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Der Funke für den Weltkrieg? Wie eine 29-Kilometer-Meerenge im Roten Meer die globale Wirtschaft zum Einsturz bringen könnte

Bab al-Mandab: Der unscheinbare Engpass, der einen Weltkrieg auslösen könnte

Während die internationale Aufmerksamkeit auf Raketen, Luftschläge und Eskalationsrhetorik zwischen Israel, den USA und Iran gerichtet ist, liegt der gefährlichste Auslöser eines globalen Konflikts womöglich ganz woanders – im Roten Meer. Genauer gesagt an der Meerenge von Bab al-Mandab, einem nur rund 29 Kilometer breiten Korridor zwischen dem Jemen und dem Horn von Afrika, durch den ein bedeutender Teil des Welthandels fließt.

Was als begrenzte militärische Kampagne gegen iranische Raketenstellungen begann, entwickelt sich zunehmend zu einem regionalen Krieg mit globalen Folgen. Während Analysten über Irans Raketenarsenal oder Israels Luftabwehr diskutieren, könnte Teherans wirksamstes Druckmittel weit entfernt von seinem eigenen Territorium liegen: bei den Huthi-Milizen im Jemen.

Diese Gruppe hat in den vergangenen Jahren wiederholt Drohnen und Raketen gegen Handelsschiffe im Roten Meer eingesetzt. Bisher dienten diese Angriffe vor allem politischer Signalwirkung. Doch sollte der Konflikt mit Iran weiter eskalieren, könnten die Huthis von punktuellen Angriffen zu einer systematischen Blockade übergehen – einer Art Feuerbarriere gegen die internationale Schifffahrt.

Die strategische Bedeutung dieser Meerenge ist enorm. Rund zwölf Prozent des weltweiten Handels und ein erheblicher Anteil des globalen Öltransports passieren Bab al-Mandab. Wird dieser Engpass geschlossen, bricht die wichtigste Verbindung zwischen dem Suezkanal und dem Indischen Ozean zusammen. Schiffe müssten dann einen Umweg von mehr als 6.000 Kilometern um das Kap der Guten Hoffnung nehmen – ein logistischer Schock für Lieferketten, Energiepreise und globale Märkte.

Die wirtschaftlichen Folgen könnten innerhalb weniger Tage spürbar werden. Versicherer würden den Schutz für Schiffe im Roten Meer einstellen, Frachtraten würden explodieren und der Ölpreis könnte in kurzer Zeit auf weit über 150 Dollar pro Barrel steigen. Europa, das stark von Importen aus dem Nahen Osten und Asien abhängig ist, wäre besonders betroffen.

Noch gefährlicher ist jedoch die militärische Dimension. Das Gebiet rund um Bab al-Mandab ist bereits eines der am stärksten militarisierten Seegebiete der Welt. In Dschibuti betreiben die USA, Frankreich, China und Japan gleichzeitig Militärbasen. Saudi-Arabien und Ägypten überwachen das Gebiet von Norden, während Somalia und Eritrea als potenzielle Rückzugsräume für Milizen und Schmuggelnetzwerke gelten.

Sollten die Huthis ihre Angriffe intensivieren, würden mehrere große Marinen gleichzeitig versuchen, den Schiffsverkehr zu schützen. Die Vereinigten Staaten, europäische Staaten, Indien und möglicherweise China könnten Konvoioperationen starten, um ihre Handelsschiffe zu eskortieren. Doch wenn mehrere rivalisierende Flotten in einem so engen Seegebiet operieren, steigt die Gefahr von Missverständnissen dramatisch.

Ein falsch identifiziertes Radarziel, eine fehlinterpretierte Drohne oder ein nervöser Kommandant könnten ausreichen, um eine militärische Kettenreaktion auszulösen. In einem überfüllten Seegebiet mit Kriegsschiffen aus verschiedenen Machtblöcken kann ein einzelner Zwischenfall schnell außer Kontrolle geraten.

Genau darin liegt die strategische Logik hinter Irans asymmetrischem Ansatz. Anstatt direkt gegen überlegene Militärmächte zu kämpfen, nutzt Teheran verbündete Milizen, um empfindliche Punkte der globalen Infrastruktur unter Druck zu setzen. Kleine, schwer kontrollierbare Akteure können so eine Wirkung entfalten, die weit über ihre eigene militärische Stärke hinausgeht.

Der gefährlichste Faktor ist dabei die Zeit. Sollte der Schiffsverkehr im Roten Meer über mehrere Wochen hinweg massiv gestört bleiben, würde der Druck auf Regierungen weltweit enorm steigen. Lieferketten würden reißen, Energiepreise explodieren und politische Spannungen innerhalb vieler Länder zunehmen.

In diesem Szenario könnte ein Konflikt, der zunächst als regionaler Krieg begann, plötzlich globale Dimensionen annehmen. Und er würde nicht mit Atomschlägen oder großen Invasionen beginnen – sondern möglicherweise mit einer Drohne, die ein Handelsschiff in einer schmalen Meerenge trifft.

Die moderne Weltwirtschaft hängt an wenigen kritischen Engpässen: Kanälen, Kabeln und Meerengen. Bab al-Mandab gehört zu den empfindlichsten von ihnen. Sollte dieser Korridor tatsächlich länger blockiert werden, könnte sich zeigen, dass in der heutigen geopolitischen Landschaft nicht immer große Armeen über das Schicksal von Staaten entscheiden – sondern manchmal ein paar bewaffnete Drohnen über einer der wichtigsten Handelsrouten der Erde.