Unabhängige Analysen und Informationen zu Geopolitik, Wirtschaft, Gesundheit, Technologie

Wer unterstützt die Ukraine? Rund 383 Milliarden Euro seit 2022 – hier ist die Rangliste der größten Geber

Seit Beginn des Ukraine-Krieges im Februar 2022 haben die USA, die Europäische Union und zahlreiche weitere Staaten militärische, finanzielle und humanitäre Hilfe in historischer Größenordnung bereitgestellt. Doch bei den veröffentlichten Milliardenbeträgen ist Vorsicht nötig: Regierungen rechnen teilweise Flüchtlingskosten im eigenen Land, langfristige Zusagen oder noch nicht ausgezahlte Programme mit ein. Für einen belastbaren Vergleich verwenden wir deshalb die „Allocations“ des Ukraine Support Trackers des Kiel Instituts. Darunter versteht Kiel Hilfen, die bereits geliefert oder konkret für Lieferung beziehungsweise Auszahlung vorgesehen sind. Flüchtlingskosten in den Geberländern werden in dieser Vergleichszahl nicht mitgerechnet.

Nach dem jüngsten Kiel-Datensatz, der den Zeitraum vom 24. Januar 2022 bis 31. August 2026 umfasst, belaufen sich die weltweit zugewiesenen staatlichen Hilfen auf rund 383 Milliarden Euro. Davon entfallen etwa 186,5 Milliarden Euro auf militärische Hilfe, rund 170,7 Milliarden Euro auf finanzielle Unterstützung und etwa 26,2 Milliarden Euro auf humanitäre Hilfe. Die Zahlen umfassen sowohl Geld als auch Sachleistungen wie Waffen, Fahrzeuge, Munition, medizinische Güter oder andere staatliche Lieferungen, deren Wert Kiel in Euro umrechnet. Private Spenden, das Rote Kreuz und andere internationale Organisationen werden in dieser Hauptstatistik nicht erfasst.

Europa hat die USA inzwischen als größten Geberblock überholt. Nach Kiel lagen die europäischen Allokationen einschließlich EU-Institutionen, Großbritannien, Norwegen, der Schweiz und weiterer europäischer Staaten Ende August 2026 bei rund 237 Milliarden Euro. Die USA kommen dagegen auf rund 115 Milliarden Euro. Innerhalb der Europäischen Union entfallen zusammengerechnet ungefähr 200 Milliarden Euro auf EU-Institutionen und die 27 Mitgliedstaaten. Ein erheblicher Teil der europäischen Finanzhilfe besteht allerdings aus Krediten und nicht aus nicht rückzahlbaren Zuschüssen. Das Europäische Parlament weist darauf hin, dass rund 86 Prozent der finanziellen Unterstützung der EU-Institutionen in Form von Darlehen erfolgt.

Welche Länder haben wie viel zugewiesen?

Die folgende Tabelle zeigt die Kiel-Vergleichszahl für tatsächlich zugewiesene bilaterale Hilfe, Stand 31. August 2026. Die Beträge sind gerundet. Bei den EU-Institutionen handelt es sich um einen zusätzlichen Geber neben den einzelnen Mitgliedstaaten – die deutschen, französischen oder polnischen Beträge sind darin also nicht enthalten.

