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Eilmeldung: Iran in höchster Alarmbereitschaft nach Trumps Blutbad bei den Zwischenwahlen – mit Prof. Marandi

Der iranische Politologe Marandi hält einen erneuten Krieg zwischen den USA und Iran trotz des Ergebnisses der US-Zwischenwahlen für möglich. Im Gespräch sagt er, die iranischen Streitkräfte müssten in höchster Alarmbereitschaft bleiben. Zugleich räumt er ein, dass die Wahl und die Stimmung vieler amerikanischer Wähler gegen den Krieg ein Signal an die US-Regierung seien. Ob daraus Zurückhaltung folgt, sei jedoch ungewiss.

Kein Vertrauen in einen politischen Kurswechsel

Marandi sieht im Wahlergebnis keinen Grund, auf einen grundlegenden Wandel der US-Politik gegenüber Iran zu hoffen. Zwar gebe es in beiden Parteien einzelne Politiker und Stimmen aus der Basis, die sich gegen den Krieg und gegen Zionismus aussprächen. Die Führung der Demokratischen Partei habe sich seiner Einschätzung nach aber nicht verändert. Er verweist auf prominente Parteivertreter, die seiner Ansicht nach weiterhin im Zentrum der Politik stehen dürften.

Auch die politischen Eliten beider Parteien hätten in der Vergangenheit gemeinsam Kriege und Interventionen getragen. Marandi nennt dabei Syrien, Libyen und Jemen sowie den Umgang mit Venezuela. Er sagt, man könne daher kaum von einem grundlegenden Unterschied zwischen Demokraten und Republikanern sprechen. In einem Wahlkampfauftritt in Michigan habe Barack Obama nach Marandis Darstellung vor allem über wirtschaftliche Folgen gesprochen, nicht aber über die moralische Dimension des Kriegs oder getötete Kinder und Schülerinnen und Schüler.

Marandi bezeichnete den Wahlausgang dennoch als eine Niederlage für die bisherige Politik. Die amerikanische Bevölkerung habe nur zwischen zwei Parteien wählen können und damit ihrer Unzufriedenheit Ausdruck verliehen. In der demokratischen Basis gebe es Widerstand gegen den Krieg und gegen die Unterstützung Israels. Sollten die Parteiführungen diese Stimmung ignorieren, könnten Wählerinnen und Wähler beide Parteien als Sackgasse wahrnehmen. Das könne nach Marandis Einschätzung politische Instabilität verstärken. Er sieht als mögliche Folgen sowohl das Entstehen einer dritten politischen Kraft als auch Gewalt.

Wählerstimmung und die Rolle des Kriegs

Im Gespräch wird ein Beitrag des Republikaners JD Vance verlesen, der die Wahlniederlage seiner Partei analysiert. Darin heisst es, die Wahlbeteiligung sei in manchen Staaten ordentlich und in anderen besonders hoch gewesen; das Hauptproblem sei nicht die Mobilisierung gewesen. Viele Menschen, die 2024 für Donald Trump gestimmt hätten, seien verärgert gewesen und hätten diesmal demokratisch gewählt.

Der Beitrag führt als häufigste Gründe für den Parteiwechsel vier Anliegen auf: den Krieg zu beenden, sich auf die steigenden Lebenshaltungskosten und die Inflation zu konzentrieren, «Amerika zuerst» zu setzen und die Beziehung zu Israel zu verändern. Der Verfasser des Beitrags räumt darin ein, die wirtschaftliche Botschaft der Republikaner sei möglicherweise nicht deutlich genug gewesen, bezeichnet den Krieg aber als den entscheidenden Grund für die Niederlage. Er fordert, eine ehrliche Debatte müsse bei dieser Ursache ansetzen.

Im Gespräch wird auch die mögliche politische Wirkung dieses Beitrags diskutiert. Der Moderator deutet ihn als Hinweis darauf, dass ein Angriff auf Iran weniger wahrscheinlich sein könnte. Marandi hält dagegen, dass aus den Worten keine sichere Prognose abzuleiten sei. Ein neuer Angriff wäre schwer mit der Stimmung vieler Wähler zu vereinbaren, sagt er. Doch die US-Regierung handle nach seiner Einschätzung nicht immer rational, weshalb er keine verlässliche Vorhersage machen könne.

Alarmbereitschaft und Zweifel an Washington

Marandi sagt, Iran müsse auf einen Angriff vorbereitet bleiben. Er begründet das mit der Unberechenbarkeit der US-Politik und mit früheren Verhandlungen, denen aus seiner Sicht militärische Schritte oder Verstösse gegen Abmachungen folgten. Vor dem Zwölf-Tage-Krieg habe Trump öffentlich von einer verhandelten Lösung gesprochen. Auch vor einem späteren Krieg habe es Verhandlungen gegeben; der omanische Aussenminister habe damals von Fortschritten berichtet. Marandi wirft den USA und Israel vor, Absprachen anschliessend unterlaufen zu haben.

