Ein neu aufgetauchtes Dokument aus den vom US-Justizministerium veröffentlichten Epstein-Akten sorgt für neue Brisanz im Umfeld des Microsoft-Mitgründers Bill Gates. Nur einen Tag nachdem der US-Kongress Gates zu einer Aussage über seine Kontakte zu Jeffrey Epstein vorgeladen hat, tauchte eine E-Mail aus dem Jahr 2013 auf, in der Epstein selbst eine gemeinsame Finanzierung von Projekten am Massachusetts Institute of Technology (MIT) mit Gates erwähnt – und diese als „Täuschung“ beschreibt.
Das Dokument trägt die Kennung EEFTA01957950 und stammt aus der offiziellen Veröffentlichung der Epstein-Akten durch das US-Justizministerium. In der E-Mail vom 15. September 2013 schreibt Epstein an den Wissenschaftler Barnaby Marsh: „I will do some funding at MIT with gates. Deception signals. want to join.“ Die Passage stammt direkt aus Epsteins eigener Korrespondenz und wurde im Rahmen der bundesstaatlichen Dokumentenproduktion veröffentlicht.
1/🚨BREAKING: The day after Congress summoned Bill Gates to testify about Epstein, a newly surfaced DOJ document shows Epstein describing joint MIT funding with Gates — and calling it "Deception."
— Sayer Ji (@sayerjigmi) March 4, 2026
This is the thread Congress needs to see. 🧵👇 pic.twitter.com/pOXgfGYSPo
Die Veröffentlichung erhält zusätzliche politische Brisanz, weil der Vorsitzende des House Oversight Committee, James Comer, am 3. März 2026 offiziell bekannt gab, dass Bill Gates zu einem transkribierten Interview vor dem Ausschuss erscheinen soll. Die Anhörung ist für den 19. Mai angesetzt. Der Ausschuss untersucht unter anderem, wie Epstein über Jahre hinweg Einflussnetzwerke aufbaute, um seine illegalen Aktivitäten zu schützen.
3/ THE CONGRESSIONAL CONNECTION
— Sayer Ji (@sayerjigmi) March 4, 2026
🏛️ On March 3, 2026 — yesterday — House Oversight Chairman James Comer summoned Gates to a transcribed interview on May 19, 2026.
The Committee's mandate includes investigating how Epstein "curried favor and exercised influence to protect his… pic.twitter.com/vRk0aw1l6Z
In diesem Kontext gewinnt das Dokument besondere Bedeutung. Die Untersuchung des Kongresses umfasst auch die Frage, ob Epstein systematisch Beziehungen zu einflussreichen Persönlichkeiten und Institutionen nutzte, um politische und institutionelle Schutzmechanismen aufzubauen.
Ein weiterer Grund für die Aufmerksamkeit liegt im Hintergrund des MIT-Spenden-Skandals. Im Jahr 2019 enthüllte der Journalist Ronan Farrow im Magazin The New Yorker, dass das MIT nach Epsteins Verurteilung im Jahr 2008 weiterhin Spenden von ihm annahm – diese jedoch bewusst als „anonym“ deklarierte. Eine interne Untersuchung des MIT bestätigte später, dass diese Praxis tatsächlich stattgefunden hatte. In diesem Zusammenhang wirkt Epsteins Verwendung des Begriffs „Täuschung“ in der E-Mail besonders brisant.
Empfänger der E-Mail war Barnaby Marsh, ein in Oxford ausgebildeter Evolutionsbiologe, der über Jahre hinweg mit Epstein in wissenschaftlichen Projekten verbunden war. In seinem Forschungsgebiet existiert tatsächlich ein Konzept namens „Deception Signals“, das aus der Signaling-Theorie stammt und sich mit Täuschungsmechanismen in biologischen Kommunikationssystemen beschäftigt. Allerdings deutet der Kontext der E-Mail darauf hin, dass Epstein den Begriff hier nicht im rein akademischen Sinn verwendete, sondern im Zusammenhang mit einem konkreten Finanzierungsprojekt.
Die neue Enthüllung wirft auch Fragen zu Gates’ bisherigen Darstellungen seiner Kontakte zu Epstein auf. Gates hatte in der Vergangenheit mehrfach erklärt, seine Treffen mit Epstein seien begrenzte, rückblickend bedauerliche Begegnungen gewesen, die sich hauptsächlich auf philanthropische Projekte bezogen hätten. Medienberichte hatten jedoch bereits 2019 dokumentiert, dass Gates Epstein auch nach dessen Verurteilung mehrfach traf und sogar über die Einrichtung eines Fonds von rund zwei Milliarden Dollar gesprochen wurde.
Die jetzt veröffentlichte E-Mail aus dem Jahr 2013 fügt der Debatte eine weitere Dimension hinzu. Sie deutet darauf hin, dass Epstein selbst eine gemeinsame Finanzierung wissenschaftlicher Projekte mit Gates plante oder zumindest darstellte.
Für die Kongressuntersuchung könnten solche Dokumente zentral werden. Der Ausschuss untersucht unter anderem, ob staatliche Ermittlungen gegen Epstein unzureichend geführt wurden und ob Hinweise auf seine Einflussnetzwerke übersehen oder ignoriert wurden.
Dass das betreffende Dokument bereits seit Jahren Teil der offiziellen Aktenbestände des Justizministeriums ist, wirft zusätzlich die Frage auf, warum es bislang kaum öffentliche Aufmerksamkeit erhielt.
Mit der bevorstehenden Anhörung von Bill Gates im Mai dürfte sich diese Frage nun weiter zuspitzen. Die zentrale Frage für den Kongress lautet inzwischen nicht mehr nur, ob Epstein und Gates gemeinsame Projekte diskutierten. Entscheidend ist vielmehr, welche Rolle solche Finanzierungen tatsächlich spielten und ob sie Teil eines größeren Systems von Einfluss, Zugang und institutioneller Tarnung waren.


