Die CIA hat einen bemerkenswert offenen Schritt vollzogen: Mit einem neuen Video richtet sich der US-Auslandsgeheimdienst direkt an Bürger in China und fordert sie auf, Informationen über das politische System ihres Landes weiterzugeben. Der Clip, am 16. Januar auf X veröffentlicht, bewirbt ausdrücklich „sichere“ Kontaktmöglichkeiten zur CIA und markiert damit eine neue Phase im verdeckten, aber zunehmend öffentlich geführten Informationskrieg zwischen Washington und Peking.
In der chinesischsprachigen Botschaft erklärt die CIA unmissverständlich, worum es geht: Man wolle „die Wahrheit über China“ erfahren und suche Menschen mit Zugang zu relevanten Informationen, die bereit seien, diese zu teilen. Es ist bereits das dritte Video dieser Art – nach zwei Veröffentlichungen im Mai –, mit dem sich der US-Geheimdienst gezielt an ein chinesisches Publikum wendet. Dass eine westliche Nachrichtendienstbehörde derart offen um Informanten in einem rivalisierenden Großstaat wirbt, ist ungewöhnlich und signalisiert eine bewusste Abkehr von stiller Rekrutierung hin zu demonstrativer Ansprache.
🚨Die CIA rekrutiert jetzt offen – per Video, weltweit.
— Don (@Donuncutschweiz) January 16, 2026
In einem offiziellen Clip erklärt die CIA Schritt für Schritt, wie man anonym Kontakt mit dem US-Geheimdienst aufnimmt:
bar gekaufte Geräte, öffentliche WLANs, westliche VPNs, anonyme E-Mail-Konten, direkter Zugriff auf… pic.twitter.com/1Xttku7Xi4
Der neue Clip legt den Schwerpunkt nicht auf politische Appelle, sondern auf operative Sicherheit. Die Botschaft ist klar: Wer Informationen liefern will, soll dies so tun, dass staatliche Überwachung möglichst umgangen wird. Die CIA präsentiert dazu ein strukturiertes Vorgehen, das von der anonymen Kontaktaufnahme bis zur Minimierung digitaler Spuren reicht. Der Ton ist sachlich, fast technokratisch – und genau darin liegt die Provokation. Denn die implizite Annahme lautet, dass chinesische Überwachung allgegenwärtig ist und nur mit konsequenter Abschottung zu umgehen sei.
Beobachter werten die Kampagne als bewusste Demonstration amerikanischer Handlungsfähigkeit im digitalen Raum. Während Peking in den vergangenen Jahren seine Spionageabwehr und Internetkontrolle massiv ausgebaut hat, setzt Washington nun auf Transparenz im Vorgehen – nicht, um Kontrolle abzugeben, sondern um Vertrauen bei potenziellen Informanten zu schaffen. Die CIA signalisiert: Wir wissen, wie ihr überwacht werdet, und wir bieten Wege, diese Überwachung zu umgehen.
Politisch ist der Schritt brisant. Schon die im Mai veröffentlichten Videos, die sich offen an Funktionäre der Kommunistischen Partei Chinas richteten, hatten in Peking scharfe Reaktionen ausgelöst. Die neue Veröffentlichung verschärft diese Linie, indem sie nicht nur zur Kooperation aufruft, sondern konkrete Kontaktkanäle bewirbt – einschließlich alternativer Zugänge jenseits des offenen Internets. Das ist weniger Symbolik als praktische Einladung.
Kritiker sehen darin eine weitere Normalisierung offensiver Geheimdienstkommunikation. Was früher hinter verschlossenen Türen stattfand, wird nun in sozialen Netzwerken ausgetragen. Für die chinesische Führung ist das eine Provokation, für Washington ein kalkuliertes Risiko. Die CIA scheint davon auszugehen, dass der Nutzen – potenziell neue Informationsquellen – die diplomatischen Kosten überwiegt.
Unklar bleibt, wie erfolgreich die Kampagne sein wird. Öffentliche Spionageaufrufe bergen das Risiko, potenzielle Informanten abzuschrecken oder sie erst recht ins Visier der Gegenseite zu bringen. Zugleich aber unterstreicht der Schritt, wie weit sich die Rivalität zwischen den USA und China von klassischer Diplomatie entfernt hat. Informationsgewinnung, psychologische Signale und öffentliche Machtprojektion verschmelzen zunehmend.
Fest steht: Mit diesem Video verlässt die CIA endgültig den Schatten. Der Geheimdienst agiert nicht mehr nur verdeckt, sondern demonstrativ – und macht damit deutlich, dass der strategische Wettbewerb mit China längst auch auf offener Bühne geführt wird.


