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Die Drehtür der Macht: Wie Goldman Sachs, BlackRock & Co. bis in die Spitzen der Weltpolitik reichen

Goldman Sachs, BlackRock, Rothschild, Morgan Stanley, Deutsche Bank oder JPMorgan: Die Namen der größten Finanzkonzerne der Welt tauchen erstaunlich häufig in den Lebensläufen von Präsidenten, Regierungschefs, Finanzministern und Zentralbankern auf.

Dabei funktioniert die Drehtür in beide Richtungen. Banker wechseln in Regierungen – und ehemalige Spitzenpolitiker anschließend zu Banken und Vermögensverwaltern. Das allein beweist keine politische Steuerung durch die Finanzindustrie. Die personellen Verflechtungen zeigen jedoch, wie eng beide Welten miteinander verbunden sind.

Von der Bank in die Regierung – und zurück

PolitikerPolitische SpitzenfunktionFinanzbranche
Emmanuel MacronPräsident FrankreichsInvestmentbanker bei Rothschild & Cie
Friedrich Merzdeutscher Bundeskanzler2016–2020 Aufsichtsratsvorsitzender BlackRock Deutschland
Rishi Sunakbritischer Premier 2022–2024Goldman Sachs, Hedgefonds; seit 2025 wieder Goldman-Sachs-Berater
Mark Carneykanadischer Premier13 Jahre Goldman Sachs, später PIMCO
Mario Draghiitalienischer Premier, zuvor EZB-PräsidentVice Chairman/Managing Director Goldman Sachs International
José Manuel BarrosoEU-Kommissionspräsident, zuvor portugiesischer Premieranschließend Chairman Goldman Sachs International
Jörg Kukiesdeutscher Finanzminister 2024–2025rund 17 Jahre Goldman Sachs, 2026 Wechsel zu Morgan Stanley
Peer Steinbrückdeutscher Finanzminister 2005–2009anschließend Berater bei ING
Sigmar GabrielVizekanzler, Wirtschafts- und Außenministeranschließend Aufsichtsrat Deutsche Bank
Alice WeidelAfD-Chefin und Fraktionsvorsitzendefrüher Goldman Sachs Asset Management
Steven MnuchinUS-Finanzminister 2017–2021rund 17 Jahre Goldman Sachs
Gary Cohnoberster Wirtschaftsberater Donald Trumpszuvor Präsident/COO Goldman Sachs
Scott BessentUS-FinanzministerSoros Fund Management, Key Square Capital
Janet YellenUS-Finanzministerin, zuvor Fed-Chefinanschließend PIMCO Global Advisory Board
George Osbornebritischer Finanzministeranschließend Senior Advisor bei BlackRock
Alistair Darlingbritischer Finanzministeranschließend Verwaltungsrat Morgan Stanley
William Haguebritischer Außenministeranschließend Berater bei Citigroup
Gordon Brownbritischer Premier und Finanzministerspäter Vorsitzender PIMCO Global Advisory Board
Tony Blairbritischer Premieranschließend Senior Advisor bei JPMorgan Chase
Mario Montiitalienischer Premier und EU-KommissarBerater von Goldman Sachs
Domenico Siniscalcoitalienischer Finanzministeranschließend Vice Chairman Morgan Stanley International
Luis de Guindosspanischer Wirtschaftsminister, EZB-Vizepräsidentzuvor leitend bei Lehman Brothers
Milojko SpajićPremier Montenegroszuvor Citibank und Goldman Sachs
Henry PaulsonUS-Finanzministerzuvor Chairman und CEO Goldman Sachs
Robert RubinUS-Finanzministerzuvor Co-Chairman Goldman Sachs, später Citigroup
Philipp Hildebrandehemaliger Präsident der Schweizerischen Nationalbankanschließend Vice Chairman BlackRock

Goldman Sachs sticht heraus

Besonders auffällig ist Goldman Sachs. Sunak, Carney, Draghi, Barroso, Kukies, Weidel, Mnuchin, Cohn, Monti, Paulson, Rubin und Spajić hatten unterschiedliche Verbindungen zur Investmentbank.

Und es geht nicht nur um Lebensläufe. Während Sunaks Regierungszeit wurden mit den „Edinburgh Reforms“ zahlreiche Regeln für den britischen Finanzsektor gelockert. Die britische Ethikkommission stellte bei seinem späteren Wechsel zu Goldman Sachs ausdrücklich fest, dass Goldman zu den Unternehmen gehörte, die von diesen Reformen profitieren konnten. Sie stellte allerdings auch klar, dass es keinen Hinweis darauf gebe, Sunak habe die Reformen wegen seiner späteren Tätigkeit beschlossen.

Ähnlich bemerkenswert ist Barroso: Als EU-Kommissionspräsident war er während Finanz-, Banken- und Eurokrise an zentraler Stelle tätig. Danach wechselte er zu Goldman Sachs. Der Ethikausschuss der EU stellte selbst fest, dass sein in Brüssel erworbenes Wissen für die Investmentbank wertvoll sein könne.

BlackRock und die Politik

Auch BlackRock ist eng mit ehemaligen politischen Entscheidungsträgern verbunden. Friedrich Merz leitete BlackRock Deutschland, bevor er an die Spitze der deutschen Regierung gelangte. George Osborne wechselte vom britischen Finanzministerium zu BlackRock, der ehemalige SNB-Präsident Philipp Hildebrand wurde Vice Chairman des Konzerns.

Wie sensibel solche Beziehungen sind, zeigte die EU selbst: Die Europäische Bürgerbeauftragte kritisierte die Vergabe eines EU-Auftrags an BlackRock zur Untersuchung von ESG-Regeln für Banken wegen möglicher Interessenkonflikte. BlackRock hatte selbst wirtschaftliche Interessen in dem betroffenen Bereich.

Die Drehtür ist das eigentliche Problem

Keiner dieser Lebensläufe beweist für sich allein, dass eine Bank einem Politiker Anweisungen erteilt. Doch die Häufung ist bemerkenswert.

Bankmanager werden Finanzminister, Regierungsberater, Zentralbankchefs und Regierungschefs. Politiker wechseln anschließend zu denselben Banken und Vermögensverwaltern, deren Branche sie zuvor regulierten. Mit ihnen wechseln Kenntnisse über Regierungen, Regulierung, Finanzmärkte und internationale Verhandlungen sowie über Jahre aufgebaute Netzwerke.

Wie unabhängig können politische Entscheidungen von der Finanzindustrie bleiben, wenn Spitzenpolitik und Finanzkonzerne immer wieder auf dasselbe Personal, dieselben Netzwerke und dieselbe Expertise zurückgreifen?