Die Fauci-Akten: Wie Wissenschaft, Geheimdienste und Politik gemeinsam die Laborfrage kontrollierten
Als Tulsi Gabbard an ihrem letzten Tag als Direktorin des Nationalen Geheimdienstes der Vereinigten Staaten vier umfangreiche Dokumentensammlungen veröffentlichte, ging ein Teil der amerikanischen Medien erstaunlich schnell zur Tagesordnung über. Dabei handelt es sich nicht um anonyme Leaks, nicht um Internetgerüchte und nicht um Spekulationen in sozialen Netzwerken. Die Unterlagen stammen aus dem Umfeld der amerikanischen Geheimdienstgemeinschaft selbst.
💥🚨 TULSI GABBARD PACKT AUS – UND DAS VIDEO GEHT WELTWEIT VIRAL
— Don (@Donuncutschweiz) June 19, 2026
Wer ist Tulsi Gabbard?
Die frühere US-Kongressabgeordnete, Ex-Präsidentschaftskandidatin und zuletzt Direktorin der US-Geheimdienste (DNI) veröffentlichte an ihrem letzten Amtstag Dokumente, die nach ihren Worten… pic.twitter.com/RmltmQtVhu
Was die Dokumente zeigen, ist kein einzelner „Smoking Gun“, kein unterschriebenes Geständnis und keine offizielle Erklärung, dass COVID-19 aus einem Labor stammt. Doch zusammengenommen zeichnen sie ein Bild, das für Anthony Fauci, Teile des wissenschaftlichen Establishments und bestimmte Bereiche des amerikanischen Sicherheitsapparates äußerst belastend ist.
Vor allem werfen sie eine Frage auf, die heute kaum noch vermieden werden kann: Wenn es nichts zu verbergen gab, warum mussten dann so viele Informationen zurückgehalten, marginalisiert oder bekämpft werden?
Anthony Fauci hatte als Leiter des National Institute of Allergy and Infectious Diseases jahrelang Forschung finanziert, die über die EcoHealth Alliance am Wuhan Institute of Virology durchgeführt wurde. Dabei ging es um Experimente an Fledermaus-Coronaviren, um Untersuchungen an humanisierten Mäusen und um sogenannte Reverse-Genetik-Verfahren. Die offiziellen Ziele lauteten, zukünftige Pandemien besser verstehen und bekämpfen zu können.
Als die Pandemie ausbrach, veränderte sich jedoch die öffentliche Darstellung.
Plötzlich galt die Laborhypothese als extrem unwahrscheinlich. Wer sie öffentlich diskutierte, wurde als Verschwörungstheoretiker bezeichnet. Beiträge wurden auf sozialen Plattformen eingeschränkt oder gelöscht. Wissenschaftler, die einen Laborursprung für möglich hielten, gerieten unter Druck.
Die jetzt veröffentlichten Dokumente zeigen jedoch, dass dieselbe Hypothese innerhalb der amerikanischen Behörden und Geheimdienste keineswegs als absurd betrachtet wurde. Mehrere Stellen diskutierten sie ernsthaft. Verschiedene Analysten kamen zu unterschiedlichen Einschätzungen. Die Debatte existierte also – allerdings hinter verschlossenen Türen.
Besonders problematisch erscheint die Rolle Faucis.
Er erklärte vor dem Kongress mehrfach, dass die NIH keine Gain-of-Function-Forschung in Wuhan finanziert hätten. Gleichzeitig zeigen die Unterlagen, dass innerhalb der Behörden selbst um die Definition dieser Forschung gerungen wurde. Kritiker argumentieren seit Jahren, dass die Definition bewusst so eng gewählt wurde, dass bestimmte Experimente nicht mehr darunterfielen.
Wenn die Finanzierung tatsächlich eindeutig unproblematisch gewesen wäre, warum bestand dann überhaupt ein derartiger Streit über Definitionen?
Noch belastender erscheinen die Kontakte zwischen Fauci und Teilen der Geheimdienstgemeinschaft. Die Dokumente zeigen, dass der bedeutendste Gesundheitsbeamte der Vereinigten Staaten in Gespräche eingebunden war, die weit über klassische Gesundheitsfragen hinausgingen.
Niemand wird ein Dokument finden, auf dem „Vertuschung“ steht. Doch die Gesamtheit der Indizien wirft Fragen auf.
Warum traf sich Fauci mit Vertretern der Geheimdienste während die Ursprungsfrage untersucht wurde?
