Verfasst von Alastair Crooke
Netanyahu sagt Trump, dass er nun die Zerstörung Irans zu Ende bringen müsse
Der «Grand Design», «[die] Stellung [der westlichen Zivilisation] an der Spitze der Welt zu behaupten» (wie US-Aussenminister Marco Rubio es ausdrückte), erfordert zwei Instrumente, um die Fügsamkeit sicherzustellen: erstens die Schaffung zerstörerischer revolutionärer Begeisterung von unten (heute als «Regimewechsel» bezeichnet); und zweitens den Einsatz dessen, was Theodore Herzl in einer heute berühmten Formulierung als «die schreckliche Macht des Geldbeutels, um unwiderstehlichen Druck auf die internationale Politik auszuüben» bezeichnete, um die herrschenden Schichten in ein Machtgeflecht einzubinden, das das «Grand Design»-Projekt voranbringen würde.
Genau das beobachten wir bei Trumps Krieg gegen Iran. Der israelisch-amerikanische Angriff im Juni 2025 war in erster Linie ein Enthauptungsschlag, der sowohl die politische als auch die militärische Führung Irans ausschalten sollte, während bewaffnete, vom Mossad ausgebildete Kräfte, die MEK und unter anderem belutschische Separatisten nach Iran eingeschleust werden sollten, um von der Strasse aus eine Revolution anzufachen. Damals wurde der Sohn des ehemaligen Schahs – wenig plausibel – den westlichen Medien als künftiger Führer Irans präsentiert.
Esfunktionierte nicht. Und nun behauptet Netanyahu, Israel habe «neue Beweise» dafür, dass Iran sich der Herstellung eines Waffenelements für sein Nuklearprogramm nähere. Er sagt Trump, dass er nun die Zerstörung Irans zu Ende bringen müsse. Um Trump zusätzlich anzuspornen, berichtet die führende israelische Tageszeitung Ma’ariv, Israel habe Umfrageergebnisse der Likud-Partei direkt ins Weisse Haus weitergeleitet, denen zufolge Netanyahu die israelischen Wahlen am 27. Oktober gewinnen könnte. Dem Bericht zufolge veranlassten diese Likud-Informationen (die den meisten anderen israelischen Umfragen widersprechen) Trump zu seiner uneingeschränkten Wahlempfehlung für Netanyahu.
Gleichzeitig setzen die zionismusfreundlichen Milliardärssponsoren gegenüber Trump die «schreckliche Macht des Geldbeutels» ein: «Wir werden nichts anderes als die Niederlage Irans akzeptieren. Wenn Sie weiter ein Abkommen anstreben, werden wir Ihnen unsere finanzielle Unterstützung entziehen.»
Hochrangige amtierende und ehemalige Sicherheitsbeamte in Israel bestreiten jedoch, dass ein unmittelbar bevorstehender Angriff auf Iran nötig sei, und weisen Netanyahus Behauptung zurück, es gebe neue Beweise dafür, dass Iran auf eine Atomwaffe hinarbeite –
IDF-Generalstabschef Zamir sagte gegenüber dem israelischen Sender Channel 13: «Wir sehen keinen Grund, Iran vor den Wahlen anzugreifen»;
Der führende israelische Militärstratege Udi Evental hat gewarnt:
«Ein Krieg, um die Wahlen und die Demokratie zu vereiteln, nicht um Irans Nuklearprogramm zu vereiteln. Netanyahu, der im Verdacht steht, bis zum Hals in sachfremde politische und persönliche Erwägungen verstrickt zu sein, ist nicht geeignet, eine solche Entscheidung zu treffen. Man darf ihn nicht lassen.»
Ob es solche Beweise gibt oder nicht, spielt wirklich keine Rolle. Wahrscheinlich existieren sie gar nicht. Die Behauptung dient lediglich als Vorwand, mit dem die USA aufgefordert werden, gegen Iran vorzugehen und «die Sache zu Ende zu bringen».
Wie immer sagte Netanyahu in den vergangenen Tagen:
«Iran versucht erneut, seine Waffen des Todes zu entwickeln … Es gibt nur einen Weg, diese Bedrohung ein für alle Mal zu beseitigen – das Regime in Iran zu stürzen, und das ist meine Anweisung an die IDF, den Mossad und die Sicherheitsbehörden.»
Ein hochrangiger iranischer Beamter sagte Drop Site , dass Teherans aktuelle interne nachrichtendienstliche Einschätzung auf eine hohe Wahrscheinlichkeit hindeute, dass grossangelegte Bombardierungen beginnen könnten – noch vor den israelischen Wahlen am Dienstag.
Entscheidend ist hier, dass es Iran gleichgültig ist, wer die Zwischenwahlen gewinnt oder wer 2028 die US-Präsidentschaftswahl für sich entscheidet. Für die iranische Führung macht das keinen Unterschied. Sie versteht das Konzept des «Grand Design» sehr gut (wie könnte sie auch nicht?).
Im Iran ist allgemein bekannt, dass das Land einen langen Krieg gegen den gesamten atlantizistischen Block führt – Israel, seine Geheimdienste, seine Waffenarsenale, seine Satelliten, seine Rüstungsindustrie und seine Medienmaschinerie. Es spielt keine Rolle, ob im Weissen Haus ein Republikaner oder ein Demokrat sitzt. Hochrangige iranische Amtsträger sind der Ansicht, dass beide Parteien von der zionistischen, schrecklichen Macht des Geldbeutels gekauft worden sind.
