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Nach dem Niedergang der USA entsteht „Pax Judaica“ – Professor sieht Israel als neues Machtzentrum mit KI-Staat

Professor Jiang Xueqin beschreibt in dem Interview ein äußerst düsteres geopolitisches Szenario. Seine Analyse beginnt mit einem historischen Vergleich: Nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg entstand die von Großbritannien und später den Vereinigten Staaten dominierte Weltordnung – oft als „Pax Britannica“ beziehungsweise „Pax Americana“ beschrieben. Kapital, Macht und Sicherheit konzentrierten sich zunächst im britischen Empire und wanderten anschließend weiter in die Vereinigten Staaten, die im 20. Jahrhundert zum Zentrum der globalen Finanz- und Machtstruktur wurden.

Doch Jiang stellt die provokante Frage, was geschieht, wenn dieses Zentrum selbst instabil wird. Wenn die Vereinigten Staaten in politische und wirtschaftliche Krisen geraten, müsse das globale Kapital einen neuen sicheren Ort suchen. In seiner Darstellung lautet die Antwort: Israel. Jiang argumentiert, Israel verfüge über zwei entscheidende Voraussetzungen für eine solche Rolle. Erstens besitze das Land nukleare Abschreckung und damit eine militärische Sicherheitsgarantie. Zweitens sei die geopolitische Umgebung systematisch geschwächt worden.

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Er verweist auf die zerstörerischen Kriege und Interventionen der letzten Jahrzehnte im Nahen Osten. Staaten wie Irak, Libyen und Syrien seien in ihren staatlichen Strukturen weitgehend zerschlagen worden. In diesem Kontext bezeichnet Jiang den Iran als den letzten verbliebenen großen regionalen Gegner. Sollte auch der Iran militärisch oder politisch zerstört werden, so seine These, gäbe es im gesamten Nahen Osten keinen ernsthaften Rivalen mehr für Israel.

In einem solchen Szenario würde Israel nach Jiang zur dominierenden Macht der Region aufsteigen. Erst dann könne der Nahen Osten nach einem völlig neuen Modell wiederaufgebaut werden. Dieses Modell beschreibt er als eine radikal technologische Ordnung, geprägt von künstlicher Intelligenz, digitaler Währung und digitalen Identitätssystemen.

Jiang argumentiert, dass solche Technologien in den Vereinigten Staaten auf erheblichen Widerstand stoßen würden, weil viele Amerikaner ihre individuellen Freiheitsrechte verteidigten. In einer durch Krieg zerstörten Region dagegen ließen sich solche Strukturen leichter etablieren, da politische und gesellschaftliche Gegenkräfte geschwächt seien.

In seiner Darstellung geht das Szenario noch weiter. Nach massiven Konflikten und Umbrüchen könnten demografische Veränderungen stattfinden. Jiang spricht davon, dass Arbeitskräfte aus anderen Teilen der Welt – etwa aus Asien – in großer Zahl in die Region einwandern könnten, während neue technologische Kontrollsysteme eingeführt würden. Dazu zählt er auch implantierbare Technologien, die eine vollständige digitale Überwachung ermöglichen könnten.

Besonders drastisch ist seine Beschreibung eines zukünftigen Überwachungsstaates. In dieser Vision würden nicht nur Bewegungen, Transaktionen und Kommunikationsdaten überwacht, sondern auch psychologische Zustände und Emotionen kontinuierlich analysiert und reguliert. Technologie würde damit nicht nur Verhalten erfassen, sondern potenziell auch die emotionale Verfassung der Menschen beeinflussen.

Jiang bezeichnet dieses mögliche System als eine Form moderner technokratischer Kontrolle – eine Gesellschaft, die vollständig durch digitale Infrastruktur gesteuert wird. In diesem Kontext führt er auch den Begriff des Transhumanismus ein. Er beschreibt eine Zukunft, in der technologische und medizinische Innovationen – etwa fortgeschrittene Organtransplantationen oder lebensverlängernde Technologien – den wohlhabenden Eliten der Welt zugänglich sein könnten.

Nach seiner Darstellung könnte Jerusalem in diesem Szenario zu einem Zentrum solcher Technologien werden, zu einem Ort, an dem globale Eliten Zugang zu radikalen biotechnologischen Fortschritten erhalten. Jiang verbindet diese Vorstellung mit dem Konzept einer neuen geopolitischen Ordnung, die er provokativ als „Pax Judaica“ bezeichnet – eine Welt, in der Kapital, Technologie und Macht in einer neuen Struktur zusammenlaufen.

Seine Analyse ist bewusst zugespitzt und spekulativ, aber sie berührt zentrale Fragen der gegenwärtigen geopolitischen Debatten: den Zerfall alter Machtordnungen, den Wettlauf um technologische Kontrolle und die mögliche Entstehung neuer Zentren globaler Macht in einer zunehmend fragmentierten Welt.