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Epsteins 25-Millionen-Deal: Bundesakten legen brisante Rothschild-Verbindung bis in Schweizer Finanzzentren offen

Epsteins 25-Millionen-E-Mail: Neue Dokumente werfen Fragen zu Rothschild-Deal, Kathy Ruemmler und einer DOJ-Strafe auf

Während die öffentliche Debatte sich zuletzt auf persönliche Kontakte und Nachrichten konzentrierte, rücken nun Bundesdokumente einen anderen Aspekt in den Vordergrund: einen millionenschweren Vergleich mit dem US-Justizministerium – und die Rolle von Jeffrey Epstein im Umfeld der Edmond-de-Rothschild-Gruppe.

Die Auswertung mehrerer als „Federal Exhibits“ gekennzeichneter Unterlagen zeigt eine E-Mail vom 10. Dezember 2015. Darin schreibt Epstein an Ariane de Rothschild, Vorsitzende der Edmond de Rothschild Group:

„i think you will find that 45.5 penalty legal ( kathy plus pillsbury around 10. me 25 ) all less than 80 pretty good.“ („Ich denke, Sie werden feststellen, dass 45,5 Strafe legal sind (Kathy plus Pillsbury etwa 10, ich 25), insgesamt weniger als 80, was ziemlich gut ist.“ )

Die Quelle wird in den Dokumenten als EFTA00669908 geführt.

Die Aufschlüsselung laut E-Mail

Nach Epsteins eigener Darstellung ergibt sich folgende Summe:

45,5 Millionen Dollar — DOJ-Strafe (US-Justizministerium)
rund 10 Millionen Dollar — „Kathy“ und Kanzlei Pillsbury Winthrop (Anwaltskosten)
25 Millionen Dollar — Jeffrey Epstein

Gesamtsumme: mehr als 80 Millionen Dollar.

Bemerkenswert ist dabei, dass ein bereits verurteilter Sexualstraftäter in einer E-Mail einen 25-Millionen-Dollar-Betrag für sich selbst im Zusammenhang mit einer DOJ-Einigung erwähnt.

Die Antwort aus Paris

Ariane de Rothschild antwortete laut Dokument um 1:55 Uhr Pariser Zeit:

„Yes, congratulations and a giant thk u !! I m relieved that it s settled and over.“ (Ja, herzlichen Glückwunsch und ein riesiges Dankeschön!! Ich bin erleichtert, dass es geklärt und vorbei ist.)

Und weiter:

„Yes … And deep thks for your amazing help.“ („Ja … Und vielen Dank für Ihre großartige Hilfe“ )

Die Korrespondenz ist ebenfalls unter EFTA00669908 dokumentiert.

Wer ist „Kathy“?

Mit „Kathy“ ist nach den Unterlagen Kathy Ruemmler gemeint, White House Counsel unter Präsident Barack Obama von 2011 bis 2014.

Mehrere E-Mails aus 2014 zeigen:

  • August 2014 — Epstein an Rothschild: „Kathy Ruemmler, vielleicht.“
  • September 2014 — Epstein an beide: „Jetzt habt ihr gegenseitig eure Kontaktdaten.“
  • Oktober 2014 — Epstein an Rothschild: „Kathy wird heute das Amt der Justizministerin (Attorney General) ablehnen. Sie wird in der Lage sein, euren Auftrag fertigzustellen.“

Diese Dokumente tragen die Kennzeichnungen EFTA02588508, EFTA02587869 und EFTA02592865.

Der letzte Satz ist besonders brisant. Laut der E-Mail habe die ehemalige White House Counsel eine Nominierung zur Attorney General abgelehnt, um das Rothschild-Mandat zu beenden. Das Dokument gibt Epsteins Aussage wieder; es belegt jedoch nicht unabhängig die tatsächlichen Gründe einer Nominierungsentscheidung. Die zeitliche Abfolge ist jedoch dokumentiert.

