Pepe Escobar und Mr. Z schildern ein Treffen im Kreml zwischen Wladimir Putin und dem iranischen Politiker Mosen Razai als strategisches Signal an die USA. Im Zentrum stünden eine engere Zusammenarbeit zwischen Russland und Iran, der Ausbau von Verkehrsverbindungen und die Warnung vor einem möglichen Angriff. Zugleich spekulieren die beiden über Trumps Motive und die Möglichkeit eines weiteren Treffens mit Putin und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping.
Ein ungewöhnlicher Empfang im Kreml
Escobar berichtet, Putin habe Razai zunächst in einem rund 95- bis 97-minütigen Telefongespräch kontaktiert und ihn anschliessend nach Moskau eingeladen. Der russische Präsident habe ein Flugzeug geschickt, um Razai und eine kleine Delegation aus Teheran abzuholen. Obwohl Razai kein Staatsoberhaupt sei, habe er beim Empfang im Kreml protokollarische Ehren eines Staatsoberhaupts erhalten. Das deutet Escobar als bedeutungsvolles Zeichen.
Die Gespräche hätten rund drei Stunden und 25 Minuten gedauert. Auf russischer Seite nennt Escobar unter anderem den aussenpolitischen Berater Juri Uschakow und den Chef des Militärgeheimdienstes GRU, Kostjukow. Für Iran seien Razai und Ali Bagheri Kani, der Nummer zwei im Obersten Nationalen Sicherheitsrat, dabei gewesen. Laut Escobar, der sich auf eine Quelle aus der Delegation beruft, sei ein verschlüsseltes Telefon auf dem Tisch bereitgestanden. Darüber habe Irans oberster Führer, Moshaba Kame, zugeschaltet werden können, um Fragen zu klären oder Anweisungen zu geben.
Der Kreml habe die Gespräche in seiner Mitteilung knapp als Zusammenarbeit im Rahmen des umfassenden Vertrags über eine strategische Partnerschaft beschrieben. Escobar zufolge nannte Razai danach gegenüber iranischen Medien russische Gaslieferungen und russische Investitionen in Pipelines als Gesprächsthemen. Die Leitungen könnten in beide Richtungen genutzt werden, sagte Escobar, da beide Länder grosse Gasproduzenten seien.
Bahnverbindung als fehlendes Stück des Korridors
Ein weiteres zentrales Thema sei laut Escobar die Fertigstellung der Bahnverbindung Rascht–Astara gewesen. Sie bilde das fehlende Glied im Internationalen Nord-Süd-Transportkorridor (INSTC). Dieser soll Russland über das Kaspische Meer und Iran mit Indien verbinden. Escobar sagt, ein Vertrag für den Bau und die beteiligten russischen Unternehmen solle bald unterzeichnet werden. Finanzierungs- und Bürokratieprobleme, die er bei einem Besuch im Iran im Vorjahr noch festgestellt habe, seien offenbar gelöst worden.
Escobar beschreibt den Korridor als eine der wichtigen Verkehrsachsen des 21. Jahrhunderts. Er führt von St. Petersburg über Astrachan und das Kaspische Meer nach Iran und weiter über Bandar Abbas und Chabahar zum Arabischen Meer und nach Mumbai. Der Weg umgehe den Suezkanal und könne für Russland eine Alternative zu von den USA kontrollierten Engpässen und Seewegen darstellen.
Als weiteres Beispiel für die regionale Verflechtung nennt Escobar den iranischen Hafen Chabahar und den pakistanischen Hafen Gwadar. Zwischen ihnen lägen rund 80 Kilometer; beide würden bereits mehr oder weniger zusammenarbeiten. Künftig könnten sie Knotenpunkte verschiedener Handelsrouten sein, darunter einer russisch-iranisch-indischen Verbindung und chinesischer Seidenstrassen. Escobar verweist auf eine eigene englischsprachige Dokumentation, für die er nach eigenen Angaben unter anderem am Kaspischen Meer, in Bandar Anzali, am Persischen Golf und in Sistan und Belutschistan gedreht habe.
Neben Wirtschaft und Verkehr sei auch militärische Zusammenarbeit zur Sprache gekommen. Escobar erwähnt ballistische und hyperschallschnelle Raketen, betont aber, dass es dazu keine Einzelheiten und keine durchgesickerten Informationen gebe. Die Frage sei für die nationale Sicherheit beider Staaten äusserst sensibel.
