Ich halte die für das Jahr 2026 geplante öffentliche Liveübertragung einer Hinrichtung für einen erschreckenden Rückschritt in der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung. Dabei geht es um weit mehr als die Todesstrafe selbst.
Das Pentagon hat bestätigt, dass die für den 3. Dezember geplante Erschießung von Nidal Hasan, der 2009 auf dem Militärstützpunkt Fort Hood 13 Menschen tötete, live übertragen werden soll. Verteidigungsminister Pete Hegseth begründet dies damit, dass die Öffentlichkeit die Konsequenzen solcher Verbrechen sehen müsse. Allerdings ist die Übertragung noch nicht endgültig gesichert. Selbst US-Vizepräsident JD Vance äußerte inzwischen Zweifel daran.
Was mich daran besonders beunruhigt, ist die bewusste Verwandlung staatlicher Gewalt in ein öffentliches Spektakel. Über Jahrhunderte waren öffentliche Hinrichtungen auch Machtdemonstrationen. Der Staat zeigte nicht nur, dass er bestrafen konnte, sondern führte seine Macht über Leben und Tod vor Publikum vor. Gerade deshalb verschwanden solche Veranstaltungen aus vielen Gesellschaften.
Nun soll diese Praxis mit den technischen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts zurückkehren. Nicht mehr auf einem öffentlichen Platz, sondern weltweit abrufbar auf Bildschirmen.
Das wirft eine grundlegende Frage auf: Was soll die Bevölkerung dabei lernen? Dass der Rechtsstaat funktioniert – oder dass der Staat Menschen vor laufender Kamera töten kann?
Besonders bemerkenswert ist der internationale Vergleich. Die USA kritisieren seit Jahrzehnten öffentliche Hinrichtungen in Ländern wie dem Iran und Afghanistan. Nun erwägt Washington selbst eine solche Inszenierung. Auch republikanische Politiker haben diesen Widerspruch ausdrücklich angesprochen.
Dabei muss man Hasans Verbrechen keineswegs relativieren. Dreizehn Menschen wurden ermordet, zahlreiche weitere verletzt. Die Schwere eines Verbrechens beantwortet jedoch nicht die Frage, ob dessen Bestrafung zum öffentlichen Schauspiel werden sollte.
Mein zentraler Einwand: Ein Staat, der die Tötung eines Gefangenen live überträgt, überschreitet eine Grenze zwischen Strafvollzug und öffentlicher Inszenierung von Gewalt. Das Risiko besteht darin, dass sich die Gesellschaft an Bilder staatlich organisierter Tötungen gewöhnt.
Und genau darin liegt für mich die eigentliche Tragweite dieser Nachricht: Im Jahr 2026 diskutieren wir nicht mehr darüber, wie öffentliche Hinrichtungen endgültig der Vergangenheit angehören könnten – sondern darüber, wie man sie per Livestream zum Spektakel für ein Millionenpublikum macht.


