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Pepe Escobar: Putins 97-minütiges Telefonat, Irans «Nein» und zwei blockierte Angriffswege – kann Trump noch zuschlagen?

Pepe Escobar beschreibt die politische Lage nach der US-Wahl als «blauen Tsunami» und als schweren Rückschlag für Donald Trump. Zugleich berichtet er von einem 97-minütigen Telefonat zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und einem iranischen Sicherheitsvertreter. Russland, China und Pakistan hätten dem Iran Unterstützung zugesichert; Teheran habe ein amerikanisches Angebot zurückgewiesen. Escobar warnt, ein militärischer Angriff sei trotz der politischen Erschütterung in den USA nicht ausgeschlossen. Die Angaben beruhen auf Aussagen im Gespräch; Einzelheiten des Telefonats und die geschilderten diplomatischen Entwicklungen werden darin nicht unabhängig belegt.

Escobars Deutung der US-Wahl

Escobar bezeichnet das Wahlergebnis als «blauen Tsunami» und deutet es als Abstimmung gegen Trumps Politik. Die Wählerinnen und Wähler hätten sich seiner Einschätzung nach gegen Krieg, Verschuldung, Inflation, Zölle und Sanktionen ausgesprochen. Trump habe, so Escobar, nicht verstanden, dass diese Themen zur Niederlage seiner Partei beigetragen hätten, und weigere sich, eigene Fehler anzuerkennen.

Der Analyst nennt den Präsidenten einen «failed lame duck» – einen gescheiterten Präsidenten auf dem Weg aus dem Amt. Er verweist auf eine Rede des Senators John Oaf aus Georgia, die Trump scharf kritisiert habe. Für die Zeit zwischen der Wahl und dem Amtsantritt des neuen Kongresses sieht Escobar ein Risiko: Trump könne in dieser Phase noch gefährlicher handeln, weil ihm eine politische Niederlage und ein schwerer Schlag gegen sein Ego bevorstünden. Diese Einschätzung verbindet er mit der Möglichkeit, dass Trump zu militärischen Mitteln greift.

Im Gespräch wird zudem Mike Madrid als politischer Analyst und früherer republikanischer Meinungsforscher genannt. Laut Moderator Mr. Z habe Madrid eine Sitzverteilung von 53 im Senat vorausgesagt; zum Zeitpunkt des Gesprächs seien bereits 54 erreicht, möglicherweise komme noch ein Sitz hinzu.

Putins Telefonat und die behauptete Abstimmung

Den Schwerpunkt des Gesprächs bildet Escobars Bericht über ein Telefonat Putins mit Mosen Razai, einem Vertreter des iranischen Sicherheitsapparats. Escobar sagt, er habe die Bestätigung von einer Person erhalten, die sich während des Gesprächs im Raum befunden habe. Putin habe direkt angerufen; das Gespräch habe 97 Minuten gedauert. Escobar hebt die Länge als ungewöhnlich hervor, da Telefonate des russischen Präsidenten mit Staats- und Regierungschefs seiner Darstellung nach in der Regel kürzer seien.

Über den konkreten Inhalt könne er keine Einzelheiten nennen. Besprochen worden sei allgemein die strategische Partnerschaft zwischen Russland und Iran. Escobar zufolge habe Putin dem Iran erneut volle Unterstützung zugesichert – sowohl im Krieg als auch in geopolitischen und geoökonomischen Fragen. Später präzisiert er, die beiden hätten vor allem bekräftigt, Russland werde nicht zulassen, dass Irans Souveränität beeinträchtigt oder das Land strategisch geschwächt werde. Diese Angaben gibt Escobar als Auskunft seiner Quelle wieder; einen unabhängigen Beleg für den Gesprächsinhalt nennt er nicht.

Nach dem Telefonat hätten China und Pakistan ebenfalls mit dem iranischen Vertreter gesprochen. Escobar stellt diese Kontakte als koordinierte Bestätigung der russischen Botschaft dar. Daraus leitet er eine enge Ausrichtung zwischen Iran, Pakistan, Russland und China ab. Russland und China seien bislang im Hintergrund tätig gewesen und träten nun offener auf, sagt er.

Ein möglicher Gipfel in Shenzhen

Escobar spricht von einem möglichen Treffen am Rande des APEC-Gipfels in Shenzhen, der am 18. November beginnen solle. Putin-Berater Juri Uschakow arbeite auf russischer Seite an der Vorbereitung; China habe über sein Aussenministerium erklärt, mit den anderen Beteiligten in Kontakt zu stehen. Escobar wertet das als Zeichen, dass Peking ein solches Treffen unterstütze, falls es zustande komme.

Im Raum stehe ein Treffen zwischen Xi Jinping, Putin und Trump. Escobar hält es für möglich, dass Trump angesichts der Wahlniederlage stattdessen Vizepräsident JD Vance entsende. Unter der Annahme, dass alle drei Präsidenten teilnähmen, könnte es nach Escobars Darstellung um die geopolitische Ordnung und um die Beziehungen zwischen den Grossmächten gehen. Er erwartet, dass Xi und Putin die strategische Partnerschaft ihrer Länder und die eurasische Integration vertreten würden. Trump werde in dieser Runde, so Escobars Einschätzung, über weniger politisches und intellektuelles Gewicht verfügen.

Als weiteren möglichen Streitpunkt nennt Escobar Sanktionen. China wolle verhindern, dass seine Banken und Unternehmen von amerikanischen Sekundärsanktionen betroffen seien. Bei einem Treffen könne Xi Trump davor warnen, diesen Weg einzuschlagen. Das sind Escobars Erwartungen an ein mögliches Gipfelgespräch, nicht bestätigte Beschlüsse oder bereits geführte Verhandlungen.

