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Ukraine rückt gefährlich nahe an den Iran-Krieg – Teheran meldet Drohnen-Netzwerk an seinen Grenzen

Die Ukraine ist längst nicht mehr nur Beobachter des Krieges gegen Iran. Kiew hat bereits mehr als 200 militärische Drohnenexperten in den Nahen Osten entsandt, um Staaten am Golf bei der Abwehr iranischer Shahed-Drohnen zu unterstützen. Nun erhebt Teheran einen noch schwerwiegenderen Vorwurf: Ukrainische Einheiten sollen in mehreren Staaten rund um Iran ein Netzwerk aus Mikro-Drohnen aufgebaut und allein in der irakischen Kurdenregion Tausende dieser Systeme nahe der iranischen Grenze stationiert haben. Kiew weist dies entschieden zurück. Sollte sich der iranische Vorwurf bestätigen, wäre die Schwelle von defensiver Unterstützung zu einer direkten militärischen Bedrohung Irans gefährlich nahe.

Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim veröffentlichte am 20. Oktober unter Berufung auf eine nicht namentlich genannte Sicherheitsquelle ungewöhnlich konkrete Vorwürfe. Demnach habe die Ukraine Drohneneinheiten mit Mikro-Drohnen in mehreren Staaten rund um Iran stationiert und ein regionales operatives Netzwerk aufgebaut.

Besonders brisant ist die Behauptung, ukrainische Kräfte hätten Tausende Mikro-Drohnen in der autonomen Kurdenregion des Irak nahe der iranischen Grenze eingesetzt. Teheran kenne nach Darstellung der Quelle auch die übrigen Staaten, die ukrainische Kräfte und Drohnen beherbergten, wolle deren Namen jedoch erst „zu gegebener Zeit“ veröffentlichen.

Iran betrachtet diese Aktivitäten laut Tasnim als Teil einer breiteren feindlichen Kampagne Europas und der NATO und prüft eine Reaktion.

Kiew dementiert – doch ukrainisches Militärpersonal ist längst in der Region

Die ukrainische Botschaft im Irak reagierte am 21. Oktober und bezeichnete die iranischen Angaben als „vollständig unbegründet“ und „gezielte Desinformation“. Die Ukraine habe weder Drohnen noch Drohneneinheiten oder entsprechendes Personal in der Kurdenregion oder anderswo im Irak stationiert.

Damit bleibt die wichtigste Behauptung Teherans derzeit unbewiesen.

Dass ukrainisches Militärpersonal inzwischen im Nahen Osten operiert, ist dagegen keine Spekulation.

Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte bereits im März, dass 201 ukrainische Anti-Drohnen-Experten in der Golfregion und im weiteren Nahen Osten tätig seien und weitere 34 zur Entsendung bereitstünden. Ukrainische Teams arbeiteten demnach bereits in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar und Saudi-Arabien und seien auf dem Weg nach Kuwait. Zuvor hatte Selenskyj auch Jordanien genannt.

Kiew begründet diese Einsätze mit seiner jahrelangen Erfahrung im Kampf gegen iranisch entwickelte Shahed-Drohnen, die Russland im Ukraine-Krieg einsetzt.

Aus Kriegserfahrung wird Exportprodukt

Im Juli berichtete die Washington Post, dass die Ukraine ihre im Krieg gegen Russland erworbene Drohnenkompetenz zunehmend an Verbündete exportiert. Kiew liefert demnach nicht nur Beratung, sondern auch Ausrüstung und arbeitet mit Partnerstaaten an gemeinsamen Produktionskapazitäten.

Die Zeitung beschrieb ausdrücklich eine wachsende ukrainische Zusammenarbeit mit Staaten am Persischen Golf, die sich gegen Drohnenangriffe aus Iran und von mit Teheran verbündeten Gruppen schützen wollen.

Damit ist die Ukraine militärisch bereits deutlich tiefer in den Nahostkonflikt eingebunden, als es die formale Aussage „Wir befinden uns nicht im Krieg mit Iran“ vermuten lässt.

Bislang lässt sich diese Rolle noch als Unterstützung bei der Verteidigung gegen iranische Drohnen beschreiben. Ukrainische Spezialisten helfen anderen Staaten, iranische Systeme aufzuspüren, abzufangen und ihre eigenen Abwehrkapazitäten auszubauen.

Sollten jedoch ukrainische Angriffsdrohnen tatsächlich unmittelbar an der iranischen Grenze stationiert sein, würde sich die Lage grundlegend verändern.

Tausende Mikro-Drohnen an Irans Grenze wären eine andere Qualität

Zwischen der Ausbildung saudischer oder katarischer Soldaten in der Drohnenabwehr und dem Aufbau eines ukrainischen Mikro-Drohnen-Netzwerks an der iranischen Grenze besteht ein erheblicher Unterschied.

Mikro- und FPV-Drohnen haben im Ukraine-Krieg gezeigt, wie gefährlich selbst vergleichsweise einfache und kostengünstige Systeme sein können. Sie eignen sich für Aufklärung, Sabotage und präzise Angriffe auf Fahrzeuge, Stellungen oder Infrastruktur.

Eine größere Zahl solcher Systeme nahe der iranischen Grenze würde Teheran deshalb kaum als reine Defensivmaßnahme betrachten.

Ukraine und Iran sind ohnehin längst Gegner

Auch politisch stehen sich beide Staaten längst feindlich gegenüber.

Die Ukraine wirft Iran seit Jahren vor, Russland mit Shahed-Drohnen und Technologie zu unterstützen. Selenskyj bezeichnete Moskau und Teheran im März sogar als „Brüder im Hass“ und erklärte, die Ukraine wolle verhindern, dass der „Terror des iranischen Regimes gegen seine Nachbarn“ erfolgreich sei.

Aus ukrainischer Sicht liegt daher eine strategische Logik nahe: Jeder Schaden an Irans Drohnenindustrie oder militärischer Handlungsfähigkeit könnte indirekt auch Russlands Kriegskapazitäten schwächen.

Umgekehrt betrachtet Teheran eine ukrainische Militärpräsenz rund um Iran zunehmend als Erweiterung der westlichen Front gegen die Islamische Republik.

Damit beginnen zwei bislang getrennte Kriege miteinander zu verschmelzen.

Noch kein Kriegseintritt – aber die Distanz schrumpft

Es gibt derzeit keinen belastbaren Beleg dafür, dass die Ukraine beschlossen hat, offiziell in den Krieg gegen Iran einzutreten.

Ebenso wenig ist bislang unabhängig bestätigt, dass Tausende ukrainische Mikro-Drohnen tatsächlich in der irakischen Kurdenregion stationiert wurden.

Doch der strategische Trend ist eindeutig: Ukrainische Soldaten und Spezialisten operieren bereits in mehreren Staaten des Nahen Ostens, beraten Regierungen beim Kampf gegen iranische Drohnen und geben ihre Kriegserfahrung an regionale Partner weiter. Gleichzeitig entwickelt sich die Zusammenarbeit von reiner Ausbildung zunehmend in Richtung Technologie-, Rüstungs- und Produktionskooperation.

Sollte Teherans Behauptung über ukrainische Drohneneinheiten an seiner Grenze bestätigt werden, wäre die nächste Eskalationsstufe erreicht: Die Ukraine wäre dann nicht mehr nur Lieferant von Know-how gegen iranische Waffen, sondern würde aus iranischer Sicht selbst zu einer unmittelbaren militärischen Bedrohung.

Damit könnte aus dem bisherigen indirekten Konflikt zwischen Kiew und Teheran sehr schnell ein direkter werden.