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Amerika zerstört seine Wissenschaft – und überlässt das Denken Big Tech und China

Amerika kappt die Wissenschaft – und überlässt die Zukunft Big Tech und China
Ein Kommentar zur systematischen Demontage der US-Forschung unter Trump – und dem globalen Wettlauf um technologische Vorherrschaft

In einem Schritt, der selbst für Kritiker der Trump-Regierung kaum fassbar erscheint, wird derzeit das Rückgrat der amerikanischen Wissenschaftslandschaft zerschlagen. Die angekündigten Kürzungen des Wissenschaftshaushalts treffen gezielt jene Bereiche, die für langfristige Innovationsfähigkeit, Bildung und globale Wettbewerbsfähigkeit entscheidend sind: Grundlagenforschung, Hochschulen, STEM-Ausbildung und internationale Kooperation.

Besonders drastisch: Die Mittel für STEM-Bildung sollen um 80 % gekürzt werden. Die Förderung von Mathematik, Physik, Chemie um 67 %, die Ingenieurwissenschaften um 57 %, Biologie um 52 %. Parallel wird das Budget der National Institutes of Health (NIH) um 37 % reduziert, Tausende Wissenschaftler entlassen, und auch NASA und andere Forschungsbehörden werden massiv beschnitten. Das betrifft nicht nur die National Science Foundation (NSF), sondern ein ganzes System öffentlicher Wissensproduktion. Eine destruktive Axt wird an das Fundament der Zukunft gelegt – und das nicht zufällig.

Diese Politik steht nicht im luftleeren Raum. Sie ist Teil einer umfassenderen ideologischen Neuordnung, die Wissenschaft, Bildung und Kritikfähigkeit systematisch als Bedrohung sieht. Trump und sein Umfeld betrachten Universitäten als linke Bastionen, akademisches Denken als elitär und unabhängige Forschung als potenziell regimekritisch. Es ist eine Form des Anti-Intellektualismus, die mit populistischer Rhetorik, Nationalismus und autoritärer Machtkonzentration Hand in Hand geht.

Doch diese Entwicklung wäre bereits alarmierend genug, wenn sie „nur“ einen innenpolitischen Kulturkampf betreffen würde. Tatsächlich aber verändert sie das geopolitische Gleichgewicht – und spielt direkt dem einzigen Staat in die Hände, der langfristig als strategischer Konkurrent der USA auftritt: China.

Während die USA ihre wissenschaftliche Infrastruktur systematisch demontieren, erhöht die chinesische Regierung im Jahr 2025 ihre Staatsausgaben für Wissenschaft und Technologie um 8,3 % – und für Bildung um 6,1 %. Das chinesische Modell setzt auf langfristige Planung, staatlich gelenkte Innovation und den massiven Aufbau von Forschungs- und Bildungsinfrastruktur. Das geschieht keineswegs aus reinem Idealismus – sondern als bewusste Strategie, um die technologische Vorherrschaft des 21. Jahrhunderts zu sichern.

In den USA hingegen zeigt sich ein paradoxer Widerspruch: Während die staatliche Wissenschaft kollabiert, wachsen gleichzeitig die Budgets für das Militär und den Inlandsgeheimdienst – sowie die Abhängigkeit von privaten Technologieunternehmen. Google, Palantir, Microsoft, Amazon und andere Konzerne übernehmen schrittweise Aufgaben, die früher öffentlich waren: KI-Entwicklung, Dateninfrastruktur, Bildungsplattformen, sogar Gesundheits- und Sicherheitsanalytik.

Das Ergebnis ist ein gefährlicher Machttransfer: Die öffentliche Wissenschaft wird entmachtet, während Big Tech zur inoffiziellen Steuerungsinstanz einer post-demokratischen Gesellschaft aufsteigt. Es ist der Übergang von einer Gesellschaft der Aufklärung zu einer Gesellschaft der algorithmischen Kontrolle.

Denn wer nicht mehr in Bildung investiert, wer keine kritischen Forscher mehr ausbildet, wer internationale Talente vertreibt und Grundlagenforschung als „unnütz“ abschreibt, der überlässt das Denken und Entscheiden am Ende der Maschine – oder jenen, die sie kontrollieren. Die „künstliche Intelligenz“ wird damit nicht zum Befreiungswerkzeug, sondern zur Herrschaftstechnologie.

China hingegen baut ein System, in dem Wissenschaft, Staat und Industrie in einem autoritären, aber strategisch kohärenten Dreieck zusammenarbeiten. Ob man dieses Modell gutheißt oder nicht – es hat einen Plan. Die USA dagegen wirken wie ein Imperium im Rückzug, das seine geistigen Grundlagen opfert und sich in eine bizarre Mischung aus digitaler Repression und intellektueller Selbstentkernung verwandelt.

Die Frage ist nicht mehr, ob die USA an Einfluss verlieren. Die Frage ist, ob sie dabei freiwillig auf ihren wichtigsten strategischen Vorteil verzichten: ihre Fähigkeit zu denken, zu forschen, zu innovieren. Die Antwort scheint tragischerweise bereits gefallen zu sein.

Denn während Amerika sich in eine „All Muscle, No Brain“-Nation verwandelt, steigen anderswo jene auf, die langfristig planen – und bereits heute die Grundlagen für die Welt von morgen legen.