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Israel und Omicron: Verfolgung von potenziellen „Virenträgern“ mittels Geheimdienst und „geboosterte“ in Quarantäne
Archivbild:Ein medizinischer Mitarbeiter entnimmt einem Reisenden am internationalen Flughafen Ben Gurion in Israel eine Abstrichprobe, 13. Oktober 2021. © Reuters / Ronen Zvulun

Israel und Omicron: Verfolgung von potenziellen „Virenträgern“ mittels Geheimdienst und „geboosterte“ in Quarantäne

Israel führt die weltweit strengsten Verbote zur Eindämmung des Omicron-Stammes ein

Israel hat ein Einreiseverbot für alle Ausländer verhängt und die Nachrichtendienste beauftragt, alle Neuankömmlinge aus den Hotspots des neu aufgetretenen Omicron-Coronavirus ausfindig zu machen und zu verfolgen.

Die neuen Vorschriften sollen am Sonntagabend in Kraft treten. Damit ist Israel das erste Land, das nach einer Dringlichkeitssitzung des Kabinetts seine Grenzen für mindestens 14 Tage vollständig gegen Ausländer abriegelt. Nur diejenigen, die von einem sogenannten Ausnahmeausschuss ausdrücklich zugelassen werden, dürfen einreisen.

„Die israelische Regierung arbeitet schnell und energisch dank der Schlussfolgerungen, die im Anschluss an die nationale Übung ‚Omega‘ gezogen wurden, bei der verschiedene Situationen im Hinblick auf das Auftreten neuer Varianten durchgespielt wurden“, erklärte Ministerpräsident Naftali Bennett und bezog sich dabei auf eine nationale Übung, die vor knapp zwei Wochen durchgeführt wurde, um die Bereitschaft Israels für den Ausbruch eines möglichen unbekannten neuen Covid-19-Stammes zu bewerten.

Alle israelischen Bürger, die aus dem Ausland zurückkehren – auch diejenigen, die mit zwei Impfdosen und einer Auffrischungsimpfung vollständig geimpft sind – müssen mindestens drei Tage lang in Quarantäne bleiben, während diejenigen, die aus „roten“ Staaten kommen, in vom Militär betriebenen Hotels untergebracht werden müssen, bis sie zweimal negativ auf das Virus getestet wurden.

Diejenigen, die in der vergangenen Woche einen afrikanischen Staat besucht hatten, wurden aufgefordert, sich einem Test zu unterziehen und sich freiwillig zu isolieren, während die interne Sicherheitsbehörde Shin Bet damit beauftragt wurde, die Einhaltung der Vorschriften mithilfe ihrer Handy-Ortungsmöglichkeiten zu überwachen.

Das umstrittene Programm zur Aufspürung von Kontakten wurde erstmals während des Ausbruchs des ursprünglichen Covid-19-Virus im Jahr 2020 eingesetzt, wurde aber inzwischen vom Obersten Gerichtshof als „nicht mehr vertretbar“ eingestuft.

Die strengen Maßnahmen wurden ergriffen, nachdem Israel einen einzigen bestätigten und sieben Verdachtsfälle der neuen Variante B.1.1.529 festgestellt hatte, die erstmals Anfang des Monats in Botswana registriert wurde. Während einer Dringlichkeitssitzung am Freitag bezeichnete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den neuen Stamm offiziell als „besorgniserregende Variante“ und nannte ihn Omicron.

Die wachsende Furcht vor der Omicron-Variante löste umgehend weltweite Reiseverbote aus, wobei eine wachsende Zahl von Staaten Flüge aus Südafrika und mehreren seiner Nachbarländer untersagte. Obwohl bisher nur wenig über die Variante bekannt ist, haben Experten weltweit bereits Alarm geschlagen wegen der zahlreichen Mutationen und des Infektionspotenzials. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten stufte den Stamm als „hohes bis sehr hohes“ Risiko ein und fügte hinzu, es bestünden „erhebliche Unsicherheiten in Bezug auf die Übertragbarkeit, die Wirksamkeit des Impfstoffs, das Risiko von Reinfektionen und andere Eigenschaften der Omicron-Variante“.