Warnung vor einem Angriff und Chinas Interessen
Die Dauer des Treffens, die Zusammensetzung der Delegationen und die Möglichkeit, Irans obersten Führer direkt zuzuschalten, wertet Escobar als Botschaft an Washington. Er behauptet, Russland stehe nicht bloss am Rand, sondern sei ein Partner, der unmittelbar in Irans Verteidigung eingebunden sei. Ein Angriff auf Iran wäre deshalb, so seine Interpretation, auch ein Angriff auf Russland. Die strategische Partnerschaft funktioniere in beide Richtungen, und beide Seiten würden einander Unterstützung anbieten, sagt er.
Escobar verweist auf Spekulationen über mögliche Zeitfenster für einen amerikanischen oder amerikanisch-israelischen Angriff. Er nennt den Samstag, den 7., und den Montag, den 9., sowie weitere Wochen als mögliche Zeitpunkte, stellt dies aber als umlaufende Vermutung dar. Zudem sagt er, Irans Reaktion auf einen Angriff wäre verheerend. Diese Einschätzung präsentiert er als Aussage, die in Iran wiederholt werde, nicht als unabhängig belegte Prognose.
Zu China sagt Escobar, er wolle bei bevorstehenden Gesprächen in Shanghai genauer nachfragen, wie sich das Land auf ein mögliches Treffen in Shenzhen vorbereite. Als chinesische Interessen nennt er einen freien Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus, die Sicherheit der Partnerstaaten am Persischen Golf und Bemühungen, US-Sekundärsanktionen zu umgehen. China wolle mit allen Geschäfte machen und Sicherheit für seine Handelspartner gewährleisten, erklärt er.
Russlands Interesse liege nach Escobars Darstellung stärker bei der Verteidigung Irans und beim Nord-Süd-Korridor. Die Stabilität Irans sei für Moskau wichtig, weil die Verbindung über Russland, das Kaspische Meer, Iran und den Indischen Ozean Russlands Zugang zu Märkten erweitern könne. Mr. Z stimmt Escobars Einordnung im Grundsatz zu. Er sagt, der Angriff habe Iran entgegen der Absicht seiner Urheber nicht isoliert, sondern an die Spitze einer strategischen Verbindung mit Russland, China und Pakistan gestellt.
Trumps Reaktion und die Aussicht auf ein Treffen
Im Gespräch fragen die beiden, wie Donald Trump einen Angriff auf Iran rechtfertigen könnte. Escobar meint, Trump könne sich trotz der möglichen Folgen zu einem Angriff entschliessen, weil er nach seiner Einschätzung durch ein verletztes Ego und eine kurze politische Frist zu riskantem Handeln verleitet werden könnte. Escobar spekuliert, Trump werde im Fall eines Scheiterns Verantwortliche zur Schuldzuweisung suchen. Als mögliche Sündenböcke nennt er den Verteidigungsminister Pete Hegseth, den Kommandeur des US Central Command Brad Cooper und den Generalstabschef, dessen Namen im Transkript als „Raising Kane“ erscheint.
Mr. Z ergänzt, der pakistanische Vermittler Asim Munir stehe mit dem Weissen Haus in Kontakt und versuche Trump von einem Angriff abzubringen. Ein solcher Angriff könne, so Mr. Z, die verbleibende Ölinfrastruktur in den Golfstaaten zerstören. Escobar entgegnet, ein rationales Argument müsse bei den seiner Ansicht nach fanatischen und inkompetenten Verantwortlichen nicht verfangen.
Als mögliche Ausweichmöglichkeit nennen beide ein Treffen in Shenzhen am 18. und 19. November, am Rande der APEC-Konferenz. Escobar stellt es als letzte Chance dar, bei der Putin und Xi Trump eine Möglichkeit zum Rückzug anbieten könnten. Bei einem solchen Treffen könne Trump die strategische Partnerschaft zwischen Russland und China als Gesprächspartner akzeptieren, statt weiter zu eskalieren, meint Escobar. Ob das Treffen zustande komme und ob Trump auf ein solches Angebot eingehen würde, bleibt offen.
Zum Schluss sagt Escobar voraus, Trump werde Fehler vermutlich nicht eingestehen, sondern eher weiter eskalieren und andere verantwortlich machen. Die Lage bleibe gefährlich, selbst wenn das Kreml-Treffen als Warnung verstanden werde. Mr. Z und Escobar beenden das Gespräch mit dem Hinweis, sie würden bei neuen Entwicklungen erneut berichten.