Epsteins Rolle laut Akten

Epstein war weder Anwalt noch registrierter Lobbyist. Die Unterlagen zeigen dennoch, dass er:

– Terminplanungen auf Vorstandsebene koordinierte (EFTA01002935)
– In Dokumentenbearbeitungen und Zahlenabstimmungen eingebunden war, die über Ruemmler liefen (EFTA00708380)
– Informationen über konkurrierende DOJ-Vergleiche anderer Bankfamilien weiterleitete (EFTA00686026)
– Narrative zu führenden Bankfiguren formulierte (EFTA00708380)

In einer E-Mail vom 11. Juni 2015 berichtet Rothschild, ein leitender Bankvertreter („Yves“) sehe aus wie nach einer „intense bar fight“ und müsse „thank god“ nicht zum DOJ erscheinen. Epstein schlägt daraufhin eine Kommunikationslinie vor. Rothschild fragt: „Hat Kathy dir unsere kleinen Änderungen gegeben – insbesondere die Zahlen?“ (EFTA00708380).

Flug nach Genf

Am 2. Juli 2015 sendete Epstein laut Dokument EFTA00644548 eine Passagierliste eines Charterflugs nach Genf, Sitz der Edmond-de-Rothschild-Gruppe:

„Passagierin ich, Ariane Rothschild. Kathy Ruemmler. Prinzessin [redigiert].“

Maschine: Hawker 800XP
Kosten: 11.000 Euro
Zeitpunkt: Fünf Monate vor Abschluss der DOJ-Einigung.

Der 7-Punkte-Plan

Am Morgen nach dem Vergleich versandte Epstein laut EFTA00669908 einen Sieben-Punkte-Plan. Punkt 5 lautet:

„Verwenden wir DOJ und seine harte Sprache, um Benjamin zu entfernen?“

Ariane de Rothschilds Ehemann Benjamin de Rothschild hielt bis zu seinem Tod 2021 die Mehrheitsbeteiligung an der Bank. Ob er der erwähnte „benjamin“ ist, wird im Dokument nicht bestätigt. Sollte es sich um ihn handeln, würde dies bedeuten, dass Epstein vorschlug, eine DOJ-Durchsetzungsmaßnahme strategisch gegen einen kontrollierenden Anteilseigner einzusetzen.

Fortgesetzte Kontakte

Die Beziehung endete nicht mit dem Vergleich:

Juni 2016 — Gruppenessen („Leger kleiden, es regnet stark“) (EFTA02459851)
Oktober 2016 — „Kathy und ich werden nächstes Wochenende in Paris sein“ (EFTA02447153)
Dezember 2016 — Kathy ist am Dienstag in Zürich“ (EFTA02667727)
März 2018 — Ruemmler und Rothschild besuchen Epstein gemeinsam in New York (EFTA02239107)

Kalender März 2018

Epsteins Kalender vom März 2018 (EFTA00285556) listet:

„2:00pm LUNCH w/Kathy Ruemmler, Miro and Steve Bannon“

Damit saßen laut Eintrag die frühere White-House-Beraterin unter Obama und Steve Bannon, Chefstratege unter Donald Trump, am selben Tisch mit Epstein.

In derselben Woche verzeichnet der Kalender weitere prominente Namen wie Leon Black, der laut öffentlicher Berichterstattung Epstein 158 Millionen Dollar zahlte, sowie Woody Allen, Reid Hoffman und Ehud Barak.

Ruemmlers Abgang bei Goldman

Am 13. Februar 2026 bestätigte Goldman Sachs Ruemmlers Ausscheiden als General Counsel. Die mediale Berichterstattung konzentrierte sich vor allem auf persönliche Nachrichten und intime Details.

Weniger Beachtung fanden bislang:

– die 25-Millionen-Dollar-Gebühr laut E-Mail
– die Rolle bei der DOJ-Einigung
– die Behauptung zur Attorney-General-Nominierung
– die dokumentierten Dokumentenabstimmungen
– die Genfer Charterflüge

Offene Fragen

Die Dokumente werfen mehrere Fragen auf:

– Wusste das DOJ von Epsteins koordinierender Rolle?
– Entsprach Ruemmlers Tätigkeit den Post-Government-Ethikregeln?
– Handelte es sich um unzulässige Rechtsberatung durch Epstein?
– Wurde die 25-Millionen-Dollar-Gebühr dem Bankvorstand offengelegt?
– War Goldman Sachs über diese Hintergründe informiert, als Ruemmler 2020 eingestellt wurde?

Alle genannten Punkte beruhen auf Bundesdokumenten oder öffentlich zugänglicher Berichterstattung.