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Die Welt wird nach dem Krieg gegen den Iran nicht mehr dieselbe sein

Die Analyse des Ökonomen Michael Hudson

In einem aktuellen Interview mit Glenn Diesen hat der renommierte US-Ökonom und Historiker Michael Hudson die dramatischen Folgen des Krieges gegen den Iran für die globale Wirtschaft analysiert. Hudson, bekannt für seine kritische Auseinandersetzung mit dem US-Imperialismus und der Finanzialisierung der Wirtschaft, beschreibt den Konflikt nicht als regionalen Krieg, sondern als einen Wendepunkt, der die Weltordnung unwiderruflich verändert. Energieversorgung, Düngemittel, Finanzsystem und geopolitische Allianzen geraten ins Wanken – eine Rückkehr zur alten Normalität ist ausgeschlossen.

Krieg um Ressourcen und globale Kontrolle

Michael Hudson sieht den Krieg gegen den Iran als Teil eines umfassenden US-Versuchs, die Kontrolle über die Weltwirtschaft durch die Beherrschung der Öl- und Rohstoffexporte zu sichern. Der Konflikt sei kein isolierter militärischer Einsatz, sondern ein „Weltkrieg II“, weil Energie, Düngemittel und andere Exporte ölproduzierender Länder für die gesamte Welt lebenswichtig seien.

Die USA hätten bereits zuvor Venezuela angegriffen und dessen Präsidenten entführt, um das Öl unter eigene Kontrolle zu bringen. Nun gehe es um Iran: Das Ziel sei nicht die Verhinderung einer Atombombe – Iran strebe keine an –, sondern die vollständige Beherrschung der OPEC-Ölreserven.

Seit 2003 versuchten die USA, Irak, Syrien, Libyen und schließlich Iran zu kontrollieren. Die Straße von Hormus, durch die ein Großteil des saudischen und OPEC-Öls fließt, sollte zum Choke Point werden. Trump habe jedoch erkannt, dass eine militärische Besetzung der Inseln militärisch unhaltbar sei, und stattdessen direkt auf die Ölressourcen abgezielt.

Sanktionen als strategische Waffe

Hudson betont, dass die USA ihre Außenpolitik bewusst auf die Fähigkeit stützen, Ölexporte weltweit abzuschneiden. Sanktionen gegen Iran, Venezuela und Russland dienten genau diesem Zweck: Nur Öl aus US-kontrollierten Quellen solle den Verbündeten zur Verfügung stehen.

Trump habe dies offen ausgesprochen – im Gegensatz zu früheren Präsidenten, die dieselbe Politik verfolgten, aber weniger direkt. Kein ehemaliger US-Präsident (Biden, Obama, Bush) habe Trump kritisiert.

Selbst europäische Führer applaudierten ihm rhetorisch, obwohl sie den USA den Luftraum verweigerten. Die Sanktionen blieben bestehen, und niemand klage Trump als Kriegsverbrecher an. Dies zeige, wie tief die Abhängigkeit von der US-Dominanz in den Köpfen verankert sei.

Wirtschaftliche Folgen: Ein irreversibler Schock

Die unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen seien katastrophal und irreversibel. Iran blockiere nicht nur Ölexporte vollständig, sondern auch Düngemittel und andere Rohstoffe.

Helium-Produktion sei durch Zerstörung der Anlagen unterbrochen, was bereits zu weltweiten Einschränkungen in der Medizintechnik führe. Obwohl Iran gegen Zahlung von zwei Millionen Dollar pro Schiff wieder begrenzte Ölexporte durch die Straße von Hormus zulasse, bleibe der Export von Düngemitteln gesperrt.

Die Welt stehe kurz vor der Pflanzsaison – ohne Düngemittel drohten massive Ernteausfälle. Die Unterbrechung der Lieferketten für Öl, Gas, Ammoniak, Schwefel und Helium sei nicht rückgängig zu machen.