Den «Plan» zu verstehen, heisst zu verstehen, dass die zionistische Spenderklasse sich niemals mit irgendeinem «Abkommen oder Kompromiss» zufriedengeben wird. Sie behauptet, es sei sicher, dass der Iran letztlich jede erwogene Zustimmung zu den Forderungen der USA widerrufen würde. Israelis und ihre Helfer aus der Spenderklasse glauben schlicht nicht (und wiederholen unablässig), dass der Iran jemals eine Unterwerfung unter Israel oder die politische und kulturelle Vorherrschaft der USA akzeptieren würde.
Vielleicht haben sie recht. Warum?
Ganz einfach, weil der Iran auf eine tief verwurzelte Zivilisation zurückblickt, die bis zu einem spezifisch persisch-iranischen Komplex von Glaubensvorstellungen und Praktiken des zweiten Jahrtausends v. Chr. zurückreicht – dem Mazdaismus, einer Kosmologie des göttlichen Dramas, die sich im fortwährenden Kampf zwischen Licht und Dunkelheit zeigt.
Der renommierte Gelehrte Professor Henri Corbin hat argumentiert: «Der Iran befand sich im Zentrum … und war nicht nur eine Nation oder ein Reich, sondern ein spirituelles Universum.» Er verstand den Iran daher als eine vermittelnde Kraft, sowohl geografisch als auch metaphysisch.
Seit Jahrtausenden erleben die Iraner die Welt als etwas mit einer klaren metaphysischen Dimension – und einer Geschichte. Daher ist es unwahrscheinlich, dass sie sich von einer nihilistischen, materialistischen westlichen Haltung angezogen fühlen. Zivilisationsstaaten wie der Iran oder Russland, die gegensätzliche Werte vertreten, würden sich dem «grossen Plan» niemals beugen. Deshalb müssen sie zerstört werden.
Was bedeutet diese metaphysische Geschichte? Sie bedeutet, dass sich der Iran auf einen Krieg vorbereitet, nicht auf einen «Deal». Mohsen Rezaei, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats des Iran und persönlicher Vertreter des Obersten Führers Ayatollah Mojtaba Khamenei, erklärte dass:
«Wenn die Frage lautet, ob der Iran weiterhin in der Lage ist, Raketen- und Drohnenoperationen durchzuführen [im Falle eines Angriffs], lautet die Antwort: ‹Ja› … Die Vereinigten Staaten verfügen in der Region über wertvolle Anlagen. Im Kriegsfall könnten auch Kabel, Rechenzentren und Einrichtungen für künstliche Intelligenz in Reichweite geraten. Sollte der Konflikt erneut beginnen, werden wir einen umfassenderen Plan haben.»
«Jeder muss verstehen, dass ein Vorgehen gegen den Iran seinen Preis hat.»
Hochrangige iranische Amtsträger glauben, dass ein Krieg bevorsteht. Ein hochrangiger Iraner deutete an, dass der Iran umfassende Pläne für den Fall eines Angriffs habe, die auch Saudi-Arabien und dessen Führung einschlössen. Karl Miller (vor Ort) erklärt, in dieser Hinsicht sei bereits ein Viertel der saudischen Ölproduktion zerstört worden und die Schäden infolge der Vergeltungsangriffe von AnsarAllah zögen sich durch die gesamte saudische Produktionskette – «vom Bohrloch bis zur Tankstelle» –; Saudi-Arabien habe die Lücke geschlossen, indem es seine Vorräte aus den Tanks aufbrauche.
Millers Bericht, zitiert von Larry Johnson, warnt:
«Wenn Saudi-Arabiens Exporthäfen geschlossen werden, kann sein Öl nirgendwohin ausser zu den eigenen Raffinerien, Kraftwerken und Lagertanks. Sobald die Lager voll sind, ist damit ungefähr die Obergrenze dessen erreicht, was Saudi-Arabien weiter fördern kann. Werden Ras Tanura und Yanbu gleichzeitig geschlossen, müsste das Königreich den Betrieb der meisten seiner Ölfelder einstellen. Genau dieses Szenario soll die Kampagne von Ansar Allah gegen die Pipeline, das Rote Meer und die Terminals am Golf herbeiführen.»
«Jede neue amerikanische oder israelische Kampagne gegen den Iran würde auf ein saudisches Energiesystem treffen, das keinen Spielraum mehr hat, um sie abzufedern», stellt Larry Johnson fest.
Jeder neue Angriff auf den Iran würde folglich das Ende des Golfs, wie wir ihn kennen, bedeuten, das Ende des Petrodollars und das Ende des Golfs als wichtigstem Lieferanten von Bargeld für die Wall Street und die Technologiebranche.
Dennoch soll Trump Berichten zufolge gesagt haben, dass die USA derzeit nicht mit dem Iran verhandeln und «ziemlich bald» etwas geschehen werde.
Vielleicht. (Doch bei Trump läuft alles auf Spekulation hinaus.) Aber wenn er blufft, wird es nicht funktionieren, und seine Demütigung wird umso grösser sein.
Michael Wolff, der Trump besser kennt als die meisten (er hat vier Bücher über ihn verfasst), meint, dass die Demokraten, falls sie bei den Zwischenwahlen am 3. November gewinnen, –
«der Welt vermitteln wollen, dass es ‹einen neuen Tag› gibt. Trump seinerseits wird der Welt vermitteln wollen, dass er weiterhin die Bühne beherrscht. Es wird eine Reihe solcher Aktionen geben (etwa eine mögliche Invasion Kubas), die alles übertreffen, was wir uns vielleicht vorgestellt haben. Er wird nicht gedemütigt werden. Die Vorstellung von Demut existiert in Donald Trumps Seele nicht. Deshalb wird er das Gegenteil tun.»
«Nicht zurückweichen, sondern angreifen.»


