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Ivermectin und Mebendazol gegen Krebs: Neue Arbeit sieht Wirkung bei 25 Tumorarten

Ivermectin und Mebendazol gegen Krebs: Neue Arbeit sieht Wirkung bei 25 Tumorarten

Eine neue, am 19. Oktober 2026 veröffentlichte Übersichtsarbeit untersucht Ivermectin und Mebendazol als mögliche ergänzende Krebstherapie. Die Autoren beschreiben insgesamt 37 unterschiedliche antitumorale Wirkmechanismen und präklinische Aktivität bei 25 menschlichen Krebsarten. Besonders auffällig sind die Ergebnisse einer kleinen randomisierten Studie bei metastasiertem Darmkrebs sowie einer Beobachtungsstudie mit einer Kombination beider Wirkstoffe. Gleichzeitig betonen die Autoren selbst: Die klinische Datenlage ist noch begrenzt, und große randomisierte Doppelblindstudien sind dringend erforderlich.

Die wurde als Preprint auf Zenodo veröffentlicht. Autoren sind unter anderem Nicolas Hulscher, James Thorp, Peter McCullough und Harvey Risch. Als Zugehörigkeiten werden die McCullough Foundation, The Wellness Company sowie die Yale School of Public Health genannt.

Zwei alte Medikamente mit überraschend vielen Wirkmechanismen

Ivermectin und Mebendazol sind seit Jahrzehnten bekannte, oral verfügbare Antiinfektiva und stehen auf der WHO-Liste unentbehrlicher Arzneimittel.

Die Autoren durchsuchten PubMed, Europe PMC und Google Scholar bis Oktober 2026 nach Labor-, Tier- und Humanstudien zu beiden Wirkstoffen bei Krebs. Dabei identifizierten sie für Ivermectin 29 und für Mebendazol 26 unterschiedliche antitumorale Mechanismen. Nach Zusammenfassung überschneidender Signalwege blieben 37 verschiedene Wirkmechanismus-Klassen übrig.

Beide Substanzen greifen demnach unter anderem in Hypoxie-Signalwege, DNA-Reparatur, Angiogenese, Krebsstammzellen und Mechanismen der Medikamentenresistenz ein.

Die Autoren beschreiben außerdem Zellzyklus- und Mitosehemmung, Apoptose, Autophagie und immunogenen Zelltod als wiederkehrende Effekte.

Präklinische Wirkung bei 25 menschlichen Krebsarten

Ivermectin zeigte nach Angaben der Arbeit präklinische Aktivität bei 20 menschlichen Krebsarten, Mebendazol bei 17. Zusammengenommen ergaben sich 25 verschiedene menschliche Malignome, bei denen zumindest Labor- oder Tierdaten auf antitumorale Wirkungen hinweisen.

Präklinische Ergebnisse bedeuten jedoch noch nicht, dass ein Medikament beim Menschen wirksam ist. Entscheidend sind kontrollierte klinische Studien. Und genau dort wird die Datenlage deutlich dünner.

Auffällige Zahlen bei metastasiertem Darmkrebs

Besonders bemerkenswert ist eine kleine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit Mebendazol bei metastasiertem kolorektalem Karzinom. Mebendazol wurde zusätzlich zu Bevacizumab und FOLFOX4 gegeben.

In der Mebendazol-Gruppe erreichten laut Übersichtsarbeit 13 von 20 Patienten beziehungsweise 65 Prozent ein objektives Ansprechen. In der Kontrollgruppe waren es 2 von 20 beziehungsweise 10 Prozent.

Auch beim medianen progressionsfreien Überleben zeigte sich ein großer Unterschied:

9,25 Monate gegenüber 3,0 Monaten. Die Zahlen sind auffällig, beruhen jedoch auf lediglich 40 Patienten und müssen deshalb in größeren Studien bestätigt werden.

