Unabhängige Analysen und Informationen zu Geopolitik, Wirtschaft, Gesundheit, Technologie

Globale Kipppunkte führen die Welt in einen Zustand der Entropie

von Peter Hanseler

Wir erleben nicht nur einen, sondern viele Kipppunkte der Weltgeschichte gleichzeitig. Die Welt befindet sich in einem Zustand der Entropie. Eine Analyse einer Situation, in der es nicht mehr möglich ist, Vorhersagen zu treffen.

Kipppunkte in der Geschichte

Es hat in der Geschichte viele Kipppunkte gegeben; um nur einige Beispiele zu nennen:

  • Den Westfälischen Frieden von 1648
  • Die Französische Revolution von 1789
  • Den Wiener Kongreß von 1815
  • Den Ersten Weltkrieg 1918
  • Den Zweiten Weltkrieg 1945

Viele dieser Wendepunkte führten zu Machtverschiebungen in Europa. Es handelte sich dabei lediglich um Machtübertragungen innerhalb der Welt, die wir heute den „kollektiven“ Westen nennen. Beispiele hierfür sind der Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreichs, der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, des Osmanischen Reichs und des russischen Zarenreichs am Ende des Ersten Weltkriegs.

Diese Machtverschiebungen waren bedeutsam, und dennoch läßt sich das, was jetzt geschieht, nicht mit vergangenen Wendepunkten vergleichen, da sie den gesamten Globus umfassen. Die Zügel der Macht werden nicht innerhalb des Westens weitergereicht; vielmehr wird es eine Machtverschiebung in Richtung Osten und den „Globalen Süden“ geben.

Vom Kipppunkt zur Entropie

Das Ausmaß, die Zahl der beteiligten Nationen, die geographische Reichweite und die Geschwindigkeit, mit der sich die aktuellen geopolitischen Krisen entfalten, sind wahrhaft erstaunlich.

Die Ukraine als Kriegsplattform für die USA, die NATO, die EU und Rußland

Rußland wird militärisch siegen

Ein Blick auf die Militärberichte von der Front macht jedem Beobachter klar, daß Rußland seine militärischen Ziele erreichen wird. Zwar hätte Rußland den Donbas, Cherson und Saporischschja möglicherweise aufgegeben, wenn im Frühjahr 2022 ein Friedensabkommen erfolgreich zustande gekommen wäre — doch ein solches Abkommen ist unter den gegenwärtigen Umständen unrealistisch, da Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson seit September 2022 Teil der Russischen Föderation sind. Wie weit der russische Militärvormarsch gehen wird, ist derzeit unklar. Ich habe dies in meinem Artikel „Der Sommer, in dem der Frieden starb“ kommentiert, auf den ich verweise. Für die Lage an der Front verweise ich erneut auf Military Summary; ich verfolge diesen Kanal seit fast fünf Jahren, und er berichtet objektiv.

Katastrophale Mobilisierungslage in der Ukraine

Es gibt Tausende von Videos, die zeigen, wie junge Männer in der gesamten Ukraine wie Tiere auf den Straßen gejagt werden, um sie zwangsweise zu rekrutieren. In letzter Zeit kursieren jedoch auch Videos, die zeigen, wie einige der Zwangsrekrutierten ohne Uniformen und sogar in Handschellen — wie Kriminelle — an die Front transportiert werden, damit sie nicht fliehen können. Ich überlasse es den Lesern, über die Kampfkraft dieser Männer gegenüber kampferprobten und motivierten russischen Soldaten nachzudenken.

Der jüngste Schritt der ukrainischen Militärführung besteht in der Zwangsrekrutierung von Frauen. Angesichts dieser Situation ist es nicht verwunderlich, daß Scott Ritter erklärt hat, die Ukrainer verlören 30mal mehr Soldaten als Rußland. Im Westen hören wir nichts über diese unmenschliche Behandlung der eigenen Soldaten in der Ukraine.

