgreich aus der Konfrontation hervorgehe, sagt er. Er begründet dies damit, dass Trump und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu iranische Kinder und Bürger getötet und den iranischen Führer Ayat getötet hätten. Die US-Regierung sei für ihn der Feind; eine andere Haltung als Feindseligkeit gegenüber einem solchen Gegner gebe es nicht.
Abschreckung oder Vergeltung
Der Moderator fragt, ob diese Aussagen vor allem der Abschreckung dienen oder eine tatsächliche Erwartung wiedergeben. Der Gesprächspartner sagt, Iran werde versuchen, Trump eine als katastrophal wahrgenommene Bilanz zu bescheren. Wenn Trump oder seine Anhänger den Krieg als Erfolg darstellen könnten, erhöhe das aus seiner Sicht die Gefahr künftiger Kriege. Eine harte Reaktion sei deshalb nicht bloss eine Frage der Vergeltung, sondern solle künftige Angriffe verhindern.
Zur Begründung erhebt der Gesprächspartner schwere Vorwürfe gegen die USA und Trump. Er macht sie für Todesfälle in Gaza, die Vertreibung im Süden des Libanon und die Belagerung des Jemen mitverantwortlich. Für Gaza nennt er eine Schätzung von 70’000 bis 80’000 Menschen, die bei Bombardierungen getötet worden seien; wenn Menschen unter den Trümmern mitgezählt würden, könnten es 100’000 sein. Zusätzlich seien Hunderttausende wegen fehlender Medikamente gestorben, sagt er.
Auch die Versorgung Irans spricht er an. Der Versuch, Flüge nach Iran zu blockieren, ziele seiner Darstellung nach auf den medizinischen Sektor. Bestimmte Medikamente würden nicht im Land hergestellt oder seien dort knapp und müssten eingeflogen werden. Eine solche Politik solle eine medizinische Krise erzeugen, behauptet er.
Wie verlässlich sind iranische Medien?
Auf die Frage, ob der Bericht über den angeblichen US-Vorschlag stimmen könne, verweist der Gesprächspartner auf seine Erfahrung mit iranischen Staatsmedien. Offizielle Rundfunk- und Nachrichtenstellen würden seiner Ansicht nach üblicherweise nicht lügen, sondern Informationen eher weglassen, wenn sie etwas nicht öffentlich machen wollten. Deshalb sei eine Meldung im iranischen Fernsehen, wonach die USA eine solche Anfrage gestellt hätten, ein Hinweis darauf, dass Washington sie wahrscheinlich tatsächlich übermittelt habe. Iran habe sie abgelehnt, sagt er. Frühere Fälle, in denen die USA angekündigt hätten, etwas zu tun, seien ihm ebenfalls bekannt.
Der Moderator widerspricht einer allgemeinen Rangordnung der Medien. Er sagt, er könne nicht beurteilen, ob iranische Medien insgesamt genauer seien als westliche, und erinnert an fehlerhafte Berichte während des Kriegs. In der Kriegszeit könnten staatliche Stellen unter Druck stehen, bestimmte Dinge zu melden und andere nicht. Nach Kriegsende habe sich sein Eindruck von der Glaubwürdigkeit iranischer Berichterstattung jedoch verbessert.
Der iranische Gesprächspartner führt als Gegenbeispiel einen Bericht der «New York Times» aus dem Jahr 2022 an. Die Zeitung habe unter Berufung auf fünf Quellen behauptet, Ayat sei schwer krank und liege im Sterben. Wenige Tage später habe Ayat einen öffentlichen Auftritt gehabt, der im Fernsehen übertragen worden sei. Ein Journalist des «Wall Street Journal» habe ihn damals gefragt, ob die Meldung stimme; er habe sie als falsch bezeichnet, sei aber nicht geglaubt worden. Die Quellenangabe der Zeitung sei laut ihm irreführend gewesen. Auch Reuters verbreite häufig Falschmeldungen, behauptet er. Der Moderator sagt, seine Kritik an westlichen Leitmedien gelte ebenso für iranische Medien.
Eine mögliche geheime Absprache?
Der Moderator fragt, ob es trotz der öffentlichen Zurückweisung eine geheime Verständigung geben könnte: Die USA könnten einen begrenzten Angriff ausführen, Iran im Gegenzug auf Schläge gegen Energieanlagen am Golf verzichten und stattdessen US-Stützpunkte angreifen. Der iranische Gesprächspartner hält das für unwahrscheinlich. Dass Iran den Vorschlag öffentlich gemacht habe, spreche dafür, dass das Land ihn nicht annehmen wolle.
