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Johnson sieht einen Kurswechsel der USA gegenüber Russland und warnt vor einer Eskalation im Nahen Osten

Larry Johnson beschreibt den Ton der USA gegenüber Russland bei einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats als auffallend weniger konfrontativ. Gleichzeitig warnt er vor einer möglichen militärischen Eskalation zwischen den USA, Iran und Israel sowie vor Folgen für Saudi-Arabien und die Energiepreise. Viele der im Gespräch genannten Einschätzungen und Prognosen sind nicht unabhängig bestätigt; Johnson und sein Gesprächspartner stellen sie als ihre Beurteilungen oder als Informationen aus Kontakten dar.

Anderer Ton der USA bei der UNO

Die Sondersitzung des Sicherheitsrats sei von Russland einberufen worden und habe zivile Opfer sowie aus russischer Sicht unterschiedliche Massstäbe im Krieg thematisiert, sagt Johnson. Besonders bemerkenswert sei für ihn die Stellungnahme der US-Vertretung gewesen: Anders als zuvor habe sie Russland nicht beschuldigt oder angegriffen, sondern einen moderateren, eher versöhnlichen Ton angeschlagen.

Johnson betont, eine solche Erklärung sei nicht einfach die persönliche Meinung der vortragenden Person. Sie werde innerhalb der US-Regierung geprüft und abgestimmt, unter anderem mit den zuständigen Stellen für Russland und Europa. Deshalb wertet er den Auftritt als Hinweis auf eine Veränderung der US-Politik: Washington bewege sich weg von der Unterstützung der Ukraine, zunächst hin zu einer neutraleren Haltung und möglicherweise sogar ein Stück weit in Richtung Russlands. Der russische Botschafter Wassili Nebensja habe ihm auf Nachfrage bestätigt, dass auch Russland eine Veränderung des Tons wahrnehme.

Anders beurteilt Johnson die Wortmeldungen aus Europa. Die Vertreterin Grossbritanniens habe sich vergleichsweise zurückhaltend geäussert. Die Beiträge aus Dänemark, Lettland, Griechenland und Frankreich seien dagegen scharf und feindselig gegenüber Russland gewesen. Johnson folgert daraus, dass ein Krieg zwischen Russland und Europa drohen könne, und äussert die Prognose, die europäischen Staaten würden einen solchen Konflikt beginnen und ihn später bereuen. Das ist seine Einschätzung, nicht eine bestätigte Entwicklung.

Angriffe im Jemen und Druck auf Saudi-Arabien

Im Gespräch geht es anschliessend um die Offensive von Ansar Allah im Jemen und Angriffe auf Saudi-Arabien. Johnson berichtet von erneuten Attacken in Riad und auf dortige Infrastruktur sowie von Angriffen auf Ölfelder und Anlagen im Jemen. Ausserdem schildert er einen Angriff auf Aden: Ansar Allah habe nach seiner Darstellung einen Ort getroffen, an dem sich Vertreter der saudischen Regierung, Mitglieder des Presidential Leadership Council (PLC) und mit dem Westen verbundene Militärangehörige zu einem Treffen versammelt hätten.

Die Angreifer hätten gewusst, wann und wo das Treffen stattfinden sollte. Johnson bezeichnet die Operation als ausgeklügelt und sagt, es habe Tote und Verletzte gegeben. Er verweist auf Berichte, wonach bis zu 16 Menschen ums Leben gekommen seien. Saudi-Arabien habe auf die Angriffe keine wirksame Antwort gefunden und sei ratlos, meint er. Später im Gespräch sagt der Moderator, Ansar Allah habe erneut Aramco und den King Khalid International Airport getroffen. Der Flughafen sei derzeit nicht in Betrieb; dies sei für Riad ein erheblicher Einschnitt, auch wenn der Herrscherfamilie eigene Flughäfen zur Verfügung stünden.