Ukrainische Freiwillige, die später spurlos verschwanden, sollen Drohnen und künstliche Intelligenz eingesetzt haben, um die Zahl der Soldatengräber in der gesamten Ukraine zu zählen. Sie zählten 2.000.054 Gräber. Hinzu kommen die von ihren Angehörigen in Massengräbern verscharrten Toten und die Verwundeten — die Verluste der Ukrainer erscheinen tatsächlich astronomisch. Dennoch behauptet Selenskyj, daß nur 50.000 ukrainische Soldaten gefallen seien. Vor einigen Wochen nahm ich in Rußland an einer Beerdigung teil. Die Soldatengräber sind leicht an der russischen Fahne und der Fahne der Einheit des Gefallenen zu erkennen. Es gab Soldatengräber, aber kein Fahnenmeer wie in der Ukraine.

Ein militärischer Sieg löst Rußlands geopolitisches Problem nicht

Was militärisch erreicht werden muß, wird Rußland erreichen; das löst jedoch nicht Rußlands geopolitisches Problem an seiner Westgrenze, denn das Ziel sind nicht neue Territorien, sondern Frieden im Westen — ein Ziel, das Rußland buchstäblich seit Jahrhunderten anstrebt und nie erreichen konnte. Immer wieder wurde Rußland vom Westen angegriffen und hat regelmäßig einen hohen Preis in Blut, Geld und industrieller Kapazität bezahlt — Ressourcen, die für Militärausgaben statt für zivile Zwecke aufgewendet wurden. Infolgedessen wurde Rußlands gesellschaftliche Entwicklung wiederholt zurückgeworfen.

Wenn Rußland mit den Großmächten im Bereich der zivilen Wirtschaft nachhaltig Schritt halten will, ist die zuverlässige Sicherung seiner Westgrenze eine absolute Voraussetzung. Obwohl Rußland die einzige Industrienation der Welt ist, die selbstversorgt und damit in der Lage ist, einen Jahrzehnte dauernden Krieg zu führen, würde eine solche Konfrontation das Land massiv daran hindern, seine eigentlichen Entwicklungsziele zu erreichen.

Die mangelnde Glaubwürdigkeit der USA bei Verhandlungen mit Rußland

Die mangelnde Glaubwürdigkeit der USA in den Augen Rußlands ist vielschichtig. Am 15. September sagte Außenminister Lawrow wörtlich:

„Wenn die Amerikaner nicht von den Anchorage-Vereinbarungen abgerückt wären, wenn Europa sie nicht von diesen Vereinbarungen weggezogen hätte, würden wir jetzt seit einem Jahr ohne Krieg leben.“
— Sergej Lawrow, 15. September 2026

Unter diesem Abkommen hätte Rußland erhebliche Zugeständnisse gemacht. Rußland hätte den Donbas behalten, den Konflikt in Saporischschja und Cherson eingefroren und auf weitere Territorien verzichtet. Objektiv betrachtet war dies ein schlechtes Abkommen für Rußland, zeugte aber von der erheblichen Kompromißbereitschaft der Russen. Die Russen gingen davon aus, daß diese mündliche Vereinbarung als Gentlemen’s Agreement bindend sei. Gentlemen’s Agreements sollte man jedoch nur mit Gentlemen schließen. Die Amerikaner haben die Russen eines Besseren belehrt. Die Russen sind über diesen Vorfall bestürzt und mußten eingestehen, daß mit der US-Regierung keine Vereinbarungen möglich sind. Persönlich bin ich überrascht, daß diese Erkenntnis so spät kam. Selbst schriftlichen Vereinbarungen mit der US-Regierung ist nicht zu trauen. Dies zeigte sich beim Bruch des Memorandums of Understanding, das die Amerikaner im Juni mit Iran unterzeichneten. Man muß daher zu dem Schluß kommen, daß dieser Konflikt — oder jeder Konflikt, in den die USA direkt oder indirekt verwickelt sind — bis zum bitteren Ende ausgefochten werden muß. Eine bittere Lektion für jeden Vertragspartner der USA.

Das Eskalationsrisiko ist erheblich

Die Ukraine versucht verzweifelt, die NATO offiziell in diesen militärischen Konflikt hineinzuziehen. Es ist erstaunlich, daß europäische Länder — allen voran Deutschland und das Vereinigte Königreich — nicht nur ihre Bereitschaft dazu signalisieren, sondern tatsächlich alles tun, um ihre Bevölkerungen auf einen Krieg mit Rußland vorzubereiten.

