Larry Johnson hält einen baldigen Angriff der USA auf Iran für möglich. Im Gespräch verweist der Militäranalyst auf mehrere Entwicklungen, die seiner Einschätzung nach auf eine bevorstehende Eskalation hindeuten. Zugleich warnt er vor schweren Folgen für die Golfregion und die Weltwirtschaft. Die Aussagen im Gespräch beruhen teilweise auf nicht näher überprüfbaren Berichten und Einschätzungen der Beteiligten.
Hinweise auf eine mögliche Eskalation
Johnson nennt zunächst eine Anordnung des US-Aussenministeriums, wonach nicht notwendiges Regierungspersonal und dessen Familien sowie Familien von Botschaftsangehörigen den Golfraum und Jordanien verlassen sollten. In seiner Erfahrung werde eine solche Anordnung nur erlassen, wenn die Behörden einen Konflikt für unmittelbar bevorstehend hielten und um die Sicherheit der Betroffenen fürchteten. Die zunächst angeführte Erklärung, die Massnahme reagiere auf Angriffe der Ansar Allah auf Saudi-Arabien, greife seiner Ansicht nach zu kurz: Die Anordnung habe auch Kuwait, Bahrain, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate betroffen.
Als weiteres Indiz nennt Johnson die Verlegung von KC-135-Tankflugzeugen, die zuvor auf der Luftwaffenbasis Al Udeid in Katar stationiert worden seien. Dazu kämen Berichte, wonach wohlhabende Personen Saudi-Arabien rasch verliessen, private Flüge deutlich teurer geworden seien und Mitglieder der Königsfamilie das Land verlassen hätten. Diese Angaben schildert Johnson als Berichte, nicht als von ihm bestätigte Tatsachen.
Auch Russland spiele in den ihm vorliegenden Meldungen eine Rolle. Russische Flugzeuge seien Berichten zufolge nach Iran geflogen und hätten möglicherweise militärische Ausrüstung abgeladen. Was genau geliefert worden sei, könne er nicht sicher sagen; als Möglichkeiten nennt er Raketen, Hyperschallwaffen oder Luftabwehrsysteme. Besonders bedeutsam sei für ihn die ebenfalls berichtete Abreise russischer Diplomaten und Militärberater. Das deute seiner Interpretation nach darauf hin, dass Moskau mit einem baldigen Angriff der USA und Israels auf Iran rechne.
Johnson zufolge habe Iran zudem eine sogenannte Mosaikverteidigung angeordnet. Im Fall eines Enthauptungsschlags gegen die Regierung in Teheran seien demnach 31 regionale Kommandeure der Revolutionsgarden ermächtigt, eigenständig Angriffe auf zuvor festgelegte Ziele auszulösen. Johnson beschreibt dies als eine Art «Totmannschalter» und als Hinweis darauf, dass auch Iran mit einem Angriff rechne.
Zeitpunkt und politische Motive
Johnson verweist ausserdem auf ein Treffen von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth in Israel. Berichten zufolge habe Hegseth nach seiner Rückkehr Präsident Donald Trump zu sofortigen Angriffen auf Iran geraten. Der Moderator bringt dies mit der politischen Lage von Benjamin Netanjahu in Verbindung: Eine frühere Unterstützung Trumps habe Netanjahus Zustimmungswerte offenbar nicht verbessert. Der Moderator vermutet, Netanjahu könne durch eine Krise mit Iran eine Wahl absagen lassen wollen. Johnson bewertet diese Deutung nicht ausdrücklich als bestätigt.