Johnson erwartet, dass Ansar Allah weitere Geländegewinne erzielen könnte. Er nennt Marib und Taiz als Orte, deren Einnahme oder vollständige Übernahme er für möglich beziehungsweise bald zu erwarten hält. Anschliessend könnte Ansar Allah nach seiner Einschätzung mit einer anderen jemenitischen Regierungsfraktion verhandeln – nicht mit dem PLC, sondern mit einer von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützten Gruppierung. Ziel könne sein, den Konflikt zu beenden und die Lage in Aden zu regeln. Johnson sagt, der Krieg verschlechtere sich täglich für Saudi-Arabien und könne die Stellung von Kronprinz Mohammed bin Salman (MBS) gefährden.

Der Moderator widerspricht der Darstellung, Pakistan werde militärisch gegen Ansar Allah vorgehen. Eine Meldung der «New York Times», wonach pakistanische Jets dafür eingesetzt würden, sei nach seinen Angaben falsch gewesen. Pakistan werde sich auf die Sicherung der Regionen Medina und Mekka beschränken, sagt er. Diese Orte seien die heiligsten Stätten des Islams; Pakistan könne zu ihrem Schutz beitragen, werde aber nicht MBS zu Hilfe kommen. Der Moderator behauptet zudem, MBS habe wiederholt um Unterstützung gebeten und sei unter Druck geraten, keine israelische Hilfe anzunehmen. Ein solches Vorgehen würde ihn nach dessen Einschätzung in den Augen der Bevölkerung und weiterer Akteure noch stärker belasten.

Drohungen, MOAB und mögliche Vergeltung

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Gefahr eines Angriffs auf Iran. Johnson sagt, Iran habe angekündigt, nicht abzuwarten, bis es selbst getroffen werde, sondern könne präventiv handeln, sobald Anzeichen für einen bevorstehenden Angriff erkennbar seien. US-Präsident Donald Trump habe mit dem Einsatz einer MOAB gedroht. Johnson erläutert, die Abkürzung stehe für «Massive Ordnance Air Blast». Die Bombe enthalte rund elf Tonnen Sprengstoff und könne nach seiner Darstellung von einem C-130- oder möglicherweise einem C-17-Transportflugzeug abgeworfen werden, nicht aber von einem B-2-, B-1- oder B-52-Bomber. Ihre Wirkung könne ein Gebiet mit einem Durchmesser von ungefähr einer halben Meile betreffen.

Johnson hält die MOAB nicht für eine Waffe, die eine tief unter einem Berg gelegene Anlage zerstören könne. Trump spreche davon, sie auf den von den Gesprächsteilnehmern «Pickaxe Mountain» genannten Ort abzuwerfen. Da es sich nicht um eine bunkerbrechende Bombe handle, könne der Abwurf vor allem eine grosse Staubwolke erzeugen, meint Johnson. Er schildert zugleich ein Szenario, das der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Scott Ritter vorgeschlagen habe: Die USA könnten den Abwurf mit Iran abstimmen, keinen erheblichen Schaden an der unterirdischen Anlage anrichten, anschliessend die Zerstörung des iranischen Atomprogramms verkünden und den Einsatz als Erfolg beenden. Johnson kann sich vorstellen, dass Iran einem solchen Vorgehen zustimmen könnte, stellt es aber ausdrücklich als Möglichkeit dar.

Falls es keine vorherige Verständigung gebe, werde ein US-Angriff auf Iran nach Johnsons Einschätzung eine umfassende Gegenreaktion auslösen. Betroffen sein könnten Schiffe auf See sowie Luftwaffenstützpunkte in den arabischen Golfstaaten, in Jordanien und in Israel. Er sagt, manche erwarteten militärische Aktionen noch am Wochenende, könne das aber nicht bestätigen. Auch der Moderator berichtet von Kontakten, die Iran als entschlossen und gut informiert beschrieben hätten. Er selbst habe keine Hinweise darauf erhalten, dass Iran einen MOAB-Abwurf einfach hinnehmen würde. Nach seiner Darstellung habe Iran angekündigt, schon beim ersten Anzeichen eines Angriffs zuzuschlagen.

Der Moderator sagt ferner, Pakistan, Iran und China seien enger miteinander verbunden als in den vergangenen 50 Jahren. Er beruft sich dabei auf eine Person aus dem Umfeld der pakistanischen Regierung. Der pakistanische Aussenminister spreche demnach zwei- bis dreimal pro Woche mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang Yi. Pakistan wolle die chinesische Politik unterstützen und Iran, so die Darstellung des Moderators, hinter den Kulissen dabei helfen, seine Ziele zu erreichen. Iran wolle sich als regionale Macht behaupten und sich nicht von den USA oder anderen Staaten einschränken lassen.

