Moon of Alabama
Im Kongress gab es einiges Murren, als die Trump-Regierung Stephen Feinberg, einen Milliardär aus New York, als Nummer zwei im Pentagon einsetzte. Feinberg hatte zuvor Cerberus Capital Management geleitet, das verschiedene finanzielle Interessen an Pentagon-Zulieferern hat. Von 2018 bis 2021, während der ersten Trump-Regierung, war er zudem Vorsitzender des President’s Intelligence Advisory Board.
Feinberg machte erstmals Schlagzeilen, als das Pentagon Milliarden investierte und damit Beteiligungen an mehr als einem Dutzend privater Unternehmen erwarb. Es gibt ernste Bedenken dass Feinberg Geld an Unternehmen lenkt, an denen er selbst und/oder die Familie von Donald Trump interessiert sind.
Bei seinen jüngsten Unternehmungen scheint es ihm allerdings weniger um Geschäfte zu gehen. Sie wirken wie Versuche, innerhalb des Verteidigungsministeriums die Central Intelligence Agency nachzubilden.
Heute wurden zwei umfangreiche Artikel veröffentlicht, die auf unterschiedlichen «Leaks» zu diesen Plänen beruhen. Das dürfte kaum Zufall sein. Höchstwahrscheinlich wurden diese Artikel von «Quellen» im Rahmen eines Revierkampfs lanciert.
Die Washington Post macht den Anfang:
Pentagon will ein Spionageprogramm mit tiefer Tarnung aufbauen, um China entgegenzutreten (archiviert) – Washington Post, 22. Okt. 2026
Wirtschaftsspionage hat im Verteidigungsministerium neue Priorität. Doch das Pentagon kann bei der Spionage mit menschlichen Quellen keine besonders gute Erfolgsbilanz vorweisen.
Das Pentagon will ein umfangreicheres Spionageprogramm mit tiefer Tarnung aufbauen, um Wirtschaftskrieg gegen China und andere Konkurrenten der USAzu führen, wie ein halbes Dutzend mit der Initiative vertraute Personen berichtet.
Dieses neue Spionageprogramm der nächsten Generation – bei dem US-Agentenunter falscher Identität als Geschäftsleute oder andere Beschäftigte des Privatsektors auftreten würden, ohne eine offensichtliche Verbindung zur US-Regierung – soll ein verdeckter Bestandteil der umfassenderen Wirtschaftskriegsführung des Pentagonssein, so die Personen.
Dieses neue Spionageprogramm mit «nichtoffiziell getarnten Agenten» (Nonofficial Cover Officers, NOCs) wird laut damit vertrauten Personen von Tom Rakusan geleitet, einem CIA-Veteranen mit 39 Dienstjahren, der nun als leitender Berater des stellvertretenden Verteidigungsministers Steve Feinberg tätig ist. Die Personen sprachen unter der Bedingung der Anonymität, um über die heikle Initiative zu reden.
Rakusan, der 2021 aus der CIA ausschied, stieg 2017 zum stellvertretenden Operationsdirektor auf – dem obersten Spionagechef der CIA. Später leitete er die Reaktion der CIA auf Russlands Kampagne zur Wahlbeeinflussung bei der Präsidentschaftswahl 2016.
Nach seinem Ausscheiden aus der Behörde wechselte Rakusan zu Cerberus Capital Management, der von Feinberg mitgegründeten Private-Equity-Firma, und folgte dem Milliardär 2025 ins Pentagon.
Warum das Pentagon für Wirtschaftsspionage Maulwürfe in ausländischen Unternehmen einschleusen muss, während seine unmittelbare Aufgabe darin besteht, Kriege gegen erklärte Feinde zu führen, ist unklar. Man sollte sich nicht von der Ausrichtung auf «China» täuschen lassen. Die USA sind sehr erfahren darin, ihre Verbündeten auszuspionieren.
Die Pläne des Pentagons scheinen mit geltendem Recht unvereinbar zu sein. Die CIA, die im Gegensatz zum Pentagon regelmässig an verdeckter Spionage beteiligt ist, ist aus guten Gründen über die Initiative verärgert:
Laut einem ehemaligen Behördenmitarbeiter fiel die Reaktion innerhalb der CIA-Zentrale in Langley auf die Pentagon-Initiative kühl aus. Die CIA hat sich traditionell dagegen gewehrt, dass andere Behörden in ihrem Verständnis von ihr beanspruchtes Kerngebiet der menschlichen Spionage betreten, und darauf bestanden, dass solche Einsätze unter der Leitung des CIA-Stationschefs im jeweiligen Land koordiniert werden.
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Die Befugnisse des Militärs nach Title 10 erlauben eine «nachrichtendienstliche Vorbereitung des Gefechtsfelds». Das Pentagon hat dies so ausgelegt, dass es ein breites Spektrum spionagebezogener Aktivitäten erlaubt, darunter auch manche, die weit über eng gefasste Gefechtsfeldaufklärung hinausgehen, sagen ehemalige Amtsträger.
