Iran zieht die Schrauben in der Straße von Hormus weiter an. Nach Informationen, die in einem aktuellen Gespräch mit dem geopolitischen Analysten Pepe Escobar veröffentlicht wurden, hat der iranische Oberste Nationale Sicherheitsrat zwei weitreichende Entscheidungen getroffen: Das jüngste Gegenangebot von US-Präsident Donald Trump wurde demnach vollständig zurückgewiesen – gleichzeitig sollen Gebühren für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus künftig ausschließlich in iranischen Rial bezahlt werden.
Die Informationen stammen aus dem Gespräch Escobars mit seinem Gastgeber, der nach eigenen Angaben über direkte Kontakte zur iranischen und pakistanischen Führung verfügt. Escobar erklärt zu Beginn, der Kanal habe direkten Zugang zu Spitzenvertretern beider Regierungen und erhalte von dort sensible Informationen.
Wer durch Hormus will, soll Rial kaufen
Die erste Entscheidung betrifft unmittelbar die wirtschaftliche Kontrolle über die Straße von Hormus.
Bisher habe Iran für Transitgebühren unter anderem Zahlungen in chinesischen Yuan akzeptiert. Auch russische Währung und Kryptowährungen seien diskutiert worden. Damit soll nun Schluss sein.
Nach Darstellung im Gespräch habe der iranische Sicherheitsrat entschieden, künftig „nichts anderes als iranische Währung“ zu akzeptieren. Das bedeutet: Wer die Straße von Hormus passieren will, müsste zunächst iranische Rial auf dem Markt erwerben und anschließend damit die verlangte Transitgebühr bezahlen.
Die wirtschaftliche Absicht dahinter wird im Gespräch offen beschrieben: Die erzwungene Nachfrage nach Rial soll die iranische Währung stützen und gleichzeitig harte Fremdwährung in die iranische Wirtschaft bringen.
Abwicklung über China statt über den Westen
Noch weitreichender ist der zweite Teil des Plans.
Die Zahlungen sollen nach Darstellung der Gesprächspartner über chinesische Finanzinfrastruktur abgewickelt werden. Konkret wird das chinesische grenzüberschreitende Zahlungssystem CIPS genannt.
Escobar erklärt, Iran wolle sich damit vollständig vom westlichen Zahlungssystem lösen und stattdessen über das chinesische System arbeiten. Yuan könnten beispielsweise über CIPS in Rial umgewandelt werden.
Damit würde die Straße von Hormus nicht nur zu einem Instrument iranischer Energie- und Sicherheitspolitik, sondern zunehmend auch zu einem Instrument der Währungspolitik. Iran würde seine geografische Kontrolle über eine der wichtigsten Energierouten der Welt nutzen, um internationale Nachfrage nach der eigenen Währung zu schaffen und gleichzeitig westliche Finanzkanäle zu umgehen.
Trump bekommt aus Teheran ein kategorisches Nein
Die zweite Entscheidung des Obersten Nationalen Sicherheitsrates betrifft unmittelbar die Verhandlungen mit Washington.
Trump hatte über Katar ein Gegenangebot an Teheran übermitteln lassen. Nach Angaben des Gesprächspartners wurde dieses Angebot vom iranischen Sicherheitsrat wenige Stunden vor der Sendung „kategorisch“ zurückgewiesen.
Über den genauen Inhalt des amerikanischen Gegenangebots macht er ausdrücklich keine Angaben. Er erklärt jedoch, ihm sei mitgeteilt worden, dass Iran keinen einzigen Bestandteil akzeptiert habe.
„Nothing in the counter offer was accepted. Not a thing“, heißt es im Gespräch. Nach Darstellung der Gesprächspartner wurde die iranische Antwort von Aussenminister Abbas Araghchi an den pakistanischen Aussenminister Ishaq Dar weitergegeben, der anschließend Steve Witkoff informierte.
Die Botschaft aus Teheran: Iran will sich weiterhin ausschließlich an die bereits vereinbarten Grundlagen und seine zuletzt formulierten Bedingungen halten.
