Wir befinden uns nicht mehr nur in einer schweren Krise, sondern bewegen uns in Politik, Gesellschaft und Kultur bereits in der steilen Abwärtsbewegung der Dekadenz. Damit befasst sich der Hamburger Philosoph und Geisteswissenschaftler Lars Grünewald im folgenden Artikel. Er untersucht, welche Rolle die Herrschenden, die Beherrschten und die Parteien dabei spielen, benennt die Ziele der „Führungseliten“, die in diese Entwicklung führen, und versucht in seinen Prognosen, Licht am Horizont auszumachen. (hl)
Von Gastautor Lars Grünewald
Dass sich die Weltlage dramatisch verschlechtert und wir in politischen und gesellschaftlichen Krisenzeiten leben, wird heute wohl kaum ein Mensch bestreiten. Es ist jedoch viel dramatischer: Wir leben in einer Zeit der Dekadenz. Krise und Dekadenz sind zwei durchaus unterschiedliche, einander in gewisser Weise entgegengesetzte Begriffe: Eine Krise ist eine Entscheidungssituation, in der die bisherigen Verhaltensweisen nicht mehr ausreichen, eine gegebene Situation zu bewältigen. Die Frage ist dann: Gelingt es, neue Verhaltensformen zu entwickelt, die eine konstruktive Weiterentwicklung ermöglichen, oder führt ein Festhalten an alten Mustern bzw. eine Reaktion mit ungeeigneten Mitteln zu Stagnation und weiterer


