Larry C. Johnson
MOU, minus 3 und der Countdown läuft. Das oben abgebildete Foto veranschaulicht ein schwerwiegendes Problem, das im MOU nicht direkt angesprochen wird — ich werde dies am Ende dieses Artikels näher erläutern. Was steht nun tatsächlich in diesem Memorandum? Israelische Politiker und ihre zionistischen Kollaborateure in den Vereinigten Staaten laufen Sturm, nachdem sie iranische Presseberichte gesehen haben, die den Vertrag skizzieren, den Donald Trump bereit ist, mit Iran zu unterzeichnen. Obwohl das Weiße Haus den Text des MOU nicht veröffentlicht hat — was uns einen Vergleich der US-Version mit der iranischen Version ermöglichen würde, die online veröffentlicht wurde —, hat die westliche Presse nun mit den iranischen Medien gleichgezogen, die das 14-Punkte-MOU gestern veröffentlichten.
Bloomberg News (Stand 16.–17. Juni 2026) behauptet, eine Kopie des MOU erhalten zu haben, das die USA und Iran am 19. Juni in der Schweiz (voraussichtlich im Bürgenstock-Resort bei Luzern) formell unterzeichnen wollen. Diese Zwischenvereinbarung zielt darauf ab, den laufenden Krieg zu beenden, die Straße von Hormus wieder zu öffnen und den Weg für 60-tägige Verhandlungen über Irans Nuklearprogramm und weitergehende Fragen zu ebnen. Den Bloomberg-Bericht über den Inhalt des 14-Punkte-Memorandums können Sie unter diesem Link nachlesen (Hinweis: hinter einer Bezahlschranke):
Wenn die jeweiligen US-amerikanischen und iranischen Berichte der Wahrheit entsprechen, dann trennen die beiden Seiten noch erhebliche Differenzen. Bloombergs Berichterstattung (gestützt auf gesichtete Entwürfe) und die iranischen Versionen (vornehmlich von der staatsnahen Mehr-Nachrichtenagentur und Regierungsvertretern) des vorgeschlagenen 14-Punkte-MOU weisen zwar erhebliche Überschneidungen bei den Kernpunkten auf, unterscheiden sich jedoch merklich in Gewichtung, Einzelheiten und Auslegung — insbesondere hinsichtlich der finanziellen Entlastung, der Verwaltung der Straße von Hormus und der künftigen Verhandlungen.
Die mutmaßlichen US-amerikanischen und iranischen Versionen stimmen in folgenden Punkten überein:
- Sofortiger und dauerhafter Waffenstillstand an allen Fronten, einschließlich Libanon, ohne weitere Feindseligkeiten.
- Wiedereröffnung der Straße von Hormus: Iran beendet Sperrung/Blockade; USA heben ihre Seeblockade auf. Der Handelsschiffsverkehr wird wieder aufgenommen (mit dem Ziel, das Vorkriegsvolumen zu erreichen).
- Sanktionserleichterungen: Ausnahmegenehmigungen für iranische Ölverkäufe sofort oder sehr bald; weitergehende Erleichterungen an die Erfüllung von Auflagen geknüpft.
- 60-tägiges Verhandlungsfenster: Für ein umfassendes Abkommen mit Schwerpunkt auf Irans Nuklearprogramm (Anreicherung, Vorräte, Inspektionen), wobei Iran bekräftigt, keine Atomwaffen anzustreben.
- Wirtschaftliche Anreize: Wiederaufbau-/Entwicklungsprogramm für Iran im Umfang von mindestens 300 Milliarden Dollar (von regionalen Partnern/Golfstaaten, nicht aus direkten US-Mitteln); Freigabe eines Teils der eingefrorenen Vermögenswerte.
Trotz des Bestehens beider Seiten, daß das MOU am Freitag unterzeichnet werde, sind klare Unterschiede zwischen der iranischen und der US-Version erkennbar, die — sollten sie nicht ausgeräumt werden — die Unterzeichnungszeremonie meiner Ansicht nach zum Scheitern bringen werden. In den öffentlich bekannten Versionen lassen sich sieben wesentliche Streitpunkte ausmachen:
Vorbedingungen für die Aufnahme von Verhandlungen:
Die iranische Version legt ausdrücklich fest, daß die abschließenden Verhandlungen erst beginnen, wenn ein Teil der Ölsanktionen ausgesetzt, ein Teil der eingefrorenen Vermögenswerte freigegeben und die Seeblockade aufgehoben wird — wodurch US-amerikanisches Handeln zur Vorbedingung für Irans Teilnahme an den Verhandlungen wird.
Die US/Bloomberg-Version: breiteres Potenzial (nuklear + sonstige Fragen wie regionales Verhalten). Die US-Version knüpft iranische Vergünstigungen an iranische Leistungen.
Eingefrorene Vermögenswerte:
Bloomberg/US-nahe Entwürfe: betonen schrittweise, leistungsbasierte Entlastung (z.B. zunächst Ausnahmegenehmigungen für Ölverkäufe, dann weitergehender Zugang an Nuklearkonformität geknüpft). Der Wiederaufbaufonds (~300 Mrd. Dollar) ist an ein endgültiges Abkommen geknüpft. Ein hochrangiger US-Regierungsvertreter teilte Reportern mit, der Vertrag beruhe strikt auf dem Prinzip „Leistung gegen Gegenleistung“ — keine Freigabe von Mitteln ohne vorherige iranische Erfüllung der Auflagen.