Er verweist zudem auf frühere Angriffe auf Beirut und auf Vereinbarungen, die seiner Darstellung nach durch das Vorgehen Israels und der USA beschädigt worden seien. Aus dieser Vorgeschichte folgert er, Iran könne die künftigen Schritte Washingtons nicht allein anhand rationaler Erwägungen einschätzen. Er sagt, er hoffe auf Frieden und lehne Krieg ab, würde der iranischen Regierung aber raten, sich auf einen Angriff einzustellen. Er halte es nicht für ausgeschlossen, dass ein Krieg noch in der Nacht beginnen könnte; das bedeute nicht, dass er ihn für unausweichlich halte.

Der Moderator bringt einen Bericht der «New York Times» zur Sprache, wonach das US-Zentralkommando Pläne für eine Wiederaufnahme von Angriffen nach den Zwischenwahlen gehabt habe. In der Region seien laut dem Bericht drei amerikanische Flugzeugträger stationiert gewesen; zudem seien dunkle Nächte für militärische Operationen von Vorteil. Marandi sagt, solche Überlegungen könnten auch für Iran eine Rolle spielen. Er behauptet, jüngste US-Angriffe auf Iran seien erfolglos gewesen und hätten keine wesentliche Wirkung erzielt. Eine unabhängige Bestätigung dieser Einschätzung liefert das Gespräch nicht.

Einschätzungen zur iranischen Gesellschaft

Marandi widerspricht der Vorstellung, Iran stehe kurz vor dem Zusammenbruch. Er führt die Widerstandsfähigkeit des Landes auf Selbstvertrauen, eigene Technologien und eine eigenständige Militärstrategie zurück. Die Revolution habe nicht nur eine politische, sondern auch eine geistige Entkolonialisierung bewirkt, sagt er. Die Bevölkerung glaube, einer Grossmacht standhalten zu können.

Er berichtet, bei Konferenzen in China und Russland habe er viel Anerkennung für Iran gehört. Die grosse Zahl von Menschen an der Beerdigung eines Ayatollahs wertet er ebenfalls als Hinweis auf gesellschaftliche Unterstützung. Eine Darstellung der «New York Times», wonach viele Menschen aus Neugier gekommen seien, kritisiert er als Versuch, die Bedeutung der Teilnahme herunterzuspielen. Marandi betont, Iran habe dem Angriff im Wesentlichen allein widerstanden. Russland und China seien zwar hilfreich gewesen, doch die Leistung sei vor allem iranisch gewesen; auch die Nachbarstaaten hätten Iran nicht unterstützt.

Als Ursache für westliche Fehleinschätzungen nennt Marandi ein aus seiner Sicht verzerrtes, orientalistisches Bild des Landes. Jahrzehntelange Geringschätzung und Feindseligkeit hätten dazu geführt, dass manche in Washington an einen raschen Zusammenbruch Irans geglaubt hätten. Er empfiehlt, sich mit Büchern über Iran zu befassen und Menschen anzuhören, die das Land besucht hätten. Im Gespräch werden unter anderem die Bücher «Going to Tehran» von «Flint Leverett» und «Resistance» von «Alastair Crooke» genannt. Marandi sagt, westliche Entscheidungsträger sollten auch iranische Sichtweisen berücksichtigen, um ihre Politik zu überdenken.

Kriegsrhetorik und Folgen für die Zivilbevölkerung

Ein Teil des Gesprächs dreht sich um Äusserungen über mögliche Angriffe auf Iran. Marandi kritisiert, dass Drohungen, ein Land «in die Steinzeit» zurückzuversetzen oder eine Zivilisation auszulöschen, nicht entschieden genug verurteilt würden. Er bezeichnet die politische Elite, die solche Aussagen tätige oder dulde, als unmoralisch und irrational. Der Moderator unterscheidet zwischen Spekulationen über einen möglichen Atomwaffeneinsatz und Aussagen, die Trump selbst zugeschrieben werden. Marandi beharrt darauf, dass wiederholte Drohungen mit der Vernichtung einer Zivilisation nicht normalisiert werden dürften.

Zum Schluss spricht der Moderator über getötete Kinder bei Angriffen. Er beschreibt, wie die gemeldete Zahl der getöteten Kinder nach einem Angriff auf eine Schule zunächst mit fünf angegeben und anschliessend schrittweise auf bis zu 120 erhöht worden sei. Marandi sagt, es habe zudem einen Angriff auf einen Sportkomplex in Lamerd gegeben, bei dem Mädchen beim Volleyball und Jungen beim Fussball getötet worden seien. Er kritisiert, dass darüber wenig berichtet worden sei. Der Moderator erwähnt ausserdem einen Bericht iranischer staatlicher Medien über 30 vergiftete Schülerinnen und Schüler in Miandoab; im Gespräch wird keine Ursache genannt.

Marandi sagt, die beste Abschreckung sei, Stärke zu zeigen und dem Gegner klarzumachen, dass ein Angriff einen hohen Preis hätte. Der Moderator schliesst mit der Hoffnung, der Krieg sei beendet und der sinkende Ölpreis sei ein positives Zeichen. Marandi entgegnet, bei Trump und Benjamin Netanyahu gebe es keinen Anlass, sich sicher zu fühlen.