Das Gespräch zwischen Pepe Escobar und Mr. X über die vorübergehende Schliessung von Grenzübergängen zwischen Pakistan und Iran beginnt mit zwei unterschiedlichen Erklärungen: Mr. X nennt Sicherheitsprobleme als Auslöser, Pepe Escobar verweist zusätzlich auf US-Druck. Beide betonen, dass der Handel zwischen den Ländern nicht vollständig unterbrochen sei. Im weiteren Verlauf geht es um mutmassliche Grenzinfiltrationen, US-Militärpräsenz, regionale Diplomatie und eine von iranischen Quellen behauptete Zielliste.
Grenzübergänge vorübergehend geschlossen, andere Routen offen
Mr. X sagt, Pakistan habe nach Konsultationen mit iranischen Amtsträgern vorübergehend zwei wichtige Grenzübergänge geschlossen. Daran beteiligt gewesen seien der pakistanische Vizepremierminister und Aussenminister sowie der iranische Aussenminister. Mr. X betont, die Schliessung sei temporär und betreffe nicht sämtliche Verbindungen zwischen den beiden Ländern. Zahlreiche traditionelle Routen blieben offen und würden weiterhin genutzt.
Die Grenze sei über weite Strecken durchlässig; Menschen und Waren hätten sie über Jahrhunderte auf vielen Wegen überquert. Nach Darstellung von Mr. X werde der grenzüberschreitende Handel nicht gestoppt. Er umfasse unter anderem Öl sowie verderbliche Waren wie Tomaten, Kartoffeln und Zwiebeln. Das Handelsvolumen habe sich seit Beginn des im Gespräch erwähnten Krieges monatlich verdoppelt. Welche Ausgangsgrösse dieser Angabe zugrunde liegt, wird nicht genannt.
Auch der Handel zwischen China und Iran über Pakistan sei nicht unterbrochen worden, sagt Mr. X. Eine zuvor bestehende Bahnverbindung sei zudem wieder aktiviert und ausgebaut worden. Die Häfen Gwadar und Pasni seien offen; auch dort finde Verkehr statt. Mr. X stellt die Verbindung über Gwadar als Teil des Transits zwischen China, Pakistan und Iran dar.
Unterschiedliche Erklärungen für die Schliessung
Pepe Escobar verweist auf ein Treffen der Zentralbankchefs von Iran und Pakistan, das drei Tage zuvor am Rand der jährlichen Zusammenkünfte von IWF und Weltbank in Bangkok stattgefunden habe. Dort sei es nach seiner Darstellung um eine Ausweitung des Handelsmechanismus zwischen Iran und Pakistan gegangen, der den US-Dollar umgehe und auch Tauschhandel einschliesse. Besprochen worden seien ebenfalls die Landkorridore, die Iran mit Pakistan und über Pakistan mit China verbinden.
Vor diesem Hintergrund fragt Escobar, ob die Schliessung gemeinsam von Teheran und Islamabad beschlossen worden sei oder einseitig durch Pakistan erfolgt sei. Zudem stellt er die Frage, ob US-Druck auf Islamabad eine Rolle spiele. Die Schliessung widerspreche seiner Einschätzung nach den pakistanischen Handelsinteressen.
Mr. X sagt, Pakistan stehe tatsächlich unter erheblichem US-Druck. Er führt diesen unter anderem auf US-Sanktionen zurück und erklärt, Pakistan habe sich nicht daran gehalten. Auch China und andere Länder hätten erklärt, den Sanktionen nicht zu folgen. Zugleich sei Pakistan vom Internationalen Währungsfonds abhängig, den die USA kontrollierten, so seine Darstellung. Die Entscheidung, zwei Hauptübergänge zeitweilig zu schliessen, sei in Konsultation mit Iran getroffen worden. Andere Routen seien aber weiterhin offen.
Später weist Mr. X die Vermutung zurück, die Schliessung sei auf amerikanischen Druck zurückzuführen. Er sagt, die Entscheidung sei gemeinsam getroffen worden und diene der Bewältigung von Sicherheitsproblemen. Damit stehen im Gespräch zwei Erklärungsstränge nebeneinander: Einerseits wird US-Druck als politischer Hintergrund genannt, andererseits wird die Schliessung ausdrücklich mit der Sicherheitslage begründet und eine amerikanische Einflussnahme auf die konkrete Entscheidung verneint.
Mutmassliche Infiltration und Sicherheitslage in Belutschistan
Als Begründung für die Grenzmassnahmen schildert Mr. X eine Zunahme von Spionage und Infiltration in der Region Belutschistan, die sich auf beide Länder erstrecke. Es seien Personen festgenommen worden, die nach seiner Darstellung Informationen gesammelt oder Sabotageakte geplant hätten. Ein hochrangiger Offizier des pakistanischen Grenzschutzes habe ihm mitgeteilt, dass sich festgenommene mutmassliche Saboteure in Gewahrsam befänden.