Auch die frühere zwölftägige Auseinandersetzung sei nicht mit der aktuellen Lage vergleichbar, sagt er. Damals habe Iran vor allem gegen Israel gekämpft und zugleich vermeiden wollen, die Beziehungen zu Katar und anderen Golfstaaten zu beschädigen. US-Flugzeuge hätten von dort aus getankt, während Iran gehofft habe, diese Regierungen würden sich nicht an einem umfassenden Krieg beteiligen. Der Angriff auf einen US-Stützpunkt in Katar sei zwar bedeutend gewesen, aber nicht der Schwerpunkt des Kriegs. Der Gesprächspartner behauptet, Israel – nicht Iran – habe damals eine Waffenruhe gesucht. Er beruft sich dabei auf Aussagen von Steve Bannon, der Trump nahestehe.
Die heutige Lage sei anders, weil die USA nach seiner Auffassung Krieg gegen Iran führten. Er wirft den USA und Israel vor, Menschen in Wohnungen, Spitälern und auf der Strasse getötet sowie Pharmaunternehmen bombardiert zu haben. Auch sogenannte doppelte und dreifache Angriffe auf Plätze in Teheran führt er an. Der Moderator merkt an, Iran habe während der früheren Auseinandersetzung eine amerikanische Forderung zu einem Angriff auf Nuklearanlagen akzeptiert und danach einen Stützpunkt in Katar angegriffen. Daraus ergebe sich für ihn die Frage, ob eine ähnliche, nicht öffentlich eingeräumte Vereinbarung diesmal denkbar wäre.
Militärische Lage und die Strasse von Hormus
Der Moderator begründet seine Erwartung, dass kein umfassender Krieg bevorstehe, mit mehreren Entwicklungen. Israelische Medien hätten berichtet, Iran verfüge beinahe wieder über so viele Raketenabschussgeräte wie vor dem Krieg: rund 400 bis 420, gegenüber dem Stand vor dem 28. Februar. Auch bei Raketenbeständen und Drohnen gebe es ähnliche Berichte. Zudem habe sich die iranische Zielgenauigkeit verbessert.
Er sagt weiter, frühere Vermutungen über den Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus hätten sich teilweise bestätigt: Iran habe Schiffe zunächst verschont und greife nun mehr davon an. Auch die Annahme, Iran erhalte weiterhin Einnahmen aus dem Öltransport, halte er für plausibel. Er verweist auf Spekulationen eines Kepler-Managers über Einnahmen aus Golföl und auf einen Reuters-Bericht, wonach iranisches Öl teilweise über Umladungen von Schiff zu Schiff und möglicherweise über den Irak ausgeführt werde. Diese Entwicklungen machten einen pragmatischen Grund für einen grossen Krieg unwahrscheinlich; ein symbolischer US-Angriff erscheine ihm eher denkbar.
Der Gesprächspartner bestreitet, zuvor gesagt zu haben, Iran werde zuerst US-Truppen angreifen, um einen Krieg zu beginnen. Seine Aussage sei vielmehr gewesen, Iran behalte sich einen Angriff vor, falls US-Kräfte kurz vor einem Angriff auf Iran stünden. Nun eskaliere Iran als Reaktion auf eine bereits laufende Eskalation der USA: Er nennt die Einschränkung iranischer Flüge, die Behinderung des Schiffsverkehrs und den Wirtschaftskrieg. Die Golfstaaten unterstützten nach seiner Darstellung die USA. Iran werde deshalb nicht zulassen, dass sie weiter Öl exportierten, während sie Washington im Krieg unterstützten.
Selbst wenn Trump einen begrenzten Angriff ausführe und Iran die Strasse von Hormus für ein paar Wochen schliesse, wäre danach keine Rückkehr zum normalen Schiffsverkehr garantiert, sagt der Gesprächspartner. Iran werde den Druck aufrechterhalten, bis der Krieg in Gaza, der Krieg im Libanon und die Belagerung des Jemen beendet seien, iranische Vermögenswerte freigegeben würden und die übrigen Vereinbarungen umgesetzt seien. Der Moderator hält eine solche Verknüpfung für politisch kaum erreichbar. Er sagt, ein US-Rückzug und iranischer Einfluss auf die Strasse wären bereits ein strategisch gutes Ergebnis für Iran. Teheran könne die Passage öffnen, Gebühren erheben und andere Konflikte getrennt behandeln. Die wirtschaftliche Lage Irans sei angespannt, und das Land müsse die Schäden der Bombardierungen beheben.
