Der Club of Rome bringt eine panafrikanische öffentliche Digitalwährung ins Spiel. Ein neuer Bericht schlägt vor, zunächst gemeinsame Zahlungssysteme zu verknüpfen, danach eine digitale Recheneinheit einzuführen und erst viel später zu einer vollständigen gemeinsamen Währung überzugehen. Offiziell soll das System nationale Währungen zunächst nicht ersetzen. Doch der Bericht beschreibt ausdrücklich einen schrittweisen Prozess, der langfristig genau auf eine gemeinsame afrikanische Währung hinauslaufen kann.
Der Vorschlag stammt von Ken Alabi, Mitglied des Club of Rome und Mitgründer der Fintech-Plattform TóróNet. Sein Diskussionspapier trägt den Titel „Towards an African common currency: lessons from the dollar, the euro and the digital era“. Der Club of Rome veröffentlicht den Vorschlag als Modell für eine stärkere wirtschaftliche und monetäre Integration Afrikas.
Im Zentrum steht zunächst keine sofortige Abschaffung nationaler Währungen. Die geplante digitale Einheit soll parallel zu bestehenden Währungen für grenzüberschreitenden Handel, Sparen und Abrechnung eingesetzt werden. Als Vorbild nennt Alabi ausdrücklich die frühe Phase der europäischen Währungsintegration mit der ECU, bevor später der Euro eingeführt wurde.
Erst Infrastruktur, dann gemeinsame digitale Einheit
Der Plan ist bewusst schrittweise angelegt.
Zunächst soll das bereits bestehende Pan-African Payment and Settlement System PAPSS ausgebaut werden. Danach soll eine digitale gemeinsame Recheneinheit entstehen, die auf einem Korb afrikanischer Vermögenswerte basiert. Erst in einer späteren Phase könnte daraus eine vollständige gemeinsame Währung werden.
Die Autoren betonen ausdrücklich, dass der Übergang nicht an ein festes Datum gebunden werden soll. Stattdessen sollen bestimmte Meilensteine erreicht werden, etwa eine ausreichende Zahl aktiver Wallets, stabile Umlaufmengen, Anerkennung durch einzelne Staaten und überprüfbare Reserven.
Damit entsteht ein System, das langsam aufgebaut wird und sich mit wachsender Nutzung immer weiter ausdehnen könnte.
Gold, afrikanische Währungen und Energie als Deckung
Besonders interessant ist die geplante Deckung.
Die digitale Währung soll nicht einfach nur an eine einzelne nationale Währung gekoppelt werden. Der Bericht schlägt eine Mischung aus liquiden Reserven, afrikanischen Währungen, Goldbeständen afrikanischer Zentralbanken und sogenannten produktiven Vermögenswerten vor – etwa erneuerbarer Energieerzeugung.
Damit soll Vertrauen geschaffen und zugleich verhindert werden, dass die neue Einheit vollständig von Entscheidungen in Washington, Frankfurt oder Peking abhängt.
Der Club of Rome argumentiert, dass ein großer Teil des innerafrikanischen Handels weiterhin in US-Dollar abgewickelt werde und afrikanische Volkswirtschaften dadurch jedes Jahr Milliarden an Gebühren an ausländische Finanzintermediäre verlieren.
Kein privater Stablecoin – sondern öffentlich kontrollierte Digitalwährung
Der Vorschlag grenzt sich ausdrücklich von privaten Stablecoins ab.
Die digitale Einheit soll von öffentlichen Institutionen ausgegeben und verwaltet werden – also von Zentralbanken, regionalen Entwicklungsbanken und einer öffentlich legitimierten Koordinierungsstelle.
Technisch erwägt der Bericht eine öffentliche oder genehmigungspflichtige Blockchain. Nicht jede einzelne Transaktion müsse öffentlich sichtbar sein, wohl aber zentrale Daten wie Umlaufmenge und Reservedeckung.