Trump habe zuvor angekündigt, mit einem Angriff bis nach den Zwischenwahlen zu warten. Seine jüngsten Äusserungen liessen Johnson jedoch daran zweifeln, dass es dabei bleibe. Er hält einen Angriff noch in derselben Nacht oder am folgenden Tag für möglich. Als Überlegung zum Zeitpunkt nennt er, dass die US-Märkte bereits geschlossen seien und ein Angriff womöglich früh genug erfolgen könnte, um die Märkte am Montag weniger stark zu treffen. Zugleich sei der Ölpreis für Brent von 110 auf 117 gestiegen, wie Johnson nach eigener Aussage zuletzt gesehen habe. Er deutet dies als Hinweis darauf, dass die Ölmärkte mit einer Verschärfung des Kriegs rechneten.
Johnson sagt, falls bis Sonntag kein Angriff erfolge, halte er einen Einsatz in der folgenden Woche – eine Woche vor den Zwischenwahlen – für wenig wahrscheinlich. Ein Angriff könnte Trump nach seiner Einschätzung unter ehemaligen Trump-Wählern weiter schaden, die sich von ihm verraten fühlten. Der Moderator meint dagegen, Trump und sein Umfeld nähmen nicht ernst genug, dass Iran nicht kapitulieren werde. Johnson stimmt zu und sagt, die Verantwortlichen weigerten sich, diese Möglichkeit anzuerkennen.
Larry Johnson und der Moderator stellen die Annahme infrage, ein Angriff könne einen politischen Erfolg bringen. Der Moderator hält einen Angriff für eine schlechte Idee und verweist auf die regionale Machtstellung Pakistans. Er berichtet, Pakistan stehe fest auf der Seite Irans; Katar habe sich demnach entschieden, Pakistan statt Saudi-Arabien zu unterstützen. Zudem solle der pakistanische Feldmarschall Asim Munir nach Riad reisen und eine Botschaft der iranischen Führung an den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman überbringen: Ein militärischer Sieg sei nicht möglich, Saudi-Arabien solle direkt mit Ansar Allah verhandeln. Pakistan wolle sich nicht in fremde Kriege hineinziehen lassen; auch die Türkei habe dies erklärt. Das kurz zuvor geschlossene Abkommen von Pakistan, der Türkei, Indonesien und Katar stärke Pakistan laut Moderator zusätzlich.
Iran werde nachgeben – oder nicht?
Der Moderator sagt, Iran werde nicht kapitulieren, und fragt, ob Personen in Trumps Umfeld dies verstünden. Johnson antwortet, sie täten es nicht und hörten nicht auf Iran. Russland und China stünden nach seiner Darstellung fest hinter Teheran; zudem habe sich Pakistan auf Irans Seite gestellt. Die Beteiligten präsentieren diese Einschätzungen als ihre Analyse der politischen Lage.
Der Moderator führt Berichte über russische Lieferungen weiter aus. Nach dem Abzug des russischen Aussenministers Sergej Lawrow seien 14 voll beladene Tanker in Iran angekommen, sagt er. Die Ladung bestehe demnach aus Waffen, die bisher nicht erneut eingesetzt worden seien und fortschrittlicher sowie zerstörerischer als frühere Ausrüstung seien. Johnson bestätigt diese konkrete Darstellung nicht unabhängig. Der Moderator beschreibt die iranische Führung als entschlossen und möglicherweise eher bereit zu sterben als zu kapitulieren. Trump wolle eine Kapitulation, werde sie aber nicht erreichen, meint er.
Auch über mögliche Vermittlungsangebote berichtet der Moderator. In den vergangenen 48 Stunden seien drei Flüge aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Iran gegangen. An Bord seien ein Sondergesandter des Präsidenten der Emirate, ein Mitglied der Herrscherfamilie, ein Prinz, ein Berater sowie der Aussenminister gewesen. Die Delegation habe Geld und weitere Angebote unterbreitet, aber Iran habe sie abgelehnt. Der Moderator deutet die Zurückweisung als Zeichen dafür, dass Teheran an seiner Position festhalte.