Warum wurden Analysten, die einen Laborunfall für möglich hielten, teilweise marginalisiert?
Warum verschwanden Whistleblower-Hinweise in bürokratischen Verfahren?
Warum wurden interne Debatten nicht öffentlich gemacht?
Die Verteidiger Faucis argumentieren, es gebe keinen endgültigen Beweis für eine Verschwörung. Das stimmt.
Aber ebenso wenig gibt es einen endgültigen Beweis dafür, dass sämtliche Kontakte, Abstimmungen und Kommunikationsprozesse vollkommen harmlos waren.
In jedem Gerichtsverfahren werden Indizien bewertet. Auch in der Politik und im Journalismus spielen Indizien eine Rolle. Und die Summe der Indizien zeichnet heute ein anderes Bild als jenes, das der Öffentlichkeit während der Pandemie präsentiert wurde.
Besonders aufschlussreich ist die Rolle der wissenschaftlichen Veröffentlichungen.
Die bekannte Studie „Proximal Origin of SARS-CoV-2“ trug wesentlich dazu bei, die Laborhypothese als unwahrscheinlich erscheinen zu lassen. Gleichzeitig zeigen spätere Untersuchungen, dass an der Entstehung dieser Arbeit Personen beteiligt waren, die selbst eng mit den betreffenden Forschungsprogrammen verbunden waren oder Fördermittel erhielten.
Ähnliches gilt für den berühmten Lancet-Brief, der jede Diskussion über einen nicht natürlichen Ursprung des Virus scharf zurückwies. Organisiert wurde er von Peter Daszak, dessen EcoHealth Alliance wiederum selbst Fördergelder für die Forschung in Wuhan erhielt.
Damit entsteht ein Muster.
Diejenigen, die bestimmte Forschungsprogramme finanzierten oder unterstützten, gehörten gleichzeitig zu den lautesten Stimmen, die alternative Erklärungen ausschlossen.
Noch gravierender ist die Rolle der Geheimdienste.
Die neuen Dokumente deuten darauf hin, dass unterschiedliche Einschätzungen innerhalb der Intelligence Community existierten. Analysten kamen zu verschiedenen Ergebnissen. Einige hielten einen Laborunfall für plausibel. Andere bevorzugten einen natürlichen Ursprung.
Die Öffentlichkeit erhielt davon jedoch nur einen kleinen Ausschnitt.
Das eigentliche Problem besteht deshalb möglicherweise nicht darin, ob COVID-19 aus einem Labor stammt oder nicht.
Das eigentliche Problem ist, dass Wissenschaft, Sicherheitsapparat, Behörden und politische Entscheidungsträger während der Pandemie offenbar wesentlich enger zusammenarbeiteten, als die Öffentlichkeit wusste.
Natürlich beweisen die Dokumente keine geheime Kommandostruktur zwischen Fauci und der CIA.
Aber die Vorstellung, es habe keinerlei Zusammenarbeit, keinen Einfluss und keine Abstimmung gegeben, erscheint angesichts der nun veröffentlichten Unterlagen ebenso schwer aufrechtzuerhalten.
Wenn der wichtigste Gesundheitsbeamte des Landes mit Geheimdienstvertretern spricht, wenn interne Bewertungen nicht öffentlich werden, wenn kritische Analysten übergangen werden und wenn bestimmte wissenschaftliche Narrative politisch geschützt werden, dann entsteht ein Bild institutioneller Selbstverteidigung.
Die vielleicht wichtigste Frage lautet daher nicht mehr:
Kam das Virus aus einem Labor? Sondern:
Wer entschied während der Pandemie, welche Informationen die Öffentlichkeit überhaupt erhalten durfte?
Die Gabbard-Dokumente geben darauf keine vollständige Antwort. Aber sie zeigen, dass die Geschichte der „Pandemie“ wesentlich komplizierter ist, als es Regierungen, Behörden und viele Medien jahrelang dargestellt haben.
Und sie zeigen, dass die Forderung nach Transparenz, die lange als Verschwörungstheorie galt, möglicherweise berechtigter war, als viele bereit waren zuzugeben.
Die Argumentation bleibt kritisch gegenüber Fauci und Teilen des Sicherheitsapparates, formuliert die belastenden Indizien deutlich und trennt sie gleichzeitig von Punkten, die bislang nicht eindeutig bewiesen sind.

