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Scott Ritter: Trump stahl der NATO die Show bei ihrem ansonsten misslungenen Gipfel

Der NATO-Gipfel in Den Haag ist vorbei – und außer ein paar medialen Schlagzeilen und einem Appell zu höheren Militärausgaben hat er kaum etwas Konkretes hervorgebracht. Sputnik hat den ehemaligen Geheimdienstoffizier des US Marine Corps, Scott Ritter, gebeten, das Treffen einzuordnen.

„Das war ein absurder Gipfel. Es war eine Übung im Narzissmus-Management“, sagte Ritter über das Treffen, das wohl am stärksten durch zwei Dinge in Erinnerung bleiben wird:
die Kommentare von NATO-Chef Mark Rutte, der Donald Trump als „Daddy“ bezeichnete – und die bombastischen Auftritte des US-Präsidenten selbst.

„Wir haben einen amerikanischen Präsidenten, der glaubt, dass er das Zentrum der Welt ist, dass nur seine persönliche Agenda zählt“, sagte Ritter.
Der Gipfel sei nicht dazu genutzt worden, die NATO zu reformieren oder Fortschritte in Richtung Frieden im Nahen Osten oder mit Russland zu machen – sondern sei vor allem eine Selbstinszenierung Trumps mit Blick auf den Friedensnobelpreis gewesen.

Die neue NATO-Vorgabe, 5 % des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben, bezeichnete Ritter als ein „rein politisches Spektakel“:

„Wenn man keine funktionierende Verteidigungsindustrie hat, um diesen Plan umzusetzen, ist er sinnlos“, so Ritter.

Darüber hinaus werde Europa nicht ernsthaft von externen Staaten bedroht – außer in der Vorstellung bestimmter politischer Eliten im NATO-Bündnis, die sich Feindbilder konstruieren, um die eigene Existenz der Allianz zu rechtfertigen.

Die eigentliche Bedrohung, so Ritter, gehe nicht von Russland oder China, sondern von innenpolitischen Umbrüchen in Europa aus – durch nationale Bewegungen, die eine Rückbesinnung auf Souveränität und nationale Wiederbelebung forderten.

Russland ist keine Bedrohung. Es gibt keine externe Bedrohung für die NATO.
Und die Tatsache, dass die NATO weiterhin auf äußere Gefahren fokussiert bleibt – jetzt sogar in den Pazifik expandiert, um dort einen Konflikt mit China zu provozieren –, zeigt nur,
dass sie sich weigert, sich mit der wirklichen Krise auseinanderzusetzen:
der inneren Funktionsstörung des europäischen Kontinents“, fasste Ritter zusammen.