Was bedeutet «Kriegsende an allen Fronten»?
Der Gesprächspartner verweist auf Artikel 1 einer Vereinbarung, die er als Memorandum of Understanding (MOU) bezeichnet. Darin stehe, die USA, Iran und ihre Verbündeten erklärten die sofortige und dauerhafte Beendigung militärischer Operationen an allen Fronten, einschliesslich im Libanon. Sie sollten künftig keinen Krieg und keine Militäroperationen gegeneinander beginnen, nicht mit Gewalt drohen und die territoriale Integrität und Souveränität des Libanon achten. Der endgültige Vertrag solle das Kriegsende an allen Fronten bestätigen.
Dass der Libanon ausdrücklich erwähnt werde, erklärt der Gesprächspartner mit der damaligen Intensität der Kämpfe dort. Entscheidend sei aber die Formulierung «an allen Fronten» und die Einbeziehung der Verbündeten beider Seiten. Die USA hätten demnach eine umfassende Verpflichtung übernommen, zu der auch Israel gehöre. Iran werde daher nicht zulassen, dass Trump einzelne Punkte aus der Vereinbarung herausnehme und gleichzeitig erwarte, dass Iran seine Verpflichtungen einhalte. Der Gesprächspartner vergleicht dies mit einem Geschäftspartner, der schon zu Beginn eines Vertrags einzelne Bedingungen nicht umsetze: Das beschädige das Vertrauen und lasse weitere Vertragsbrüche erwarten.
Der Moderator stellt die Auslegung auf die Probe: Wenn die Vereinbarung das Ende des Kriegs an allen Fronten vorsieht und die Hisbollah später eine Drohne auf israelische Kräfte abfeuere, würde das Israel zu einer umfassenden Invasion des Libanon berechtigen? Der Gesprächspartner antwortet mit einem historischen Vergleich. Im Krieg zwischen Iran und Irak hätten beide Seiten auch nach einer Waffenruhe Verstösse erlebt. Saddam Hussein habe unter anderem rund 700 iranische Soldaten gefangen genommen; Iran habe Geduld gezeigt und ihre Rückkehr über die UNO erreicht, während die Waffenruhe bestehen geblieben sei.
Wenn zwei Seiten beschlossen hätten, einen Krieg zu beenden, könne ein einzelner Verstoss nicht automatisch dessen Fortsetzung bedeuten, argumentiert er. Ein Krieg beginne nur dann wieder, wenn eine Seite einen Vorwand dafür suche. Er wirft Israel vor, auf einzelne Angriffe mit unverhältnismässiger Gewalt zu reagieren. Wenn die USA ein Ende des Kriegs in Gaza wollten, könnten sie nach seiner Ansicht die israelische Führung dazu bewegen.
Jemen und der ungeklärte Geltungsbereich der Vereinbarung
Zum Schluss fragt der Moderator, ob die jemenitischen Ansar Allah, häufig als Huthi bezeichnet, gegen eine Waffenruhe an allen Fronten verstossen hätten. Er schildert, Saudi-Arabien habe nach Verhandlungen einen Angriff als Warnung ausgeführt, nachdem die Huthi versucht hätten, eine Blockade zu durchbrechen. Danach hätten die Huthi Gebiete der international anerkannten Regierung im Jemen erobert; der Moderator spricht von grossen Geländegewinnen und davon, dass Taiz möglicherweise fallen könnte. Wegen der Verbindungsprobleme wird die Frage auf ein späteres Gespräch vertagt.
Der Gesprächspartner ergänzt, die Blockade des Jemen sei auch nach einer Waffenruhe weitergegangen. Ansar Allah und ihre Koalition kontrollierten seit mehr als elf Jahren die Hauptstadt und führten dort die Regierung. Die westliche Bezeichnung «Huthi-Rebellen» sei aus seiner Sicht eine politische Darstellung; eine Gruppierung, die in der Hauptstadt regiere und Kabinettssitzungen abhalte, würde anderswo nicht so genannt. Die Belagerung des Landes müsse enden, und Saudi-Arabien müsse sie beenden.
Der Moderator hält fest, eine Belagerung könne selbst als Kriegshandlung gelten. Damit sei jedoch nicht geklärt, wie weit die kurze und nach seiner Einschätzung vage MOU reiche. Der Austausch endet, ohne die Frage zu klären, ob die Huthi durch ihre Gebietsgewinne gegen die Vereinbarung verstossen hätten oder welche konkreten Schritte eine Beendigung der Kämpfe an allen Fronten voraussetzen würden.


