Tel Aviv/Gaza – Im Gazastreifen operieren derzeit zwei großangelegte zivile Schwermaschinen-Einheiten unter direkter Koordination des israelischen Verteidigungsministeriums. Das geht aus einem Bericht des israelischen Journalisten Uri Misgav hervor, der am 2. Juli in den sozialen Netzwerken veröffentlicht wurde. Ziel der Einsätze sei der systematische Abriss palästinensischer Wohnhäuser – mit Dutzenden eigens für diese Mission eingesetzten Baggern.
Nach Misgavs Angaben agiert eine Einheit im Norden des Gazastreifens unter dem Kommando von Golan Vach, dem Bruder von Yehuda Vach, einem hochrangigen Kommandeur der israelischen 252. Division. Die zweite Einheit operiert im Süden, unter Leitung von Bezalel Zini, Bruder des pensionierten Generalmajors David Zini, der in der Vergangenheit als Kandidat für den Chefposten des Inlandsgeheimdienstes Shin Bet gehandelt wurde – mit Unterstützung aus dem Umfeld von Premierminister Netanjahu.
According to Israeli journalist Uri Misgav, two civilian heavy machinery teams, under the authority of the Ministry of Defense, are working vigorously on flattening the Gaza Strip. Dozens of excavators in each sector are being used to demolish Palestinian homes.
— B.M. (@ireallyhateyou) July 7, 2025
One sector is in… pic.twitter.com/UYZowcmAwo
Die Fahrer dieser Abrissmaschinen stammen laut Bericht überwiegend aus der ultranationalistischen Hilltop Youth sowie verwandten ideologischen Gruppierungen im Westjordanland. Die Bezahlung ist fest geregelt: 2.500 Schekel (etwa 750 USD) für den Abriss eines kleinen Hauses, 5.000 Schekel für ein großes.
Die Brisanz der Informationen liegt auch in der zeitlichen Einordnung: Misgav berichtet, dass die Kommandeure vor Ort angesichts möglicher Verhandlungen über einen Waffenstillstand die Genehmigung erhalten haben, die Abrissarbeiten auch am Schabbat fortzuführen – ein ungewöhnlicher Schritt, der auf die Dringlichkeit und Zielstrebigkeit der Operation schließen lässt.
Das Verteidigungsministerium verweigerte laut Misgav eine Antwort auf eine Liste detaillierter Fragen. Die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) hingegen erklärten auf Nachfrage:
„Die IDF befindet sich in einem Krieg gegen Terrororganisationen im Gazastreifen, insbesondere gegen die Hamas, die das Kriegsrecht systematisch verletzt, sich in der Zivilbevölkerung versteckt und zivile Infrastrukturen für militärische Zwecke missbraucht. Die Zerstörung von Gebäuden erfolgt ausschließlich aus zwingenden operativen Gründen – wie der Eliminierung terroristischer Einrichtungen oder zur Strukturierung des Kampfraums – und im Einklang mit den militärischen Vorschriften sowie dem Völkerrecht.“
Der Vorwurf bleibt bestehen: Die von Misgav dokumentierten Abrissaktionen deuten auf eine massive und weitgehend zivil durchgeführte „Entstrukturierung“ des Gazastreifens hin – mit Bezügen zu militärischen Entscheidungsträgern und nationalistisch geprägten Zivilpersonen. Ob und wie weit dies mit den Regeln des internationalen Kriegsrechts vereinbar ist, dürfte noch Gegenstand intensiver politischer und juristischer Auseinandersetzungen werden.