Anstatt viele Namen zu nennen, nehmen wir Sir Jacob Rees-Mogg — ehemaliger Kabinettsminister und Parlamentsabgeordneter für North East Somerset — als Beispiel. In diesem Ausschnitt aus einem Interview vergleicht er die Situation mit Rußland — ohne es zu benennen — mit den Situationen während des Ersten und des Zweiten Weltkriegs.

Junge Menschen werden damit aufgerufen, sich auf einen Krieg gegen Rußland vorzubereiten. In Deutschland sind solche Bemühungen kläglich gescheitert. Von den mehr als 300.000 befragten jungen Deutschen meldeten sich nur 0,17 Prozent freiwillig zur Bundeswehr. Darüber hinaus kam vor einigen Tagen ans Licht, daß die Bundeswehr selbst keine 5.000 Freiwilligen für ein Bataillon in Lettland finden konnte.

Es ist unbegreiflich, was diese europäischen Länder außer Propaganda treiben. Selbst zusammen verfügen die europäischen Länder nicht über Streitkräfte, die ihnen auch nur die geringste Chance gäben, den russischen Streitkräften standzuhalten. Die Russen sind von dieser Farce in Europa keineswegs beeindruckt — sie sind davon angewidert. Ich gehe davon aus, daß diese Kriegspropaganda in Europa lediglich dazu dient, das antirussische Narrativ aufrechtzuerhalten.

Sowohl Präsident Putin als auch Außenminister Lawrow haben wiederholt betont, daß sie kein Interesse daran haben, NATO-Ziele außerhalb der Ukraine anzugreifen. Wenn europäische Länder jedoch töricht genug sind, auch nur kleine europäische Militärkontingente in die Ukraine zu entsenden, könnte sich die Situation abrupt ändern.

Das größte Eskalationsrisiko im Moment besteht darin, daß die Europäer, vermutlich in Zusammenarbeit mit den Amerikanern, einen Anschlag unter falscher Flagge in Europa planen, um irgendwie Artikel 5 der NATO-Charta auszulösen. Dem Geopolitik-Analysten Warren Thornton zufolge laufen die Vorbereitungen für solche Anschläge unter falscher Flagge auf Hochtouren. Er schreibt auf X:

Ob diese Theorie zutrifft, kann ich nicht sagen, aber es ist keineswegs abwegig, daß die Europäer zu einem so ungeheuerlichen Schritt bereit wären.

US-amerikanische Militärkampagnen im Nahen Osten ab 2001

Blickt man auf die vergangenen 25 Jahre zurück, so haben die USA seit 2001 versucht, den Nahen Osten nach der Wolfowitz-Doktrin umzugestalten. Keiner der Kriege, die die USA in diesem Zeitraum begonnen haben (Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien, Jemen, Somalia usw.), war erfolgreich. Tatsächlich war bereits damals erkennbar, daß dem Hegemon die Ressourcen, die Militärstrategie, die Stärke und die Glaubwürdigkeit fehlten, die für erfolgreiches Handeln notwendig gewesen wären. Wenn man jedoch davon ausgeht, daß die eigentliche Absicht Destabilisierung und Chaos waren, waren sie äußerst erfolgreich. Dennoch kehrten sie zum Plan zurück — in Zusammenarbeit mit Israel, offenbar nachdem es Israel gelungen war, die amerikanische Politik vollständig zu untergraben.

Israel: Genozid und Groß-Israel

Das unmittelbare Startsignal für die Projekte „Genozid“ und „Groß-Israel“ wurde am 7. Oktober 2023 gegeben, als eine Militäroperation der Hamas in einen Anschlag unter falscher Flagge umgedeutet wurde, um den Genozid an Frauen, Kindern und anderen Zivilisten in Gaza und später im Westjordanland und im Libanon zu rechtfertigen. Dies wiederum diente als Startsignal für die Fortsetzung des Groß-Israel-Projekts; zunächst wurden Syrien und der Libanon angegriffen. Obwohl die westliche Presse Israels Völkermord und imperialistische Aktionen nicht nur verharmlost, sondern vollständig unterstützt und anfacht — einschließlich der Medien der „neutralen“ Schweiz —, wird Israel in der allgemeinen Öffentlichkeit der westlichen Welt mit zunehmendem Argwohn betrachtet. Laut Pew Research beurteilen 60 Prozent der Amerikaner Israel negativ. Die westlichen Medien vermitteln damit ein Bild, das in der breiten Öffentlichkeit keinen Widerhall findet.

