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Black October: KI-Hacker treffen aktuell Banken und Finanzsysteme weltweit – Warnungen von WEF und Gates wirken plötzlich erstaunlich aktuell

Innerhalb weniger Wochen sind weltweit ungewöhnlich viele schwere Angriffe auf Banken, Finanzunternehmen, Kryptobörsen und digitale Zahlungssysteme bekannt geworden. Viele davon haben einen gemeinsamen Nenner: Künstliche Intelligenz beschleunigt Angriffe, automatisiert bislang aufwendige Schritte und erlaubt einzelnen Tätern, gleichzeitig Hunderte Ziele anzugreifen.

In Südkorea wurden Banken und Finanzunternehmen attackiert; bei Shinhan Bank wurden Daten von rund 25.000 Kunden kompromittiert. In Lateinamerika setzte die Gruppe CyberCartel laut Sicherheitsforschern KI-Agenten gegen mehr als 400 Finanzziele ein. In Italien brachten Betrüger die Intesa-Sanpaolo-Tochter Fideuram mithilfe KI-generierter Kommunikation und einer geklonten Stimme dazu, 95 Millionen Euro zu überweisen – rund 36 Millionen waren zuletzt noch verschwunden.

Parallel dazu meldete CrowdStrike eine China zugeschriebene Kampagne, bei der innerhalb von elf Tagen mehr als 200 Organisationen in mindestens 14 Ländern angegriffen wurden. In Japan traf ein Ransomware-Angriff GMO Internet, während das FBI Nordkorea für einen Diebstahl von mehr als sechs Milliarden Dollar bei Binance verantwortlich macht.

Und inzwischen kommt die Gefahr nicht mehr ausschließlich von klassischen Hackern. Große US-Banken beschränken den Zugang externer KI-Agenten zu Kundenkonten, nachdem solche Systeme teilweise Aktivitäten ausführten, die nicht eindeutig auf unmittelbare Anweisungen der Kunden zurückzuführen waren.

Selbst IMF und Bank of England schlagen inzwischen Alarm. IMF-Chefin Kristalina Georgieva warnte davor, dass Cyberbetrug das Vertrauen in das Finanzsystem so stark beschädigen könnte, dass Menschen wieder Bargeld „in Schuhkartons unter dem Bett“ aufbewahren. Bank-of-England-Chef Andrew Bailey warnte ebenfalls: Verliere eine Gesellschaft das Vertrauen in ihr Geld, werde es grundsätzlich gefährlich.

Und plötzlich klingen alte Warnungen anders

Bemerkenswert ist, dass genau vor einem solchen Szenario schon Jahre zuvor gewarnt wurde.

Bereits am 1. Juni 2020 veröffentlichte das Weltwirtschaftsforum einen Beitrag mit dem Titel „How to prepare for the inevitable global cyberattack“. Darin hieß es ausdrücklich, die Welt müsse sich auf eine „COVID-like global cyber pandemic“ vorbereiten, die sich schneller als ein biologisches Virus verbreiten und wirtschaftlich mindestens ebenso verheerend wirken könne.

Das WEF entwarf sogar das Szenario eines weltweiten digitalen Lockdowns, bei dem Geräte vom Internet getrennt werden müssten, bis eine Art „digitale Impfung“ verfügbar sei. Damals wirkte das auf viele wie ein extremes Zukunftsszenario.

Heute werden Banken mit KI-Agenten angegriffen, automatisierte Hacker attackieren Hunderte Ziele gleichzeitig, internationale Finanzinstitutionen warnen vor einem Verlust des Vertrauens in digitales Geld – und ausgerechnet der Begriff „Black October“ macht die Runde.

Da drängt sich zumindest die zugespitzte Frage auf: Woher wussten sie, was kommen könnte?

Die nüchterne Antwort lautet: Cyberangriffe auf kritische Infrastruktur waren bereits 2020 ein bekanntes Risiko. Das WEF musste dafür kein geheimes Vorwissen besitzen. Doch bemerkenswert bleibt, wie detailliert damals bereits Szenarien beschrieben wurden, die heute zunehmend weniger theoretisch wirken.

Auch Bill Gates warnt inzwischen mit ungewöhnlicher Schärfe. Er schreibt, KI mache es selbst technisch wenig versierten Kriminellen möglich, Menschen, Unternehmen und Regierungen in bislang ungekanntem Maßstab anzugreifen. Besonders gefährdet seien laut Gates ausgerechnet Finanzinstitute, Krankenhäuser, Stromnetze, Wasserversorgung und staatliche Systeme.

Gates schreibt außerdem, einige der besten Cybersicherheitsexperten, die er kenne, seien wegen der kommenden Jahre „besorgt“, weil Angreifer neue KI-Fähigkeiten schneller erhielten, als Verteidiger Sicherheitslücken schließen könnten.

Damit wird aus einer früheren theoretischen Warnung zunehmend eine reale Sicherheitsfrage.

Wenn Vertrauen selbst zum Ziel wird

Ein einzelner Bankhack lässt sich bewältigen. Problematisch wird es, wenn sich innerhalb weniger Wochen so viele Vorfälle häufen, dass Millionen Menschen beginnen, an der Sicherheit des gesamten digitalen Finanzsystems zu zweifeln. Denn moderne Banken funktionieren letztlich nicht nur mit Computern.

Sie funktionieren mit Vertrauen.

Auch die Einlagensicherung löst dieses Problem nur teilweise. Die amerikanische FDIC schützt Kunden bei einer Bankpleite, nicht automatisch bei Diebstahl oder Betrug. Für unautorisierte Transaktionen gelten andere Regeln, und Untersuchungen können in bestimmten Fällen Wochen oder sogar Monate dauern.

Wer vollständig von einem einzigen Bankkonto, einer Kryptobörse oder einem digitalen Zahlungsweg abhängig ist, besitzt im Ernstfall wenig Ausweichmöglichkeiten.

Der Begriff „Black October“ ist bislang keine offizielle Bezeichnung und aus der Häufung der Angriffe lässt sich kein Beweis für eine koordinierte globale Operation ableiten. Aber die Entwicklung selbst ist real.

KI macht Cyberangriffe schneller, billiger und skalierbarer. Gleichzeitig werden Banken, Unternehmen und Staaten immer stärker von genau den digitalen Systemen abhängig, die angegriffen werden können. Das Weltwirtschaftsforum warnte bereits 2020 vor einer „Cyber-Pandemie“. Bill Gates warnt heute vor KI-Angriffen auf Banken, Stromnetze und andere kritische Infrastruktur. Und nun beginnen genau solche Angriffe in einer Geschwindigkeit und Größenordnung aufzutreten, die vor wenigen Jahren kaum vorstellbar schien.

Zufall, gute Risikoanalyse oder einfach eine Entwicklung, die längst absehbar war?

Quellen: