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Realität oder Modell?

Realität oder Modell?

Panikmeldungen zu Extremwetter, dem Klimawandel zugeschrieben, werden inzwischen rund um die Uhr verbreitet, auch unter Verweis auf den Climate Reanalyzer.

Das dunkelrote Band über einem Großteil der Erde, wie in der Grafik für den 24. Juli 2023 gezeigt, ist zum Sinnbild des Klimawandels geworden. Aber es ist nicht die Realität, sondern nur ein fiktives Modell. Woran erkennt man das?

1. Was ist eigentlich abgebildet? Die Darstellung der Erde entspricht keinem Wärmebild der Erde zu einem bestimmten Zeitpunkt, z.B. um 12 Uhr MEZ am 24. Juli. Dieses Wärmebild würde komplett anders aussehen. Denn natürlich ist es in den Bereichen mit Kontinentalklima nur tagsüber heiß und kann nachts sehr kalt werden. Die Erde ist aber keine Scheibe, wie hier in die Grafik suggeriert, und weist zu einem Zeitpunkt überall den Tagesmittelwert auf, sondern ist in den Bereichen, in den es Nacht ist, deutlich kälter.

Der psychologische Effekt, welcher das fiktive Modell verursacht, ist aber beabsichtigt: “Man kann der Hitze nicht entfliehen”. Wer schon einmal in einer Wüstengegend war, weiß, dass die Bewohner tagsüber in den Oasenstädten im Schatten verbringen und es abends kühl und nachts sogar extrem kalt werden kann. All das, was in der Realität wichtig ist, mikroklimatische Unterschiede (Oase versus Wüstensand, Wald versus versiegelte Städte) und Tages-/Nacht-Rhythmus verschwindet hier durch Glättung.

2. Wie werden die Werte eigentlich gemessen? An zwei Punkten erkennt man verständlich den reinen Modellcharakter der Darstellung, zusätzlich zur Tatsache aus Punkt 1, dass es sich nur um modellierte Tagesmittelwerte handelt.

a) Der Großteil der Erde ist von Ozeanen bedeckt. Es gibt aber keine flächendeckenden Messungen zur „2m Temperatur“ über dem Ozean. Die Satelliten liefern Daten für die Haut der Ozeanoberfläche, die als Indikation für die Wassertemperatur genommen werden. Nur manche Bojen wie z.B. die Nordseebojen [https://bsh.de/DE/DATEN/Klima-und-Meer/Meeresumweltmessnetz/messnetz-marnet_node.html] messen auch die Lufttemperatur direkt. Der überwiegende Teil des Modells ist daher nur eine reine Schätzung, mehr nicht.

b) Das Hochplateau in Tibet auf der Nordseite des Himalajas, der „grüne Fleck“ rechts oben im roten Band, mit einer durchschnittlichen Höhe von 4.500 Metern ist flächenmäßig größer als Frankreich, Spanien und Portugal zusammen. Wo kommen diese Temperaturdaten her? Es gibt nur ein paar Messstationen am Rande des Plateaus, der Rest ist nur eine grobe Modellierung. Das Gleiche gilt auch für die Polbereiche der Erde. In der riesigen Antarktis gibt es nur wenige Messstationen.

3. Wie mittelt man eigentlich Temperaturen im globalen Maßstab? Die regionalen Mitteltemperaturen, in der Karte dargestellt, werden zu einem Punkt verdichtet, der durchschnittlichen globalen Temperatur für den 24.07.23 und tauchen dann als 17,08 °C in der Darstellung des zeitlichen Verlaufs auf. Nun kann man im Modell die Werte der einzelnen Gitterpunkte arithmetisch mitteln. Die Mathematik ist geduldig. Aber ist das eigentlich sinnvoll?

Fragen Sie mal drei Physiker, wie man Temperaturen über der Wasseroberfläche (Wasser hat eine sehr viel höhere Wärmekapazität als Landmasse), über dem Land in Deutschland (Luftdruck 1000 hPa) und über dem Land in Tibet (4.500 m hoch; Luftdruck 600 hPa) mitteln sollte. Und ob so eine Mittelung überhaupt einen Sinn ergibt. Sie werden fünf verschiedene Antworten bekommen.

Selbst die Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA, NOAA, mahnt zur Zurückhaltung. Die Rekordwerte des Climate Reanalyzers der University Maine „seien Computermodelle, die keine Beobachtungen ersetzen können“. Die heißesten Tage der Erde existieren nur im Modell, sind nicht verifiziert [https://twitter.com/1234Fit/status/1677906180100726784?s=20].

Fazit: Die Darstellungen des Climate Reanalyzer sind Modelle, die ihren Sinn für Forschungszwecke sicherlich haben. Aber man sollte sie nicht mit der Realität verwechseln. Denn ein Modell hängt immer von den Annahmen ab, die getroffen wurden. Die Realität nicht.