Drei Bedingungen für die Öffnung von Hormus
Im Gespräch werden drei zentrale iranische Bedingungen genannt:
Die amerikanische Seeblockade müsse aufgehoben werden, die Sanktionen müssten fallen und Iran müsse mindestens zwölf Milliarden Dollar erhalten. Werden diese Bedingungen erfüllt, soll Iran nach Darstellung der Gesprächspartner bereit sein, innerhalb von sieben Tagen die Straße von Hormus wieder zu öffnen.
Eine vollständige Rückkehr zum früheren Zustand wäre das allerdings nicht. Iran hält ausdrücklich daran fest, künftig Gebühren für die Durchfahrt zu verlangen. Wie diese Abgabe bezeichnet werde, spiele für Teheran keine Rolle. Im Gespräch wird die iranische Position unmissverständlich wiedergegeben:
„You can call it whatever you want, but it’s going to be a toll to cross the Strait of Hormuz.“
Man könne es nennen, wie man wolle – für die Durchfahrt durch Hormus werde eine Gebühr fällig.
Der diplomatische Kanal steckt fest
Escobar zieht daraus eine weitreichende Schlussfolgerung: Die diplomatische Schiene zwischen Washington und Teheran sei vorerst praktisch tot.
Sein Gesprächspartner widerspricht nur teilweise. Pakistan spreche weiterhin mit den beteiligten Seiten und versuche gemeinsam mit anderen Akteuren, einen Ausweg zu finden. Doch das amerikanische Gegenangebot sei vollständig abgelehnt worden.
Gleichzeitig beschreibt das Gespräch Iran als militärisch auf eine weitere Eskalation vorbereitet.
Nach Angaben aus iranischen Kreisen verfüge Teheran über militärische Fähigkeiten, die bislang noch nicht eingesetzt oder öffentlich gezeigt worden seien. Sollte erneut eine militärische Aktion von Israel ausgehen, werde die Antwort nach dieser Darstellung erheblich härter ausfallen als bisher.
Iran und Jemen werden als ein Konflikt betrachtet
Escobar betrachtet die Auseinandersetzung um Iran nicht isoliert vom Krieg im Jemen.
Für ihn bilden beide Fronten ein zusammenhängendes geopolitisches Paket. Eine diplomatische Entwicklung auf der einen Seite habe unmittelbare Auswirkungen auf die andere.
Pakistan und China versuchen nach Darstellung des Gesprächs intensiv, eine weitere Eskalation zu verhindern. Pakistan unterhalte außergewöhnlich enge Beziehungen zu Iran, während China wiederum eng mit Pakistan verbunden sei. Der chinesische Außenminister Wang Yi stehe regelmäßig mit Ishaq Dar in Kontakt; Dar wiederum spreche teilweise mehrmals täglich mit Araghchi. Ziel sei weiterhin, einen diplomatischen Ausweg zu finden.
Parallel dazu verschärft sich jedoch der Krieg zwischen Saudi-Arabien und Ansarallah im Jemen. Pakistan hat nach den Angaben im Gespräch Truppen in die südlichen Regionen Saudi-Arabiens nahe der jemenitischen Grenze verlegt. Diese sollen ausschließlich defensiv eingesetzt werden und nur reagieren, falls sie unmittelbar angegriffen werden.
Hormus wird zum Währungshebel
Die beiden iranischen Entscheidungen verändern nach Darstellung des Gesprächs die bisherige Ausgangslage erheblich. Teheran weist das amerikanische Gegenangebot zurück und hält an seinen Bedingungen fest. Gleichzeitig will Iran seine Kontrolle über Hormus mit der eigenen Währung verbinden.
Damit würde aus der Transitgebühr ein zusätzlicher wirtschaftlicher Hebel:
Wer durch Hormus will, soll bezahlen. Wer bezahlen will, soll Rial kaufen. Und die Abwicklung soll nicht mehr über das westliche, sondern über das chinesische Finanzsystem laufen.
Während Washington Iran mit Sanktionen, Finanzdruck und Seeblockade unter Druck setzt, versucht Teheran damit, seine wichtigste geografische Trumpfkarte in einen wirtschaftlichen und währungspolitischen Hebel umzuwandeln.
Die Straße von Hormus wäre dann nicht mehr nur das Zentrum des Ölkrieges.
Sie würde zunehmend auch zum Schauplatz des Kampfes um Währungen, Zahlungssysteme und die wirtschaftliche Machtordnung zwischen West und Ost.