Als der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu am Donnerstag ans Podium trat, um vor der Vollversammlung zu sprechen, verließen die Delegierten der UN-Generalversammlung in Scharen den Saal.

Netanjahu nannte diese Delegationen „moralische Feiglinge“ — mit anderen Worten: Völkermord erfordert Mut. Mir fehlen die Worte.

Ein interessantes Foto zeigt den Plenarsaal während der Reden von Netanjahu und Peseschkian.

Es ist mir wichtig, meine westlichen Leser immer wieder daran zu erinnern, was sich gerade vor unseren Augen in Gaza abspielt — Augen, die viele zu schließen vorziehen.

Massive Eskalation im Nahen Osten — Kontrollverlust

Ab Februar 2026 begannen sich die Ereignisse noch weiter zu beschleunigen. Seitdem ist im Nahen Osten für den Westen und Israel alles schiefgelaufen. Der Globale Süden hat dem Westen die Initiative bereits entrissen. Während Iran sich zunächst darauf beschränkte, auf amerikanisch-israelische Aggression zu reagieren, sind es nun die Iraner und die jemenitische Ansar-Allah-Bewegung, die das Tempo vorgeben.

Ansar Allah gelang es in sehr kurzer Zeit, die gesamte Westküste des Jemen unter seine Kontrolle zu bringen und kontrolliert damit nicht nur die Meerenge Bab el-Mandab, sondern auch die vorgelagerte Insel Perim Mayyun. Nahezu ohne westliche Medienberichterstattung geht der Vormarsch weiter, und es ist durchaus möglich, daß Aden bald eingenommen wird.

Darüber hinaus wurde die Ost-West-Pipeline der Saudis lahmgelegt und Ziele in der Nähe von Riad angegriffen. Bislang waren die Saudis nicht in der Lage, eine ernsthafte militärische Reaktion auf diesen Großangriff zu zeigen, da sie dazu allein offenbar nicht in der Lage sind und wiederholte Hilferufe an Trump und andere vergeblich blieben. Auch die Mekka-Allianz, die Pakistan, Saudi-Arabien und die Türkei in einem Militärbündnis zusammenschließt, scheint der Vergangenheit anzugehören, da selbst diese „Freunde“ die Unterstützung verweigerten.

Präsident Macrons großartige Ankündigung, Truppen nach Saudi-Arabien zu entsenden, wird daran nichts ändern. „Arabien“ heißt Saudi-Arabien, weil dieses Land von einer Familie — einem Stamm — regiert wird: den Sauds. Ein Stamm, der von den Amerikanern beschützt wird. Innerhalb Saudi-Arabiens gibt es jedoch ungefähr 100 weitere Stämme. Es ist durchaus möglich, daß diese sich mit Ansar Allah zusammentun und das Haus Saud stürzen könnten. Das Haus Saud hat keine Einnahmen mehr und scheint nicht mehr in der Lage zu sein, alle zu bestechen, die eine Bedrohung darstellen könnten — wie es bisher der Fall war. Es besteht die Chance, daß das Kartenhaus der Sauds zusammenbricht — und wenn das passiert, würde ich keinen Pfifferling auf die verbleibenden Golfstaaten geben.

Alastair Crooke hat auch mehrfach darauf hingewiesen, daß diese Dynamik auf den Irak übergreifen könnte, eine weitere jahrtausendealte Zivilisation neben Iran. Falls das geschieht, wird wahrscheinlich auch Kuwait fallen. Ein weiterer Konfliktherd ist in Jordanien zu erkennen. Es ist daher durchaus möglich, daß die gesamte Struktur im Nahen Osten, die die Briten vor rund 100 Jahren errichtet haben, innerhalb weniger Monate zusammenbrechen könnte — ohne daß die Amerikaner in der Lage wären, diesen Tsunami aufzuhalten. Arabien den Arabern, Persien den Persern, und die Amerikaner endgültig draußen. Sollte dies eintreten, wird Israel vom Täter zum Ziel; von einem Opfer kann in diesem Zusammenhang gewiß keine Rede sein. Wie die aufstrebenden Großmächte des Nahen Ostens mit den völkermordenden Zionisten umgehen werden, sollte denen überlassen bleiben, die die größten Verluste erlitten haben — denn Palästinenser sind Araber.