Johnson verweist seinerseits darauf, dass Iran in früheren Auseinandersetzungen zwar Schäden in Israel verursacht, aber weder Ölraffinerien noch Häfen zerstört habe. Er lässt offen, ob Iran dazu nicht in der Lage gewesen sei oder bewusst zurückgehalten habe. Bisher habe Iran seine Drohungen teilweise nicht vollständig umgesetzt, sagt er. Angesichts der Informationen, die er nun erhalten habe, könne er sich jedoch kaum vorstellen, dass es im Falle eines neuen Angriffs bei einer begrenzten Reaktion bleibe. Der Moderator spricht von einer möglichen Vergeltung im Verhältnis zehn zu eins; Johnson sagt, er höre diese Behauptung, wolle aber erst sehen, was tatsächlich geschehe.
Netanjahus Äusserung, Trump habe seinen Wunsch gebilligt, die iranische Führung zu beseitigen, beurteilt Johnson vorsichtig. Netanjahu glaube vermutlich selbst an dieses Ziel, sagt er; ob Trump es tatsächlich vollständig unterstütze, bezweifle er. Trump habe der Aussage allerdings auch nicht ausdrücklich widersprochen. Der Moderator folgert, Netanjahu gehe nicht mehr vorrangig darum, Iran am Erwerb einer Atomwaffe zu hindern, sondern darum, die iranische Regierung zu stürzen und eine aus israelischer Sicht kontrollierbare Regierung einzusetzen. Johnson stimmt der Präzisierung zu, dass der Moderator «Israel kontrollieren» meine. Der Moderator hält ein solches Ergebnis angesichts der bisherigen Interventionen für unwahrscheinlich.
Folgen für Golfregion und Weltwirtschaft
Johnson erwartet, dass Trump seine Drohungen wahr machen könnte. Ein Angriff werde die Weltwirtschaft weiter belasten und könne nach seiner Einschätzung nicht nur eine Rezession, sondern eine Depression auslösen. Zudem prognostiziert er ein Ende der Herrschaft des Hauses Saud und eine Auflösung der bisherigen US-Kontrolle im Persischen Golf. Israel werde möglicherweise nicht überleben, sagt Johnson zur langfristigen Perspektive des Landes.
Der Moderator geht bei der Frage nach einem US-Angriff weniger weit: Er sei nicht sicher, ob Trump tatsächlich angreifen werde. Für den Fall eines Angriffs hält er die iranische Antwort aber für verheerend. Die Golfregion werde danach nicht mehr dieselbe sein. Johnson verweist auf Schäden in Saudi-Arabien: Der Chef von Aramco habe für deren Reparatur mindestens zwei Jahre veranschlagt; ein Analyst namens Carl Miller schätze den Zeitraum auf sieben bis zehn Jahre. Johnson warnt, weitere militärische Aktionen der USA und Israels könnten zusätzliche Schäden an der Energieinfrastruktur der Golfstaaten verursachen und Teile der Region für Jahre in eine Geisterstadt verwandeln.
Der Moderator weitet die Warnung auf die gesamte Region aus. Ein solcher Konflikt könne den Transport von Öl, Dünger, Flüssigerdgas und Helium unterbrechen; betroffen wären nach seiner Darstellung die Meerengen Bab al-Mandab und Hormus. Johnson stimmt zu, dass die Lage sehr ernst werden könnte. Beide fragen, was durch Tod und Zerstörung erreicht werden solle. Johnson antwortet, die Verantwortlichen glaubten fälschlicherweise, einen Regimewechsel in Iran herbeiführen zu können.
Zum Ende des Gesprächs bekräftigt der Moderator, die vorgetragenen Einschätzungen stützten sich auch auf Informationen von Personen aus Machtzentren in zwei Hauptstädten. Johnson hält an seiner Prognose fest, ein Angriff könne die Weltwirtschaft und die regionale Ordnung schwer treffen. Das Gespräch endet mit einem Aufruf des Moderators, den Kanal zu abonnieren und dessen Arbeit über Substack zu unterstützen.


