Die von Ansarallah geführten jemenitischen Streitkräfte haben ihre Angriffe auf Saudi-Arabien massiv ausgeweitet. Am Donnerstag meldeten sie erneut Raketenangriffe auf den internationalen König-Khalid-Flughafen in Riad. Gleichzeitig warnten sie internationale Fluggesellschaften davor, weiterhin den saudischen Luftraum zu nutzen. Auch Ölanlagen und saudische Truppenstellungen wurden ausdrücklich als mögliche Ziele genannt.
Die Angriffe erfolgen vor dem Hintergrund der erneuten Eskalation des Krieges zwischen Saudi-Arabien und den von Ansarallah kontrollierten Gebieten des Jemen.
Ballistic missiles launched from Yemen struck an international airport in **Riyadh**, the capital of Saudi Arabia. According to several sources, at least one aircraft parked at the airport was reportedly hit in the attack. A strike on a major international airport would mark a serious escalation, putting both aviation and regional security under pressure. For passengers, “delayed flight” suddenly sounds like a very reassuring announcement.
— 𝕊𝕡𝕣𝕚𝕟𝕥𝕖𝕣 𝕻𝕣𝕖𝕤𝕤 (@SprinterPress) October 8, 2026
Riad unter Beschuss – Flughafenbetrieb massiv beeinträchtigt
Nach Angaben des jemenitischen Militärsprechers Yahya Saree wurde der König-Khalid-Flughafen am Donnerstag mehrfach mit ballistischen Raketen angegriffen.
Eine Rakete habe am Nachmittag ihr Ziel getroffen, Schäden verursacht und den Flugverkehr unterbrochen. Bereits am frühen Morgen hatten die Streitkräfte einen weiteren Angriff auf den Flughafen gemeldet.
Saudi-Arabien bestätigte zunächst nicht sämtliche von Ansarallah gemeldeten Treffer. Die saudische Koalition erklärte, mehrere Raketen abgefangen zu haben.
Die Auswirkungen auf den Flugverkehr waren dennoch erheblich: Am Donnerstag wurden zahlreiche Flüge gestrichen, während aus Riad Explosionen und Evakuierungen gemeldet wurden.
„Letzte Warnung“ an alle Fluggesellschaften
In ihrer Erklärung richteten die jemenitischen Streitkräfte eine ausdrückliche Warnung an internationale Fluggesellschaften: „Wir richten zum letzten Mal unseren Appell und unsere Warnung an alle internationalen Fluggesellschaften hinsichtlich der Folgen einer Fortsetzung des Flugbetriebs im saudischen Luftraum.“
Dieser sei inzwischen zu einem Schauplatz jemenitischer Militäroperationen geworden. Ausgenommen seien lediglich die Lufträume über den heiligen Stätten Mekka und Medina. Auch Passagiere, Flughafenpersonal und Beschäftigte saudischer Ölanlagen wurden gewarnt, sich von möglichen Angriffszielen fernzuhalten.
Die Erklärung macht deutlich, dass Ansarallah nicht nur militärische Stellungen, sondern auch die saudische Luftfahrt- und Energieinfrastruktur unter Druck setzen will.
Drei Tote und 36 Verletzte bei Angriffen auf saudische Flughäfen
Die saudische Zivilluftfahrtbehörde bestätigte am Mittwoch, dass bei Angriffen auf die Flughäfen Riad und Abha insgesamt drei Menschen getötet und 36 weitere verletzt wurden.
Am König-Khalid-Flughafen in Riad starb ein Mensch, acht weitere wurden verletzt. Am Flughafen Abha kamen zwei Menschen ums Leben, 28 wurden verletzt.
Bei den Todesopfern handelte es sich nach saudischen Angaben um ausländische Staatsangehörige. Die saudisch geführte Militärkoalition kündigte Vergeltung an und erklärte, die Angriffe würden nicht ungestraft bleiben.
Jemen meldet Abschuss einer türkischen Drohne und Angriffe auf saudische Truppen
Neben den Angriffen auf Riad meldeten die jemenitischen Streitkräfte weitere Militäroperationen.
Nach eigenen Angaben schossen sie eine türkische Bayraktar-Drohne ab und griffen saudische Truppenkonzentrationen im Lager Qawah in der Region Ras al-Arah im Südwesten des Jemen an. Dabei seien zahlreiche Soldaten getötet oder verletzt und mehrere Waffenlager in Brand gesetzt worden.
Weitere ballistische Raketen seien gegen saudische Truppenstellungen südlich der strategisch wichtigen Meerenge Bab al-Mandab sowie in den Gebieten al-Saqiya und Ras al-Arah eingesetzt worden.
Diese Angaben stammen von den jemenitischen Streitkräften und konnten zunächst nicht unabhängig bestätigt werden.
Saudi-Arabien intensiviert seine Luftangriffe
Saudi-Arabien reagierte mit einer Ausweitung seiner Luftoperationen gegen Ansarallah. Die saudisch geführte Koalition erklärte, zahlreiche militärische Ziele in den jemenitischen Provinzen Saada, Hodeida, Al-Jawf und Marib angegriffen zu haben.
Ansarallah wiederum warf Saudi-Arabien vor, innerhalb von 24 Stunden insgesamt 156 Luft- und Raketenangriffe auf Ziele in Sanaa sowie in den Provinzen Taiz, Saada, Al-Jawf, Marib und Amran durchgeführt zu haben.
Die jemenitische Seite bezeichnete diese Angriffe als Angriffe auf zivile Einrichtungen.
Die gegenseitigen Luft- und Raketenangriffe verschärfen einen Konflikt, der seit der erneuten Eskalation im Juli wieder erheblich an Intensität gewonnen hat.
Pakistan dementiert Beteiligung – Türkei unterstützt Saudi-Arabien
Unterdessen geraten auch weitere Regionalmächte zunehmend in den Konflikt.
Pakistan wies einen Bericht der New York Times zurück, wonach pakistanische Kampfflugzeuge im Rahmen des sogenannten Mekka-Verteidigungspakts Angriffe auf Ansarallah-Stellungen im Jemen fliegen würden.
Islamabad bezeichnete diese Darstellung als erfunden.
Berichten zufolge leistet die Türkei Saudi-Arabien technische und defensive Unterstützung. Ankara betonte jedoch, eine diplomatische Lösung anzustreben und eine direkte militärische Beteiligung vermeiden zu wollen.
Der Krieg erreicht das saudische Machtzentrum
Die jüngsten Angriffe markieren eine weitere Eskalationsstufe.
Während sich die Kämpfe bislang vor allem auf jemenitisches Territorium und die Grenzregionen konzentrierten, geraten nun erneut zentrale Einrichtungen der saudischen Hauptstadt ins Visier.
Mit den Angriffen auf den König-Khalid-Flughafen und den Warnungen an Fluggesellschaften und Ölanlagen erhöht Ansarallah den wirtschaftlichen und militärischen Druck auf Riad.
Gleichzeitig verschärfen die Kämpfe um die Küstenregionen und die Meerenge Bab al-Mandab die Bedrohung wichtiger internationaler Handels- und Energierouten.
Aus dem erneut eskalierten Krieg im Jemen ist damit eine direkte Bedrohung für die saudische Luftfahrt, Energieversorgung und internationale Schifffahrt geworden.