Europa

In Europa zeigt das Chaos erneut sein Gesicht. Deutschland ist das erste Land — einst führende Exportnation der Welt und Großmacht in der EU —, das Gefahr läuft, politisch unregierbar zu werden. Die Alternative für Deutschland (AfD), die von den bislang dominierenden Parteien als rechtsextrem und Hitler-gleich abgestempelt und durch eine sogenannte Brandmauer von der Regierungsbeteiligung ausgeschlossen wurde, hat nicht nur erdrutschartige Siege bei zwei Landtagswahlen in Ostdeutschland errungen, sondern führt auch in bundesweiten Umfragen die CDU mit einem deutlichen Vorsprung an (30 zu 20 Prozent). Kanzler Merzens Zustimmungsrate liegt bei 10 Prozent — ein Barometer, das die Unzufriedenheit des Volkes offenbart und jeden wirklich demokratischen Kanzler zum Rücktritt getrieben hätte. Ob die Deutschen in Anbetracht dieser politischen Lage die Fäuste ballen und, wie in der Vergangenheit, nichts tun, bleibt ungewiß. Der Sturz des Kanzlers wäre gut für Deutschland. Die AfD ist die einzige große Partei, die Dialog und Frieden mit Rußland anstrebt — was nicht nur für diese einst florierende Industrienation dringend notwendig ist, sondern auch eine Voraussetzung ist, ohne die sie wirtschaftlich nicht überleben kann. Die Alternative zu einem echten und grundlegenden politischen Wandel in Deutschland ist der von Kanzler Merz und den herrschenden politischen Eliten angestrebte Krieg gegen Rußland. Als Deutschland zuletzt 1941 gegen Rußland in den Krieg zog, schickte Adolf Hitler 3,7 Millionen Soldaten nach Osten — und scheiterte, trotz des Völkermords der Deutschen, der das Leben von rund 17 Millionen Zivilisten kostete. Wie bereits erläutert, ist die Bundesrepublik Deutschland heute nicht in der Lage, eine Brigade von 5.000 Freiwilligensoldaten für die baltischen Staaten aufzustellen. Dies scheint den Kanzler nicht zu beunruhigen — ein deutliches Zeichen für den Wahnsinn, der von ihm Besitz ergriffen hat. Das ist ein klarer Beleg dafür, daß er im Interesse einer Macht außerhalb Deutschlands handelt. Man wäre ein schlimmer Mensch, wenn man glaubte, das habe etwas mit seiner BlackRock-Vergangenheit zu tun. Diejenigen, denen es gelungen ist, ihn als Kanzler zu installieren, können sich auf die Schulter klopfen — sie haben sich eine Marionette zum Schnäppchenpreis von ein paar Millionen gesichert.

Der folgende Clip zeigt, wie die neue Führung in Berlin sich präsentiert — die Linke hat übernommen. Keine Worte nötig:

Die Lage im übrigen Europa ist nicht ermutigender. Die Präsidentschaftswahl in Frankreich findet im April 2027 statt. Macron darf nicht mehr kandidieren, und Marine Le Pen liegt mit einem erheblichen Vorsprung vor den anderen Kandidaten. Die Situation ähnelt damit der in Deutschland: eine Partei, die von den derzeit regierenden Parteien als rechtsextrem angeprangert wird, ist bei der Bevölkerung am beliebtesten. Le Pens Haltung zu Frieden mit Rußland ist unklar — sie scheint mit gespaltener Zunge zu sprechen: einerseits will sie einen ausgehandelten Frieden, unterstützt aber gleichzeitig die Ausbildung ukrainischer Truppen. Eine erfahrene Politikerin, die sich so positioniert, daß sie möglichst viele Stimmen einsammelt. Frankreichs Finanzlage ist düster, ohne Silberstreifen am Horizont. Der Anstieg des Zinssatzes auf zehnjährige französische Staatsanleihen war in den vergangenen zwölf Monaten noch steiler als in jedem anderen europäischen Land.