Auf Nachfrage Escobars nennt Mr. X zunächst Afghanen als Festgenommene. Später sagt er, ein Brigadiergeneral habe ihm bestätigt, dass mehrere Afghanen in pakistanischer Haft seien. Diese seien von den Vereinigten Arabischen Emiraten finanziert worden, behauptet Mr. X. Die Emirate seien, so die ihm übermittelte Einschätzung, nicht an einer stabilen Grenze zwischen Pakistan und Iran interessiert und arbeiteten mit Israel daran, beide Länder zu destabilisieren. Zusätzlich seien einige Belutschen festgenommen worden. Diese Vorwürfe werden im Gespräch nicht unabhängig belegt.
Escobar beschreibt seinerseits Angriffe und grenzüberschreitende Aktivitäten bewaffneter Gruppen in den beiden Belutschistan-Regionen. Er behauptet, Gruppen würden von ausländischen Akteuren finanziert und bewaffnet. Dabei erwähnt er Angriffe auf Polizeiposten in der iranischen Provinz Sistan und Belutschistan sowie Angriffe auf chinesische Ingenieure in Pakistan. Er verweist auf eigene Reisen in die Region und sagt, ihm sei aus Sicherheitsgründen ein Besuch in Gwadar als Ausländer früher nicht gestattet worden.
Pepe Escobar und Mr. X gehen davon aus, dass die Grenzüberwachung verstärkt werde. Escobar spricht von Zäunen, Mauern und elektronischen Kontrollen. Er bringt zudem einen möglichen Zusammenhang mit Finanzsanktionen zur Sprache: Wegen US-Sekundärsanktionen sässen nach seiner Darstellung mindestens 3’000 iranische Lastwagen an den Grenzen fest, weil der Zahlungsverkehr über pakistanische Banken ausgesetzt sei. Mr. X bestätigt diese Zahl nicht. Er sagt, die Frage des Bankverkehrs könne er nicht bestätigen, bekräftigt aber, dass die Schliessung vorübergehend sei und der chinesische Transit davon nicht betroffen sei.
China-Transit und US-Militärpräsenz
Auf Escobars Nachfrage erklärt Mr. X, Waren aus China könnten weiterhin über Gwadar auf Lastwagen geladen und über die pakistanisch-iranische Grenze nach Iran transportiert werden. Das gelte nach seiner Darstellung «für den gegenwärtigen Zeitpunkt» und trotz der vorübergehenden Schliessung von sechs Übergängen. Escobar hebt hervor, dass diese Einschränkung wichtig sei: Der Transit chinesischer Waren werde demnach anders behandelt als andere grenzüberschreitende Bewegungen.
Mr. X leitet daraus seine Einschätzung ab, Pakistan werde nichts tun, was den Interessen Chinas zuwiderlaufe. Keine pakistanische Regierung könne eine solche Entscheidung politisch überstehen, sagt er. Er behauptet zudem, die Bevölkerung Pakistans unterstütze Iran vollständig. Auch diese politischen Einschätzungen werden im Gespräch als Aussagen von Mr. X und nicht als unabhängig bestätigte Tatsachen präsentiert.
Ein weiterer Teil des Gesprächs dreht sich um US-Militärpräsenz nahe der pakistanischen Küste. Mr. X berichtet, US-Black-Hawk-Helikopter von Marineschiffen hätten sich bis auf drei Seemeilen an pakistanisches Gebiet angenähert. Pakistanische Marine- und Kampfflugzeuge hätten sie daraufhin zum Abdrehen aufgefordert; die Helikopter seien dem Befehl gefolgt und hätten keinen Widerstand geleistet. Mr. X sagt, Pakistan habe die US-Militärflugzeuge nicht eingeladen und sie zum Zurückweichen aufgefordert.
Escobar fragt wiederholt nach dem Standort der US-Marineschiffe und äussert die Sorge, sie befänden sich sehr nahe an der pakistanischen Küste. Mr. X sagt, die Schiffe seien nicht in pakistanischen Hoheitsgewässern. Dies sei ihm von Küstenbehörden mit Sicherheit bestätigt worden. Escobar stellt dem die Einschätzung gegenüber, die US-Marineeinheiten seien weiterhin sehr nahe an Pakistan und nicht in den südlichen Teil des Arabischen Meeres zurückgezogen. Mr. X hält an seiner Aussage fest, dass sie ausserhalb der pakistanischen Hoheitsgewässer lägen. Zum genauen Standort der Schiffe enthält das Gespräch somit unterschiedliche Darstellungen.
