Eine umfassende neue Untersuchung unter Leitung von Dr. Jaehyeong Cho, Dong Keon Yon und Kollegen der Kyung Hee University sowie weiterer führender koreanischer Forschungseinrichtungen, veröffentlicht am 7. August 2025 in Scientific Reports, hat das weltweite Pharmakovigilanz-Profil zweier potenziell lebensbedrohlicher Herzentzündungen — Myokarditis und Perikarditis — über mehr als fünf Jahrzehnte Sicherheitsberichte hinweg kartiert. Die Hypothese: Bestimmte häufig eingesetzte Medikamente, darunter auch Impfstoffe, werden überproportional oft im Zusammenhang mit diesen Erkrankungen gemeldet. Das Ergebnis ist bemerkenswert und beunruhigend zugleich: COVID-19-mRNA-Impfstoffe machten den Großteil der gemeldeten Fälle in beiden Kategorien aus — mit komplexen, teils alarmierenden Fragen für Ärzte, Aufsichtsbehörden und die Öffentlichkeit.
Studiendesign und Methode
Die Forscher nutzten das weltweit größte Archiv für Meldungen unerwünschter Arzneimittelwirkungen — mehr als 35 Millionen Berichte aus über 140 Ländern, erfasst zwischen 1968 und 2024. Um Verzerrungen zu vermeiden, wurden Medikamente, die selbst zur Behandlung von Herzentzündungen eingesetzt werden, ausgeschlossen. Anschließend ermittelten die Wissenschaftler die zehn am häufigsten gemeldeten Arzneimittel pro Erkrankung. Die statistische Signaldetektion erfolgte über Reporting Odds Ratios (ROR) und Bayesian Information Components (IC) — Methoden, die besonders auffällige Häufungen kennzeichnen.
Ergebnisse
Die Zahlen sind frappierend:
- Myokarditis: 35 017 gemeldete Fälle; 76,16 % (26 670) standen im Zusammenhang mit COVID-19-mRNA-Impfstoffen, gefolgt von Clozapin (15,29 %).
- Perikarditis: 24 959 gemeldete Fälle; 88,15 % (22 001) mit COVID-19-mRNA-Impfstoffen, kein anderes Präparat überstieg die 10 %-Marke.
Weitere signifikante Signale betrafen Pocken- und Influenza-Impfstoffe, Clozapin und Mesalazin. Immun-Checkpoint-Inhibitoren (Nivolumab, Pembrolizumab, Ipilimumab) wiesen in Myokarditis-Fällen besonders hohe Sterblichkeitsraten (~20 %) auf. Besonders alarmierend: Die stärksten statistischen Signale traten in der Altersgruppe 0–17 Jahre auf.
Ein deutlicher Anstieg der Fallmeldungen zeigte sich 2021 — parallel zu den weltweiten COVID-19-Massenimpfkampagnen und der akuten Phase der Pandemie. Auch wenn die Studie keine Kausalität beweist, ist der Anteil impfstoffassoziierter Berichte so hoch, dass er eingehend untersucht werden muss.
Prozentuale Verteilung der Berichte über Myokarditis (A) und Perikarditis (B) unerwünschte Ereignisse bei verschiedenen Arzneimitteln.
Perspektive von TrialSite
Besonders beunruhigend ist das sehr hohe Signal für Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen bei 0–17-Jährigen — einer Bevölkerungsgruppe, in der COVID-19 in über 95 % der Fälle mild bis moderat verlief, insbesondere seit der Omikron-Variante. Schwere Komplikationen wie MIS-C waren selten und vor allem während der Delta-Welle zu beobachten. Angesichts des geringen Grundrisikos und der weit verbreiteten Immunität wirft das Auftreten dieser Herzrisiken bei Jugendlichen gravierende Fragen zur Nutzen-Risiko-Abwägung auf.
In diesem Kontext erhält die Entscheidung des US-Gesundheitsministers Robert F. Kennedy Jr., die offizielle Impfempfehlung für kleine Kinder zurückzunehmen, zusätzliche Bedeutung. Die Daten unterstreichen die ethische Notwendigkeit alters- und risikogerechter Gesundheitsstrategien — vor allem, wenn ein medizinischer Eingriff in einer Niedrigrisikogruppe vermehrt Nebenwirkungsmeldungen auslöst.
Einschränkungen
Die Analyse basiert auf spontanen Meldungen, die sowohl Unter- als auch Übererfassungen sowie diagnostische Unsicherheiten beinhalten können. Medienaufmerksamkeit könnte die Sensibilität für diese Diagnosen erhöht haben, und die Massenimpfkampagnen könnten zu mehr Meldungen geführt haben (Stimulated Reporting). Inzidenzraten lassen sich aus den Daten nicht ableiten, ein ursächlicher Zusammenhang nicht bestätigen.
Finanzierung und Interessenkonflikte
Die Studie wurde durch mehrere staatliche Forschungsstipendien in Südkorea finanziert. Die Autoren gaben keine Interessenkonflikte an.
Schlussfolgerung und Bedeutung
Die globale Analyse zeigt die Notwendigkeit gezielter kardiologischer Sicherheitsüberwachung, besonders bei jüngeren Menschen und männlichen Patienten, bei denen das Risiko einer Myokarditis offenbar erhöht ist. Ärzte sollten bei Symptomen wie Brustschmerzen, Atemnot oder Herzstolpern in den Tagen nach bestimmten Impfungen oder Risikomedikationen besonders wachsam sein. Für die Politik bedeutet dies einen Balanceakt: Die Ergebnisse schmälern nicht die grundsätzlichen Vorteile von Impfstoffen, verdeutlichen aber die Pflicht zu Transparenz, Patientenaufklärung und gezielter Risikominderung.
Ein Kardiologe, der die Daten prüfte, fasste es so zusammen:
„Dies ist keine Anti-Impfstoff-Studie — es ist ein Aufruf, genauer hinzusehen, wann, wie und an wen bestimmte Medikamente verabreicht werden.“