Trump

Präsident Trumps Politik erscheint nur auf den ersten Blick schwer zu verstehen. Sein ständiges Hin und Her in bezug auf die Ukraine, Iran und Israel ist kontraproduktiv und schadet dem Ansehen der USA auf der Weltbühne. Der Grund für Trumps gegenwärtiges Handeln sind die Zwischenwahlen im November. Trump kämpft mit den hohen Ölpreisen, die er selbst verursacht hat und die er nur durch Manipulation der Futures-Märkte daran hindern kann, außer Kontrolle zu geraten. Die tatsächlichen Marktpreise liegen jedoch 30 bis 50 Prozent über den manipulierten, fiktiven Futures-Preisen. Daß Futures-Preise tatsächlich manipuliert werden, zeigt sich beispielsweise an den Dieselpreisen an den Tankstellen, die sich weltweit nur in eine Richtung bewegen und ein nie dagewesenes Niveau erreicht haben. Diesel ist das Lebenselixier der amerikanischen Wirtschaft, und hohe Preise sind einer der größten Inflationstreiber, da praktisch alle Güter per Lkw transportiert werden, die Landwirtschaft davon abhängt und große Teile der Industrie auf Diesel angewiesen sind. Trumps jüngste Farce: Er gibt Selenskyj die Schuld an den hohen Dieselpreisen, weil die Ukraine russische Raffinerien angreift — und tut dies einzig und allein, um von den größten Preistreibern abzulenken: den Blockaden von Hormus und Bab el-Mandab.

Irgendwie will Trump die Dinge wenden, aber es sieht aus, als würde er die in etwa sechs Wochen anstehenden Zwischenwahlen verlieren. Laut Polymarket, einem amerikanischen Online-Vorhersagemarkt, auf dem Nutzer auf zukünftige Ereignisse wetten — wobei die Marktpreise kollektive Wahrscheinlichkeitsschätzungen widerspiegeln —, liegt die Wahrscheinlichkeit, daß die Republikaner ihre Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat verlieren, bei 66 Prozent. Sollte das eintreten, werden Trump wahrscheinlich Amtsenthebungsverfahren drohen. Er läuft dann Gefahr, von einer lahmen Ente zur toten Ente zu werden und durch seinen Wendehals-Vizepräsidenten Vance ersetzt zu werden — keine vielversprechende Aussicht für die Vereinigten Staaten.

Trumps letzter Auftritt in dieser Woche vor der UN-Generalversammlung war ein Zeugnis seines psychopathischen Wesens: Er kündigte an — nota bene nach der Wahl —, daß er Iran entweder zu einem reichen Land machen oder es vollständig auslöschen werde.

Trump ist genauso schlimm wie Adolf Hitler. In seiner Rede im Berliner Sportpalast am 4. September 1940 sagte Hitler: „Wir werden ihre Städte auslöschen.“ Trump will eine 5.000 Jahre alte Zivilisation auslöschen — selbstverständlich ohne jede Rechtsgrundlage —, und verhält sich dabei wie ein Gott. Damit ruft Trump öffentlich zum Genozid an einer gesamten Zivilisation auf. Man könnte sich fragen, ob er ins Gefängnis oder in die Psychiatrie gehört — aber die Tatsache, daß er solche Aussagen vor einem globalen Publikum ungestraft machen kann, zeigt, in welche Tiefen die westliche Zivilisation gesunken ist. Ich verweise auf eine Rede, die ich am 3. September in der Schweiz gehalten habe.

Die Finanzmärkte

Ich habe zahlreiche Kommentare zur Instabilität der Finanzmärkte abgegeben. Nun scheinen meine düsteren Prognosen Wirklichkeit zu werden. Neben den Überbewertungen an den Aktienmärkten habe ich wiederholt auf die unhaltbare Situation an den Anleihemärkten hingewiesen. Unter den hellsichtigeren Marktteilnehmern beginnt Angst aufzukommen. Herr Bessent hat die Kontrolle über die Zinssätze verloren. Am 28. August 2026 sah ich mir den durchschnittlichen Zinssatz an, den die USA auf ihre Schulden zahlen mußten; damals betrug er 3,35 Prozent (Mai), was zu einer jährlichen Zinslast von 1.340 Milliarden führte. Heute liegt dieser Durchschnittszinssatz bei 3,49 Prozent (August); der Schuldenberg beläuft sich derzeit auf 40.070 Milliarden, ist also bereits um weitere 70 Milliarden gestiegen. Die jährlichen Zinszahlungen sind damit in diesem kurzen Zeitraum um 56 Milliarden auf 1.396 Milliarden pro Jahr gestiegen.