Ägypten, Saudi-Arabien und die Organisation für Islamische Zusammenarbeit
Im zweiten Teil wechseln Pepe Escobar und Mr. X zu regionaler Diplomatie. Escobar sagt, der ägyptische Nationale Verteidigungsrat habe Saudi-Arabien alle notwendigen und möglichen Formen der Unterstützung zugesagt. Eine Unterstützung hänge jedoch von der Zustimmung des Parlaments ab; eine Entscheidung und ein Einsatz seien noch nicht erfolgt. Eine Debatte solle am folgenden Montag weitergehen. Escobar bezeichnet den ägyptischen Präsidenten dabei ironisch als besonders mutig.
Ausserdem spricht Escobar über eine mögliche iranische Annäherung an ein als «Mekka-Abkommen» bezeichnetes Verteidigungsabkommen. Er sagt zunächst, eine formelle iranische Initiative werde in Teheran derzeit nicht diskutiert und es gebe dazu nichts Offizielles. Mr. X ergänzt später, er sei von Kontakten in Iran und Islamabad darüber informiert worden, dass Iran Interesse an einer Beteiligung geäussert habe. Wie weit diese Überlegungen fortgeschritten seien, wisse er nicht; ob es sich um eine formelle oder informelle Position handle, könne er ebenfalls nicht sagen.
Nach Darstellung von Mr. X würden Pakistan und die Türkei eine solche Entwicklung begrüssen. Zudem hätten der iranische Aussenminister und der pakistanische Vizepremierminister darüber gesprochen; auch zwischen dem chinesischen und dem pakistanischen Aussenminister sei das Thema zur Sprache gekommen. Escobar stimmt zu, dass es sich um vage Gespräche handle. Ein Beitritt sei nicht in den nächsten Wochen zu erwarten und hänge davon ab, wie sich der Krieg zwischen den USA und Iran sowie der Krieg Saudi-Arabiens gegen Jemen entwickelten. Escobar beschreibt Iran und Jemen dabei als zusammenhängendes politisches «Paket».
Ein weiteres Thema ist eine mögliche Erklärung der Organisation für Islamische Zusammenarbeit. Escobar berichtet, Saudi-Arabien wolle eine Eingabe vorlegen, die Ansar Allah verurteile. Iran werde nach seiner Darstellung ein Dokument nicht unterzeichnen, wenn es nicht zugleich die Ursachen des erneuten Krieges im Jemen berücksichtige und ausgewogen sei. In der Organisation gebe es einen saudischen Block von 27 Staaten, sagt Escobar. Das sei seiner Einschätzung nach beinahe, aber nicht ganz eine Mehrheit und reiche nicht für eine Resolution gegen Ansar Allah. Er fordert dazu auf, in den folgenden Tagen auf ein mögliches Dokument und dessen Wortlaut zu achten. Seine Darstellung der Mitgliedstaaten und ihrer politischen Ausrichtung wird im Gespräch nicht weiter belegt.
Behauptete iranische Zielliste und Warnung vor Eskalation
Zum Schluss berichtet Mr. X, Iran habe 400 Ziele «festgelegt» oder «gesperrt»; die genaue Bedeutung des verwendeten Ausdrucks wird im Gespräch nicht erläutert. Die Zielliste umfasse nach seiner Darstellung zahlreiche Ziele in Israel sowie US-Stützpunkte, von denen Kräfte nach Israel verlegt worden seien.
Mr. X warnt, US-Präsident Trump werde es «sehr bereuen», sollte er dem Rat des israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu folgen und neue Kampfhandlungen beginnen. Iran werde dann mit grösserer Geschwindigkeit und Heftigkeit reagieren als bisher, behauptet er. Es würden Waffen eingesetzt, die zuvor nicht verwendet worden seien; er erwähnt Geschwindigkeiten bis Mach 10 und Mehrfachsprengköpfe. Daraus leitet Mr. X die Möglichkeit einer Eskalation bis hin zu den ersten Phasen eines Weltkriegs ab. Diese Aussagen werden im Gespräch als Warnung und Prognose wiedergegeben, nicht als bestätigte militärische Tatsachen.
Zum Abschluss erklären Pepe Escobar und Mr. X, sie berichteten auf Grundlage mehrerer Quellen und würden weitere Informationen nachreichen. Mr. X sagt, er habe Angaben aus Islamabad bei Kontakten in Iran gegengeprüft. Das Gespräch enthält jedoch keine unabhängig zugänglichen Belege für die geschilderten Vorgänge oder militärischen Einschätzungen.