Iranische Versionen (z.B. Mehr): betonen unmittelbarere/konkretere Gewinne, wie die Freigabe von 24–25 Milliarden Dollar eingefrorener Vermögenswerte während der 60 Tage, hälftige Vorauszahlung oder schnellere Ausnahmegenehmigungen bei Ölsanktionen sowie stärkere Zusagen zur Wiederaufbaufinanzierung. Die Mehr-News-Version spezifiziert, daß 12 Milliarden Dollar iranischer Gelder vor Verhandlungsbeginn freizugeben sind und weitere 12 Milliarden während des 60-tägigen Abschlußverhandlungsfensters — insgesamt 24 Milliarden Dollar.
Umfang der abschließenden Verhandlungen:
Irans Version beschränkt die abschließenden Gespräche ausdrücklich auf nukleare und wirtschaftliche/sanktionsbezogene Fragen — mit ausdrücklichem Ausschluß von Irans Raketenprogramm und der Unterstützung regionaler Stellvertreter (Hisbollah, Huthi usw.). Dies steht in direktem Widerspruch zu Trumps erklärter Position, wonach Raketen und Stellvertreter auf die Agenda müssen.
Umfang der Sanktionserleichterungen:
Irans Version fordert die Aufhebung der Öl- und Petrochemiesanktionen sowie eine US-Zusage, während der Verhandlungen Streitkräfte aus dem iranischen Umfeld abzuziehen und keine neuen Sanktionen oder Truppenstationierungen vorzunehmen.
Die Bloomberg-Version enthält keine ausdrücklichen Vorab-Zusagen zu Sanktionserleichterungen.
Irans nukleare Verpflichtungen:
Irans Version sieht die Bekräftigung von Irans NVV-Verpflichtung vor, keine Atomwaffen herzustellen.
Die US-Position, wie von Trump gegenüber der New York Times dargelegt, lautet, daß Iran dauerhaft am Erwerb einer Atomwaffe gehindert werden müsse — was weitaus eingriffsintensivere Überprüfungsmaßnahmen und Beschränkungen der Anreicherung impliziert als eine bloße NVV-Bekräftigung.
Billigung durch den UN-Sicherheitsrat:
Irans Version fordert, daß jedes endgültige Abkommen durch eine Resolution des UN-Sicherheitsrates gebilligt wird — eine bedeutsame Forderung, die China und Russland eine formelle Rolle bei der Garantierung und möglicherweise der Durchsetzung des Abkommens geben würde, was die USA bislang nicht anerkannt haben.
Straße von Hormus:
Bloomberg/US-Sichtweise: Vollständige Wiedereröffnung für den vorkriegsmäßigen Handelsschiffsverkehr ohne Mautgebühren, sichere Durchfahrt und Rückkehr zu normalen Verkehrsströmen (möglicherweise innerhalb von etwa 30 Tagen).
Iranische Sichtweise: Wiedereröffnung ja, jedoch unter iranischer (und omanischer) Hoheit/Verwaltung. Iran könnte „Servicegebühren“ (nicht als „Maut“ bezeichnet) aus Sicherheits- und Umweltgründen erheben; unterschiedliche Regelungen für Militär- und Zivilschiffe.
Ich sehe mindestens zwei mögliche Erklärungen dafür, daß eine authentische Fassung des endgültigen MOU noch nicht veröffentlicht wurde: Erstens verhandeln die beiden Seiten noch immer über Formulierungen und Inhalt, oder zweitens möchte Trump die offizielle Version bis zur Unterzeichnung des MOU vor der Öffentlichkeit verbergen, um Gegner des eigentlichen Abkommens im Dunkeln zu lassen. Haben Sie eine andere Erklärung?
Damit komme ich zurück zur Straße von Hormus und dem oben in diesem Artikel gezeigten Bild. Mein Artikel vom Montag zeigte eine große Zahl iranischer Schiffe beim Transit durch die Straße von Hormus. Das heutige Bild zeigt große Schiffsansammlungen nicht-iranischer Fahrzeuge, die nördlich und südlich der Straße vor Anker liegen. Obwohl das Pentagon darauf besteht, daß die Blockade erst mit der Unterzeichnungszeremonie am Freitag aufgehoben werde, ist offensichtlich, daß iranische Schiffe die Straße von Hormus frei passieren, während nicht-iranische Schiffe dies nicht können.
Die nicht-iranischen Schiffe, wie zu sehen ist, liegen nördlich und südlich der Straße in Gruppen zusammen, höchstwahrscheinlich weil Versicherungsgesellschaften offenbar noch nicht bereit sind, ihnen grünes Licht für die Durchfahrt durch die Straße zu geben, bis die Minen geräumt sind. Obwohl Trump darauf besteht, daß Schiffe sich unmittelbar nach Unterzeichnung des MOU in Bewegung setzen können, werden die Minen die Abfahrt der Schiffe verzögern, möglicherweise um mehrere Monate. Die eigene interne Schätzung des Pentagons setzt die vollständigen Minenräumungsoperationen auf bis zu sechs Monate an, selbst unter Einsatz von drei bereits in der Region befindlichen Minenräumfahrzeugen — was bedeutet, daß die Straße für den normalen Handelsschiffsverkehr möglicherweise politisch offen, aber physisch gefährlich sein wird, und zwar noch monatelang.
Sollte das MOU am Freitag unterzeichnet werden, wird die Umkehrung des durch die Schließung und Blockade der Straße von Hormus verursachten Wirtschaftsschadens Monate in Anspruch nehmen. Iranische Öltanker werden immer noch mindestens einen, wenn nicht zwei Monate bis zu ihrem Bestimmungsort benötigen. Mit anderen Worten: Neue iranische Öllieferungen werden frühestens Ende August gelöscht werden. Die Unterzeichnung des MOU beendet nicht die wirtschaftlichen Turbulenzen, die die globalen Märkte erschüttern.