In den vergangenen 28 Tagen ist die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe von 4,722 auf 5,185 Prozent gestiegen — ein Anstieg von 0,46 Prozent. Es sieht nicht danach aus, als würde sich dieser Trend ändern. Setzt sich dieses Tempo fort, wird nicht nur der Staatsanleihemarkt kollabieren, sondern auch die turmhohen Schuldengebirge im KI-Sektor. Dasselbe Bild zeigt sich in Europa und Japan. Die Frage ist nicht ob, sondern wann der Zusammenbruch kommt — und wen die USA zuerst fallenlassen werden: die Japaner oder die Europäer. Das ist meine persönliche Meinung. Was das Timing betrifft, liege ich regelmäßig falsch, was mich gelehrt hat, an diesen Märkten nicht aktiv zu sein. Ich habe das große Privileg, mich regelmäßig mit einem der erfolgreichsten Investoren der Welt zu treffen. Bei unserem letzten Treffen stimmte er mir grundsätzlich zu, bemerkte jedoch, daß ich mir unmöglich vorstellen könne, welche Tricks und Mittel den Amerikanern noch zur Verfügung stünden, um das Unvermeidliche hinauszuzögern.

Das Ausmaß dieser Krise wird alles in den Schatten stellen, was die Menschheit je gesehen hat. Im Vergleich zu heute war die Krise von 2008 ein Spaziergang durch einen sonnigen Park mit einem köstlichen Picknick. Ein solcher Zusammenbruch im Westen wird auch die geopolitische Handlungsfreiheit der betroffenen Länder beeinträchtigen; plötzlich werden alle sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt sein. Ob dies zu einer Eskalation im geopolitischen Bereich führen wird, weiß niemand. Sicher ist jedoch, daß die „Experten“ — die die Märkte noch immer mit jubelnden Rufen vorantreiben — feierlich erklären werden, daß dies einfach nicht vorhersehbar gewesen sei — wie immer.

Entropie

All diese einzelnen tektonischen Verschiebungen führen zu dem, was man als Entropie beschreiben kann — einem Begriff aus der Thermodynamik. Auf die Geopolitik angewandt, beschreibe ich die Situation als einen massiven, unumkehrbaren Zustand der Unordnung und Unsicherheit innerhalb der verschiedenen internationalen Systeme. Bestehende Machtstrukturen, Regeln, Institutionen und Hierarchien verlieren ihre Bindekraft, und eine neue Ordnung, die Stabilität versprechen würde, ist nicht in Sicht.

Der kollektive Westen, der bis vor kurzem fest die Zügel in der Hand hielt, ist nicht bereit, Kompromisse zu machen, um seine Stellung als Hegemon nicht zu gefährden.

Der Globale Süden, vom raschen Tempo der Ereignisse überrascht, hat noch keine kohärente, einheitliche und effektive Politik entwickelt, um dem Westen die Macht zu entreißen.

Es scheint, daß der Globale Süden, unter der militärischen Dominanz Rußlands, Chinas und — neuerdings — Irans als vierter großer Militärmacht dabei ist, sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen und seine Bemühungen zu koordinieren, was letztlich zu seinem Sieg führen wird.

Wie lange das dauern wird und ob der Westen Atomwaffen einsetzen wird, um seine Hegemonie aufrechtzuerhalten, bleibt abzuwarten — wenngleich ich hierzu meine Zweifel anmelden möchte. Bisher glaubte nur Adolf Hitler, daß Deutschland mit ihm untergehen solle. Hoffen wir, daß kühlere Köpfe die Kontrolle über die apokalyptischen Knöpfe haben.

Verlieren wir nicht alle Hoffnung in die Menschheit.