MBS unter innen- und aussenpolitischem Druck

Johnson hält die Zukunft von MBS für unsicher. Neben dem Konflikt mit Ansar Allah nennt er Spannungen innerhalb Saudi-Arabiens. Die Beziehungen des Kronprinzen zu wahhabitischen Geistlichen seien schlecht, weil diese seine Öffnung für westliche Unterhaltung und eine Lockerung gesellschaftlicher Normen kritisierten. Sie hielten solche Veränderungen für religiös unzulässig. Auch in der Königsfamilie sei MBS wegen seines Vorgehens gegen Verwandte vor rund neun Jahren unbeliebt. Johnson sagt, einige Verwandte und Scheichs aus Beduinenstämmen seien damals um Milliardenvermögen gebracht worden.

Der Moderator zeichnet ein ähnliches Bild und sagt, MBS könne aus seiner Sicht aus dem Amt gedrängt werden. Sollte die saudische Führung geschwächt werden oder ihre Fähigkeit verlieren, regionale Politik zu bestimmen, könnte sich nach seiner Einschätzung die Machtverteilung in Westasien verändern. Israel wäre über einen Sturz von MBS enttäuscht; Iran könne dagegen weiter an Einfluss gewinnen. Dies sind politische Bewertungen des Moderators.

Als weiteren Faktor nennt Johnson die Anwesenheit israelischer Militärangehöriger in einem Lagezentrum. Pakistanische und türkische Militärvertreter seien darüber laut seinen Angaben ausserordentlich verärgert gewesen und hätten MBS vor die Wahl gestellt: Zusammenarbeit mit Israel oder mit ihnen. Der Moderator sagt, die israelischen Vertreter seien inzwischen abgereist. MBS habe erkannt, dass ihre Anwesenheit den Verlust weiterer Unterstützung auslösen könnte. US-Personal des CENTCOM sei weiterhin vor Ort; Johnson nennt mehr als 100 Personen.

Johnson schränkt jedoch ein, dass die Arbeit von Nachrichtendienstanalysten nur begrenzt helfen könne. Selbst wenn sie den Standort eines Raketenwerfers in Jemen meldeten, dauere die Weitergabe über die Befehlskette und die Entscheidung über einen Angriff. Bis dahin könne ein mobiler Werfer bereits weitergezogen sein. Ohne MQ-9-Reaper-Drohnen über dem tatsächlichen Kampfgebiet sei es schwierig, aktuelle taktische Informationen zu erhalten. Der Moderator hält dem entgegen, Ansar Allah könne weiterhin Ziele angreifen – auch den Flughafen in Riad.

Zweifel an Vermittlung und Verhandlungen

Johnson äussert Zweifel, dass ein Abkommen zustande kommen könne, solange Jared Kushner und Steve Witkoff daran beteiligt seien. Kushner habe Verbindungen zum Golf-Kooperationsrat, führe die private Beteiligungsgesellschaft Affinity Partners und habe einen privaten Staatsfonds eingerichtet, sagt Johnson. Saudi-Arabiens öffentlicher Investitionsfonds (PIF) sei ein wichtiger Geldgeber; weitere Beiträge kämen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar. Daraus leitet Johnson einen Interessenkonflikt ab: Kushner verhandle politisch, während Akteure aus den Golfstaaten zugleich seine Geldgeber seien. Iran erkenne ihn deshalb nicht als vertrauenswürdigen Vermittler an, so Johnson. Zudem gebe es Korruptionsvorwürfe, die Kushner beträfen.