US-Geheimdienste wie die CIA unterstehen den Befugnissen nach Title 50, die ihre Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung und zur Durchführung verdeckter Operationen im Ausland regeln.
Gibt es schon Wetten darauf, wann der erste verdeckte Pentagon-Agent erwischt wird, der Geschäftsgeheimnisse europäischer Unternehmen stiehlt?
Ein zweiter «durchgesickerter» Artikel in Politico von heute verweist auf einen anderen Aspekt der neuen Pentagon-Einheit:
Das Pentagon baut heimlich eine neue Eliteagentur für Technologiesabotage auf – Politico, 22. Oktober 2026
Die Gründung des Technology Support Office signalisiert die Absicht des Verteidigungsministeriums, eine Reihe aggressiver verdeckter Aktivitäten im Ausland auszuweiten.
Das Pentagon hat monatelang heimlich eine neue Elite-Technologieagentur aufgebaut, die verdeckt dabei helfen soll, ausländische Technologieprogramme zu stören und sabotieren, die als Bedrohung für die militärische Überlegenheit der USA gelten.
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Informationen über das Technology Support Office, intern TSO genannt, sind auf den Websites des Pentagons nahezu unmöglich zu finden. Die Agentur wird namentlich nur in mehreren bislang nicht öffentlich bekannten historischen Unterlagen und Memoranden des Verteidigungsministeriums erwähnt.
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Der stellvertretende Verteidigungsminister Steve Feinberg, ein Milliardär aus der Private-Equity-Branche und ehemaliger Leiter des Geheimdienstbeirats des Weissen Hauses während der ersten Amtszeit von Präsident Donald Trump, trieb die Gründung der neuen Agentur innerhalb des Pentagons voran.
Tom Rakusan, ein ranghoher Berater Feinbergs im Pentagon, war ebenfalls massgeblich am Aufbau des TSO beteiligt.
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Hegseth und Feinberg richteten das TSO rasch und ohne öffentliche Aufmerksamkeit ein, da sie die Agentur weitgehend durch die Umstrukturierung zweier geheimer Geheimdienstprogramme des Pentagons aufbauten, die seit 2023 ähnliche verdeckte Sabotageaktionen im Technologiebereich in kleinerem Umfang durchgeführt hatten.
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Das TSO beschäftigt Ingenieure, Spezialkräfte und Geheimdienstmitarbeitende. Seine Arbeit reicht vom Entwickeln massgeschneiderter Hacking-Tools bis zur Planung aufwendiger Täuschungsoperationen, die Gegner dazu bringen, fehlerhafte Bauteile zu installieren – vermutlich vom TSO entwickelt – und zwar in wichtigen ausländischen Waffensystemen.
Das übergeordnete Ziel des TSO sei es, «Zeit zu gewinnen oder Gegner daran zu hindern, Technologien zu entwickeln», die dem US-Militär in einem grossen Konflikt am stärksten gefährden könnten, sagte ein ehemaliger US-Geheimdienstmitarbeiter, der eng mit der Agentur zusammengearbeitet hatte.
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In diesem Sommer ernannte das Pentagon Grant Hundley, einen ehemaligen Offizier für Spezialoperationen des Marine Corps, zum Direktor des TSO.
Hundley stammtwie Feinberg aus einem Geschäft mit Private-Equity-Abzocke. Eine Aufgabe des neuen TSO des Pentagons scheint darin zu bestehen, Geld zu verteilen:
Ein zweiter ehemaliger Pentagon-Beamter und ein ehemaliger US-Beamter für nationale Sicherheit sagten, die Agentur habe einigen Rüstungsunternehmen mitgeteilt, dass sie an offensiven Hacking-Fähigkeiten interessiert sei. Der ehemalige ranghohe Geheimdienstmitarbeiter des Pentagons schätzte, dass das Budget der Agentur allein für geheime Verträge wahrscheinlich mehr als 1,5 Milliarden Dollar beträgt.
Die Agentur suche Auftragnehmer «an der technologischen Spitze», sagte der Beamte, und hoffe, «eine ganze Reihe von Werkzeugen zu beschaffen, soweit Ihre Vorstellungskraft reicht».
Beide neuen Vorhaben, die verdeckten Agenten für Wirtschaftskriegsführung und die Sabotageeinheit für «technische Unterstützung», dürften in Skandale münden.
Wahrscheinlich wird dies auf verpatzte Einsätze in verbündeten Ländern, auf Einsätze, die den rechtlichen Rahmen überschreiten, innerhalb dessen das Pentagon handelt, oder auf die kaum verhohlene Korruption beim Kauf von Produkten von Unternehmen zurückzuführen sein, an denen die Führung des Pentagons finanzielle Interessen hat.
Es dauert eine Weile, bis Skandale ans Licht kommen. Bis dahin muss die blosse Existenz dieser Einheiten für die Verbündeten der USA als Warnung gelten: Ihre Volkswirtschaften und Unternehmen laufen Gefahr, Opfer dieser neuen Aktivitäten des Pentagons zu werden.