GeberZugewiesene Hilfe seit 2022
USAca. 115 Mrd. €
EU-Institutionenca. 100 Mrd. €
Deutschland30,8 Mrd. €
Großbritannien22,8 Mrd. €
Kanada14,9 Mrd. €
Japan14,4 Mrd. €
Dänemark11,7 Mrd. €
Norwegen11,5 Mrd. €
Schweden11,3 Mrd. €
Niederlande11,2 Mrd. €
Frankreich7,9 Mrd. €
Polen5,9 Mrd. €
Italien4,3 Mrd. €
Finnland3,8 Mrd. €
Belgien3,3 Mrd. €
Spanien2,6 Mrd. €
Litauen1,5 Mrd. €
Schweizca. 1,4 Mrd. €
Australien1,1 Mrd. €
Estland964 Mio. €
Slowakei753 Mio. €
Lettland727 Mio. €
Tschechien638 Mio. €
Irland639 Mio. €
Südkorea559 Mio. €
Rumänien538 Mio. €
Portugal385 Mio. €
Luxemburg376 Mio. €
Kroatien374 Mio. €
Österreich260 Mio. €
Bulgarien256 Mio. €
Slowenien185 Mio. €
Griechenland169 Mio. €
Island101 Mio. €
Neuseeland83 Mio. €
Türkei70 Mio. €
Taiwan57 Mio. €
Ungarn54 Mio. €
Zypernca. 5 Mio. €
Indienca. 3 Mio. €
Chinaca. 2 Mio. €
Maltaca. 1 Mio. €

Die Größenordnung zeigt, wie stark sich die Gewichte seit 2022 verschoben haben. Die USA bleiben mit rund 115 Milliarden Euro der mit Abstand größte einzelne Staat. Deutschland folgt mit 30,8 Milliarden Euro, danach Großbritannien mit 22,8 Milliarden. Besonders hohe Beträge kommen außerdem aus Kanada, Japan sowie den nordischen Staaten Dänemark, Norwegen und Schweden. Gemessen an ihrer Wirtschaftsleistung gehören gerade die baltischen und nordischen Länder zu den größten Unterstützern.

Deutschland: Warum von 100 Milliarden plötzlich nur 30,8 Milliarden übrig bleiben

Wie wichtig die genaue Definition ist, zeigt Deutschland besonders deutlich. Die Bundesregierung hatte ihre Ukraine-Unterstützung mit rund 100 Milliarden Euro angegeben. Das Kiel Institut untersuchte diese Zahl im Oktober 2026 und kam zu einem deutlich anderen Ergebnis: Nur rund 41,7 Milliarden Euro ließen sich überhaupt als tatsächliche bilaterale Hilfe für die Ukraine einordnen. Rund 35,9 Milliarden Euro wurden in Deutschland ausgegeben, überwiegend für ukrainische Flüchtlinge. Weitere 22 Milliarden Euro bestehen aus zukünftigen Militärzusagen.

Auch die 41,7 Milliarden Euro sind nicht identisch mit den 30,8 Milliarden in der Tabelle. Kiel berücksichtigt bei den 41,7 Milliarden auch bereits haushalterisch vorgesehene beziehungsweise nachvollziehbar der Ukraine zugerechnete Leistungen; die strengere Tracker-Kategorie „Allocations“ liegt derzeit bei rund 30,8 Milliarden Euro. Genau deshalb ist es problematisch, pauschal von „100 Milliarden für die Ukraine“ zu sprechen. Das Kiel Institut selbst bezeichnet diese Darstellung als irreführend, wenn sie als bilaterale Hilfe an die Ukraine ausgegeben wird.

Schweiz: Nicht 5,8 Milliarden gingen in die Ukraine

Ähnlich verhält es sich bei der Schweiz. In breiteren Statistiken tauchen Summen von mehreren Milliarden Franken auf. Das bedeutet jedoch nicht, dass dieses Geld an die ukrainische Regierung überwiesen wurde. In der Kiel-Vergleichszahl werden der Schweiz bis Ende August 2026 rund 1,4 Milliarden Euro bilaterale Hilfe zugerechnet. Darunter fallen vor allem humanitäre und finanzielle Leistungen; die Schweiz liefert aufgrund ihrer Neutralitätsregeln praktisch keine klassische militärische Hilfe.

Die deutlich höheren Schweizer Gesamtsummen entstehen vor allem dadurch, dass Kosten für ukrainische Flüchtlinge mit Schutzstatus S innerhalb der Schweiz hinzugerechnet werden. Genau diese Kosten gehören nicht in eine Tabelle, die beantworten soll, wie viel Hilfe tatsächlich der Ukraine beziehungsweise für Maßnahmen in der Ukraine zugewiesen wurde. Deshalb steht die Schweiz in dieser Übersicht mit rund 1,4 Milliarden Euro und nicht mit 5,8 oder 6 Milliarden.

Die EU nennt selbst 231,5 Milliarden Euro – aber diese Zahl misst etwas anderes

Die Europäische Kommission und der Rat der EU verwenden eine breitere Rechnung. Nach dem aktuellsten Stand nennen sie 231,5 Milliarden Euro Unterstützung durch die EU und ihre Mitgliedstaaten seit Kriegsbeginn. Davon entfallen 117,3 Milliarden Euro auf Mittel, die aus dem EU-Haushalt bereitgestellt oder garantiert wurden, 77,9 Milliarden Euro auf militärische Unterstützung, 15,5 Milliarden Euro auf finanzielle, wirtschaftliche und humanitäre Hilfe einzelner Mitgliedstaaten, 17 Milliarden Euro auf die Versorgung ukrainischer Flüchtlinge innerhalb der EU und 3,8 Milliarden Euro auf Erlöse aus eingefrorenen russischen Vermögenswerten.

Diese 231,5 Milliarden Euro lassen sich deshalb nicht direkt mit den Kiel-Zahlen vergleichen. Allein die 17 Milliarden Euro Flüchtlingskosten wurden innerhalb der EU ausgegeben. Außerdem enthalten die 117,3 Milliarden Euro aus dem EU-Haushalt zahlreiche Kredite und Garantien. Dazu zählen unter anderem 43,9 Milliarden Euro über die Ukraine Facility, 43,3 Milliarden Euro makrofinanzielle Hilfe und 19,8 Milliarden Euro aus dem neuen Ukraine Support Loan.

Und die Finanzierung geht weiter. Die EU hat zusätzlich ein 90-Milliarden-Euro-Darlehen für 2026 und 2027 beschlossen. Es soll sowohl den ukrainischen Staatshaushalt als auch Verteidigungsausgaben absichern. Ein großer Teil dieses Betrags ist in den Kiel-Allokationen noch nicht enthalten, solange die entsprechenden Mittel nicht konkret zugewiesen werden. Das ist ein weiterer Grund, Zusagen und tatsächlich zugewiesene Hilfe nicht miteinander zu vermischen.

Die nüchterne Bilanz lautet deshalb: Seit Anfang 2022 wurden der Ukraine nach der vergleichbaren Kiel-Methode rund 383 Milliarden Euro staatliche militärische, finanzielle und humanitäre Hilfe zugewiesen. Rund 237 Milliarden davon kommen inzwischen aus Europa, etwa 115 Milliarden aus den USA. Innerhalb der EU tragen sowohl Brüssel als auch die einzelnen Mitgliedstaaten erhebliche Summen bei.

Das sind enorme Beträge – aber sie sind nicht identisch mit Bargeldüberweisungen an Kiew. Ein großer Teil besteht aus Waffen, Krediten und Sachleistungen. Umgekehrt sind in den 383 Milliarden auch keine milliardenschweren Flüchtlingskosten innerhalb Deutschlands, der Schweiz oder anderer Staaten enthalten. Wer seriös über die Kosten der Ukraine-Unterstützung sprechen will, muss deshalb immer dazusagen, ob von tatsächlich zugewiesener Hilfe, zukünftigen Zusagen, Krediten, Waffenwerten oder Ausgaben für Flüchtlinge im eigenen Land die Rede ist.

Quellen:

Für das geplante 5-Milliarden-Franken-Wiederaufbauprogramm bis 2036 ist dies die offizielle Bundesratsquelle: Bundesrat – Wiederaufbau der Ukraine bis 2036 mit 5 Milliarden Franken unterstützen admin.ch