Der Club of Rome stellt dies als Modell für mehr Transparenz und afrikanische finanzielle Souveränität dar.
Erst überzeugen, dann ausweiten
Auffällig ist, wie stark der Bericht auf gesellschaftliche Akzeptanz setzt.
Schon früh sollen öffentliche Informationskampagnen beginnen. Medien, lokale Sprachen, Gemeinschaftsführer, Jugendorganisationen, Universitäten, Wirtschaftsverbände und die afrikanische Diaspora sollen eingebunden werden.
Der Bericht schlägt sogar vor, die Währung emotional positiv aufzuladen – etwa mit einem Namen wie „Our Afro“. Einflussreiche Stimmen könnten helfen, die gemeinsame Währung als Symbol panafrikanischen Stolzes zu etablieren.
Die Strategie ist damit nicht nur technisch und wirtschaftlich, sondern ausdrücklich gesellschaftlich.
Der Autor bringt auch seine eigene Plattform ins Spiel
Brisant ist zudem, dass Ken Alabi nicht nur Mitglied des Club of Rome ist, sondern auch Mitgründer von TóróNet, einer Blockchain- und Fintech-Plattform.
Der Bericht nennt TóróNet selbst als mögliche technische Grundlage für die spätere afrikanische Währungsinfrastruktur. Alabi beschreibt einen möglichen Weg, bei dem zunächst Zahlungssysteme verknüpft, dann nationale Digitalwährungen verbunden und schließlich eine kontinentweite Einheit eingeführt wird.
Der Club of Rome bestätigt, dass Alabi Mitglied der Organisation und der TóróNet Association ist. TóróNet beschreibt ihn zudem als Director bei Mastercard. Zuvor arbeitete er bei Accenture und leitete nach Angaben des Club of Rome auch Projekte für die Weltbank sowie Forschungsprojekte für US Navy und Air Force.
Die TóróNet Association selbst sitzt in Genf. In ihrer Führung sitzen unter anderem eine frühere Managing Director der Weltbank sowie der Generalsekretär des Club of Rome.
Kein offizieller Beschluss der Afrikanischen Union
Wichtig ist die Einordnung: Der Vorschlag ist derzeit kein offizieller Beschluss der Afrikanischen Union und keine bereits beschlossene afrikanische Währungspolitik.
Es handelt sich um ein Diskussionspapier des Club of Rome, das eine mögliche Architektur für eine künftige gemeinsame Währung beschreibt.
Doch gerade die langfristige Perspektive ist bemerkenswert.
Der Bericht sagt ausdrücklich, dass die kommenden Jahre genutzt werden sollen, um Konsens zu schaffen, Pilotprojekte durchzuführen und den Kreis der Teilnehmer schrittweise zu erweitern.
Das Zielbild ist klar: Die heute geborenen afrikanischen Kinder könnten als Erwachsene selbstverständlich mit einer einzigen afrikanischen Währung bezahlen.
Von der Ergänzung zur Einheit
Genau darin liegt die eigentliche Bedeutung des Vorschlags.
Heute soll die digitale Währung nationale Währungen lediglich ergänzen.
Morgen könnte sie grenzüberschreitenden Handel und Sparen dominieren.
Und irgendwann könnte daraus eine vollständige gemeinsame Währung entstehen.
Der Bericht formuliert diesen Übergang ausdrücklich als schrittweisen Prozess, bei dem die technische Infrastruktur und die gesellschaftliche Akzeptanz zuerst geschaffen werden – bevor die politische Vollintegration folgt.
Der Club of Rome schlägt damit nicht einfach eine neue digitale Zahlungsmethode vor. Er entwirft einen langfristigen Fahrplan für eine panafrikanische Währungsordnung – digital, öffentlich gesteuert, schrittweise eingeführt und potenziell auf dem Weg zu einer einzigen gemeinsamen Währung.
Originalbericht: Club of Rome – Towards an African common currency