Reparationen für die Schäden in Iran seien notwendig, doch niemand wisse, wer sie zahlen solle. Das Ergebnis: Die schwerste Depression seit den 1930er Jahren sei unvermeidbar, unabhängig davon, ob ein Waffenstillstand erreicht werde.

Die Börsenrallye in den USA – der Dow Jones stieg kurzzeitig um 1000 Punkte – sei reines Wunschdenken. Die Märkte ignorierten die Realität: Die Handlungen der USA und Israels seien irreversibel.

Das fragile US-Finanzsystem

Hudson erklärt detailliert, warum das US-Finanzsystem besonders verwundbar ist. Seit dem Hypotheken-Crash 2008 habe die Fed mit Nullzins-Politik die Banken gerettet, indem sie Kredite für Immobilien, Aktien und Anleihen vergünstigte.

Dies habe zu einer enormen Asset-Preis-Inflation geführt, während Reallöhne stagnierten und 40 Prozent der Amerikaner keine Ersparnisse besäßen.

Private-Equity-Firmen wie Blackstone hätten zu Billigzinsen Unternehmen aufgekauft, sie „financialisiert“ und ausgeblutet, um Renditen zu maximieren. Das gesamte System sei ein Ponzi-Schema.

Nun stiegen die Zinsen – und das System breche zusammen. Die Kriegsfolgen verschärften dies: Unterbrochene Zahlungsströme führten zu Kreditausfällen. Die Schuldenpyramide kehre sich in eine Schrumpfung – eine klassische Depression.

Geopolitische Verschiebungen

Auch die Auswirkungen auf andere Großmächte seien erheblich. Russland, China und Indien würden getroffen, aber anders als Europa.

Europa habe sich laut Hudson selbst isoliert, etwa durch den Verzicht auf russische Energie. Deutschland sei bereits ein warnendes Beispiel mit sinkendem BIP.

Die NATO und EU könnten unter diesem Druck zerbrechen: Regierungen müssten entweder massive Subventionen zahlen oder den Lebensstandard senken.

China fürchte um seine Energieversorgung, Indien müsse seine Strategie anpassen. Besonders hart treffe es den globalen Süden: Ohne Energie und Düngemittel drohten Hungersnöte, insbesondere in Afrika.

Das Ende der US-Hegemonie

Hudson beschreibt keinen langsamen Niedergang, sondern einen abrupten Bruch. Die USA hätten ihr eigenes Imperium durch aggressive Politik selbst destabilisiert.

Sanktionen, Kriege ohne Mandat und wirtschaftlicher Druck hätten das internationale System untergraben. Die Welt teile sich neu: Asien werde zum Zentrum, während Europa und die USA zurückfallen.

Internationale Institutionen wie IWF, Weltbank und UNO seien überholt. Neue Strukturen – eigene Währungen, Handelsregeln und Sicherheitsarchitekturen – würden notwendig.

Eine neue Weltordnung entsteht

Langfristig müsse die Welt lernen, sich unabhängig vom US-dominierten System zu machen. Selbstversorgung, neue Allianzen und alternative Finanzsysteme würden entscheidend.

Der globale Süden beginne zu erkennen, dass Abhängigkeit von westlichen Märkten gefährlich sei. Gleichzeitig verlagerten Konzerne ihre Aktivitäten, während neue Machtzentren entstehen.

Fazit: Eine Systemkrise ohne Rückkehr

Hudson zeichnet ein düsteres Bild: Der Krieg gegen den Iran habe die globalen Strukturen irreversibel beschädigt. Energiekrise, Finanzinstabilität und geopolitische Umbrüche seien unausweichlich.

Die Welt stehe vor einer grundlegenden Neuordnung.

Ob daraus Stabilität entsteht oder Chaos, hängt davon ab, ob Staaten bereit sind, neue Systeme aufzubauen – statt an einer alten Ordnung festzuhalten, die bereits zerbrochen ist.