Johnson erwartet, dass bei einem Mehrheitswechsel im US-Senat die Demokraten Kushner und Witkoff stärker unter die Lupe nehmen könnten. Beide würden in Iran und, nach Darstellung des Moderators, auch in Islamabad abgelehnt. Johnson sagt, er könne sich kaum vorstellen, dass mit ihnen ein Abkommen zustande komme. Ein von Trump unterbreitetes Angebot sei zurückgewiesen worden; zum Zeitpunkt des Gesprächs sei unklar gewesen, ob die Ablehnung bereits öffentlich bekannt sei. Vizepräsident J. D. Vance werde möglicherweise weniger stark abgelehnt, doch Johnson sehe derzeit nichts Konkretes auf dem Verhandlungstisch.

Als möglichen Weg aus dem Konflikt mit Ansar Allah nennt Johnson einen Machtwechsel in Saudi-Arabien und anschliessende Gespräche, die China vermitteln könnte. Peking könne im Hintergrund auf einen Wechsel der Führung hinarbeiten und eine Regierung unterstützen, die für Ansar Allah akzeptabel sei und Zugeständnisse für eine Einigung mache. Für den Konflikt zwischen den USA, Iran und Israel erwartet Johnson dagegen entweder das von ihm beschriebene MOAB-Szenario mit einem anschliessenden Rückzug der USA – oder einen längeren Konflikt, der mindestens bis Jahresende dauern könnte. Sollte Trump Iran erneut angreifen, prognostiziert Johnson eine demütigende Niederlage der USA.

Israel sei in dieser Lage ein möglicher Störfaktor, sagt Johnson. Das Land könne Iran angreifen, um eine iranische Reaktion zu provozieren und damit einen Ausnahmezustand auszurufen. Johnson bezweifelt, dass die israelische Führung das Ausmass einer möglichen iranischen Antwort ausreichend berücksichtige. Er verweist auf Angaben, wonach Iran über Hyperschallraketen mit möglicherweise mehrfachen Sprengköpfen verfüge, die Israel innerhalb von Sekunden erreichen könnten. Der Moderator sagt seinerseits, Iran werde sich selbst dann nicht sicher fühlen, wenn Washington eine Verständigung erreiche: Es wolle erst Massnahmen ergreifen, die es als ausreichend zum Schutz vor einem weiteren israelischen Angriff betrachte. Johnson mahnt, zwischen politischer Rhetorik und tatsächlichem Handeln zu unterscheiden. Ein kleiner Zwischenfall könne jedoch jederzeit einen grösseren Konflikt auslösen.

Energiepreise und wirtschaftliche Folgen

Zum Schluss diskutieren die Gesprächspartner die wirtschaftlichen Auswirkungen. Johnson sagt, in den USA stiegen die Kosten für Benzin und Diesel; zugleich habe die US-Notenbank eine weitere Zinserhöhung in Aussicht gestellt. Die USA produzierten nach seinen Angaben täglich mehr als fünf Millionen Barrel Diesel und verbrauchten 3,7 Millionen Barrel. Dennoch könne der Überschuss die Preise nicht senken, weil private Raffinerien Diesel an internationale Käufer verkauften, die höhere Preise zahlten. Deshalb gebe es auch in den USA faktisch einen Dieselengpass.

Trumps Darstellung, Russland werde die USA mit Diesel versorgen, bezeichnet Johnson als unbedeutend: Russland liefere neun Tagesmengen Diesel, verteilt über 183 Tage. Wichtiger sei aus seiner Sicht, dass sich die USA militärisch aus der Konfrontation mit Russland zurückzögen. Als Hinweise nennt er den veränderten Ton bei der UNO und Berichte, wonach Starlink für bestimmte militärische Anwendungen abgeschaltet worden sei.

Johnson kritisiert zudem, dass bei Inflationszahlen Lebensmittel und Treibstoff ausgeklammert würden, obwohl fast alle Haushalte dafür Geld ausgeben müssten. Dadurch entstehe der Eindruck, es gebe kein ernsthaftes Problem, während die Menschen tatsächlich belastet würden. Der Moderator erwähnt die Sorge, ein anhaltender Konflikt könne die Versorgung mit Treibstoff und Lebensmitteln beeinträchtigen. Johnson ergänzt, fehlender Dünger bedeute fehlende Ernten. Selbst wenn die Krise rasch beigelegt werde, könnten ihre wirtschaftlichen Folgen nach seiner Einschätzung mindestens zwei Jahre, möglicherweise länger, anhalten.