Kombination aus Ivermectin und Mebendazol: 197 Patienten beobachtet

Noch näher an der eigentlichen Fragestellung der neuen Arbeit liegt eine prospektive Beobachtungsstudie mit 197 Patienten, die eine Kombination aus Ivermectin und Mebendazol erhielten. 122 Patienten absolvierten eine sechsmonatige Nachbeobachtung.

Von diesen erreichten laut Studie 103 beziehungsweise 84,4 Prozent einen klinischen Nutzen.

Bei 59 der 122 Patienten – 48,4 Prozent – wurde entweder kein nachweisbarer Tumor mehr festgestellt oder eine Regression dokumentiert.

Allerdings handelte es sich nicht um eine randomisierte kontrollierte Studie. Ohne geeignete Kontrollgruppe lässt sich deshalb nicht eindeutig bestimmen, welcher Anteil des beobachteten Effekts auf Ivermectin und Mebendazol zurückzuführen war und welcher auf gleichzeitig durchgeführte konventionelle Krebstherapien.

Sechs klinische Wirksamkeitsstudien – drei positiv, zwei neutral

Insgesamt identifizierten die Autoren sechs klinische Studien, in denen Wirksamkeitsergebnisse untersucht wurden. Davon bewerten sie:

drei als positiv, zwei als neutral und eine als noch nicht abschließend beurteilbar.

Weitere vier Studien untersuchten hauptsächlich Sicherheit, Verträglichkeit oder Dosierung. Außerdem ist eine randomisierte Studie registriert, in der Ivermectin zusammen mit einer Checkpoint-Immuntherapie untersucht wird; Ergebnisse liegen noch nicht vor.

Eine abgeschlossene Studie mit Ivermectin als alleiniger Krebsbehandlung existiert laut der Übersichtsarbeit bislang nicht.

Keine schweren Nebenwirkungen durch Ivermectin dokumentiert

Die Autoren untersuchten auch die Sicherheit.

Eine Metaanalyse individueller Patientendaten von 36 Krebspatienten, die orales Ivermectin erhielten – teilweise gleichzeitig mit Chemotherapie –, habe keine schweren Nebenwirkungen ergeben, die dem Medikament zugeschrieben wurden.

Mebendazol wurde in fünf Studien zusammen mit anderen Krebsbehandlungen eingesetzt. Nach Angaben der Autoren wurde es dabei bis zu sehr hohen Dosen untersucht.

Keine der von ihnen ausgewerteten onkologischen Studien mit einem der beiden Medikamente sei wegen Toxizität abgebrochen worden.

Die entscheidende Einschränkung: Es fehlen große Studien

Trotz der teilweise auffälligen Ergebnisse ziehen die Autoren keine Schlussfolgerung, dass Ivermectin oder Mebendazol bereits als etablierte Krebstherapie gelten könnten.

Im Gegenteil: Sie fordern ausdrücklich große, prospektive, doppelblinde, randomisierte Parallelgruppenstudien mit der Kombination beider Medikamente bei unterschiedlichen Krebsarten.

Das ist entscheidend.

Die Arbeit zeigt eine breite biologische Plausibilität, zahlreiche präklinische Befunde und erste klinische Signale. Sie beweist jedoch noch nicht, dass die Kombination bei Krebs allgemein wirksam ist oder bestehende Standardtherapien ersetzen kann. Die Autoren untersuchen sie ausdrücklich als ergänzende Behandlung neben konventioneller Krebsmedizin.

Alte Medikamente, neue Forschungsfrage

Gerade die Tatsache, dass beide Wirkstoffe generisch, oral verfügbar und seit Jahrzehnten bekannt sind, macht die Ergebnisse für die Forschung interessant.

Nach Darstellung der Autoren besitzen Ivermectin und Mebendazol ungewöhnlich viele unterschiedliche Angriffspunkte gegen Tumorzellen und ergänzen sich teilweise, weil ihre molekularen Zielstrukturen nicht vollständig überlappen.

Ob daraus tatsächlich eine wirksame und breit einsetzbare Krebstherapie entsteht, muss nun jedoch in deutlich größeren und methodisch strengeren klinischen Studien gezeigt werden.