Irans Ablehnung und die festgefahrene Vermittlung

Im weiteren Gespräch berichtet Mr. Z, Mosen Razai habe ein amerikanisches Angebot inzwischen formell abgelehnt. Zuvor habe der iranische Vertreter lediglich erklärt, er habe den Vorschlag gelesen. Nun habe er ihn ausdrücklich zurückgewiesen und erneut auf sieben Punkte verwiesen, die erfüllt werden müssten. Welche Punkte gemeint sind, wird im Gespräch nicht ausgeführt.

Escobar und Mr. Z stellen die iranische Haltung als Zeichen dar, dass Teheran sich durch die amerikanische Politik nicht einschüchtern lasse. Sie sagen, das Land sei trotz der Zerstörung seiner früheren Führung entschlossen und gut mobilisiert. Pakistan, das eine 900 Kilometer lange Grenze mit Iran teile, stehe fest zu dessen Souveränität; auch Russland und China hätten ihre Unterstützung bekräftigt.

Eine Vermittlung über Katar habe nach Darstellung der beiden keinen neuen Durchbruch gebracht. Escobar bezeichnet sie als «Kabuki» und sagt, die iranische Seite toleriere diesen Kanal, erwarte aber, dass substanzielle Fortschritte über Pakistan kämen. Der Kommunikationskanal sei offen, doch es gebe kaum Bewegung. Iran werde den nächsten Schritt nicht machen; die Initiative liege wieder bei Washington. Mr. Z beschreibt die Gespräche als erneut in einer Art Koma. Beide rechnen in den kommenden Tagen mit einer Phase des Stillstands, während die US-Seite die Folgen der Wahl verarbeite.

Warnungen vor einer militärischen Eskalation

Escobar sagt, mehrere Szenarien des Pentagon hätten einen Angriff auf Iran am 4. November vorgesehen. Wäre Trump nach der Wahl politisch gestärkt gewesen, hätte er sich möglicherweise zu einem solchen Schritt ermutigt fühlen können. Der Moderator und Escobar betonen jedoch, dass sich aus der Wahlniederlage keine Entwarnung ableiten lasse: Eine militärische Aktion sei weiterhin möglich.

Als mögliche Ziele nennt Escobar amerikanische Anlagen – von solchen im südlichen Indischen Ozean bis zu NATO-Stützpunkten in Europa, darunter in Deutschland oder Italien. Er gibt damit eine im Gespräch zugeschriebene Warnung aus dem iranischen Umfeld wieder, wonach es keine geografischen Grenzen geben könnte. Auch von einer möglichen nuklearen Attacke und einer erhöhten Mobilisierung im Iran ist die Rede. Konkrete Belege oder Einzelheiten dazu liefert das Gespräch nicht.

Die Golfstaaten hätten laut Escobar der iranischen Führung signalisiert, sich an keiner weiteren militärischen Aktion beteiligen zu wollen. Sie fürchteten, selbst unmittelbar von den Folgen getroffen zu werden. Das würde Washingtons Handlungsspielraum einschränken, argumentiert er. Als verbleibende Wege nennt das Gespräch einen Angriff über Kriegsschiffe oder über Israel; beide seien durch iranische Vorkehrungen «blockiert». Was genau diese mehrfachen «Sperren» umfassen, wird nicht näher erklärt.

Chinas und Russlands Interessen in der Region

Escobar beschreibt drei chinesische Prioritäten. Erstens wolle Peking einen freien Handelsfluss durch die Strasse von Hormus sichern, auch wenn dort künftig ein von Iran kontrolliertes Abgabesystem eingeführt werde. Er sagt, chinesische Tanker überquerten die Meerenge derzeit ohne Gebühr. Neben China nennt er Indien, Irak und Pakistan als Staaten, deren Tanker ebenfalls kostenlos passieren könnten. Für den Fall einer Gebühr erwartet Escobar, dass China aufgrund der strategischen Partnerschaft womöglich ausgenommen werde. Zugleich müsse Washington nach seiner Darstellung akzeptieren, dass Iran die Strasse kontrolliere und Oman die südlichen Hoheitsgewässer überwache.

Zweitens wolle China sowohl Irans Souveränität als auch die Integrität seiner Partner am Persischen Golf gewahrt sehen. Peking mache Geschäfte mit den Golfmonarchien und strebe deshalb Sicherheit für beide Seiten an. Escobar verbindet das mit dem russischen Grundsatz der «Unteilbarkeit der Sicherheit»: Sicherheit für Iran müsse auch Sicherheit für die Golfstaaten einschliessen.

Drittens wolle China seine Unternehmen vor amerikanischen Sekundärsanktionen schützen. Russland wiederum wolle die Zusammenarbeit mit Iran in allen Bereichen fortsetzen, sagt Escobar. Dazu zählten auch die nukleare Kooperation in Buschehr und militärische Fragen, über die er keine Details nennen könne. Der russische Aussenminister Sergej Lawrow habe Iran und den Golfmonarchien vorgeschlagen, gemeinsam eine neue Sicherheitsarchitektur für Westasien zu entwickeln.

Am Ende des Gesprächs sieht Escobar eine geschwächte US-Regierung auf der einen und ein gefestigtes Bündnis aus Iran, Pakistan, Russland und China auf der anderen Seite. Die unmittelbare Lage bleibe jedoch offen: Die Ablehnung des amerikanischen Angebots habe die Verhandlungen blockiert, während ein militärischer Schritt weiterhin möglich sei. Mr. Z fasst die Warnung so zusammen: Wenn Trump nicht zu den bereits unterzeichneten Vereinbarungen zurückkehre, drohe ausserordentliche Zerstörung.