Gezielte Geheimdienstlecks, manipulierte Medienberichte und das Schüren von Angst: Tulsi Gabbard, die frühere US-Geheimdienstkoordinatorin, wirft einflussreichen Kräften innerhalb des amerikanischen Sicherheitsapparats vor, Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine systematisch zu untergraben. Besonders brisant: Auch die EU und die NATO beschuldigt sie, eine direkte militärische Konfrontation zwischen Washington und Moskau anzustreben.
Die Vorwürfe stammen aus einer Rede, die Gabbard am 20. Dezember 2025 auf der AmericaFest-Konferenz in Phoenix hielt. Ihre Aussagen verbreiten sich derzeit erneut in den sozialen Medien. Der niederländische Nachrichtendienst NineForNews griff sie am 13. Oktober 2026 auf.
☝️Tulsi Gabbard warnt bei einer Rede in Phoenix vor der intensiven Kriegspropaganda „um die US-Streitkräfte in einen direkten Konflikt mit Russland zu ziehen, was letztlich das ist, was die EU und NATO wollen“. https://t.co/RqVE8uWFvp
— Don (@Donuncutschweiz) October 13, 2026
Gabbard erklärte, sie habe während der diplomatischen Bemühungen der Trump-Regierung ein wiederkehrendes Muster beobachtet. Immer dann, wenn sich Verhandlungsführer einer möglichen Friedensvereinbarung näherten, würden einflussreiche Kreise innerhalb des sogenannten Deep State versuchen, Fortschritte zu verhindern.
Die Methoden seien keineswegs neu. Nach Gabbards Darstellung würden Geheimdienstinformationen gezielt an ausgewählte Medien weitergegeben, um bestimmte politische Erzählungen zu verbreiten. Dadurch entstehe ein Klima aus Angst und öffentlicher Verunsicherung, das die Fortsetzung des Krieges rechtfertigen solle.
Besonders schwer wiegt ihr Vorwurf gegen die europäischen Verbündeten. Gabbard behauptete ausdrücklich, dass EU und NATO letztlich eine direkte militärische Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten und Russland anstrebten.
Für diese weitreichende Anschuldigung lieferte sie in der Rede allerdings keine öffentlich überprüfbaren Belege. NATO-Vertreter erklären ihrerseits, die militärische Unterstützung der Ukraine diene deren Verteidigung und solle eine dauerhafte Friedenslösung ermöglichen.
Geheimdienstinformationen als politische Waffe
Gabbards Kritik richtet sich insbesondere gegen die politische Nutzung geheimdienstlicher Erkenntnisse. Nach ihrer Darstellung könnten selektiv veröffentlichte Informationen dazu dienen, Verhandlungen zu behindern und die öffentliche Meinung zugunsten einer militärischen Eskalation zu beeinflussen.
Damit berührt sie eine grundlegende Frage: Wer kontrolliert die Informationen, auf deren Grundlage Regierungen Entscheidungen über Krieg und Frieden treffen?
Der politische Einfluss von Geheimdiensten und die Weitergabe vertraulicher Informationen an Medien gehören seit Jahrzehnten zu den umstrittensten Bereichen amerikanischer Aussenpolitik. Gabbard sieht darin einen Mechanismus, mit dem mächtige Akteure politische Entscheidungen beeinflussen könnten, ohne selbst demokratisch dafür verantwortlich zu sein.
Eisenhowers Warnung vor dem militärisch-industriellen Komplex
In ihrer Rede erinnerte Gabbard auch an die Abschiedsansprache von US-Präsident Dwight D. Eisenhower aus dem Jahr 1961. Dieser hatte vor einem übermässigen Einfluss des militärisch-industriellen Komplexes auf Regierung und Gesellschaft gewarnt.
Gabbard stellte einen Zusammenhang zwischen dieser historischen Warnung und den gegenwärtigen Konflikten her. Andauernde Kriege verursachten nicht nur enorme menschliche Verluste und finanzielle Belastungen, sondern könnten auch bürgerliche Freiheiten einschränken.
Die wirtschaftlichen Interessen der Rüstungsindustrie bilden dabei einen wichtigen Hintergrund. Milliardenaufträge für Waffen und Munition schaffen erhebliche Umsätze. Daraus allein lässt sich jedoch nicht ableiten, dass einzelne Unternehmen oder Geheimdienstmitarbeiter nachweislich konkrete Friedensabkommen sabotiert haben.
Frieden oder weitere Eskalation?
Gabbards zentrale Botschaft lautet, dass die amerikanische Bevölkerung aufmerksam verfolgen müsse, welche Interessen hinter politischen Entscheidungen und medialen Darstellungen stehen. Ihre Aussagen sind besonders bemerkenswert, weil sie aus der Führung des amerikanischen Geheimdienstapparats selbst kamen. Sie zeigen, wie tief die Auseinandersetzung über den Ukrainekrieg und den Umgang mit Russland auch innerhalb der Vereinigten Staaten reicht.
Der entscheidende Vorwurf Gabbards: Nicht allein die Konfliktparteien auf dem Schlachtfeld erschweren den Frieden. Sie sieht auch innerhalb des westlichen Machtapparats Kräfte am Werk, die von einer Fortsetzung des Krieges profitieren oder eine diplomatische Lösung verhindern wollen.


