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US greift an! Neuer Krieg im Nahen Osten bedroht Pfeiler der pharmazeutischen Lieferkette

von Steven O’Connor, Rechtsanwalt bei Non-Profit

Angesichts von Berichten über einen US-Schlag gegen iranische Ziele und dem Versprechen des Irans, Vergeltungsmaßnahmen gegen amerikanische Stützpunkte zu ergreifen – zusammen mit der Drohung, die Straße von Hormuz zu schließen – sieht sich die Pharmaindustrie einer wachsenden Gefahr ausgesetzt. Da die Hisbollah und die Houthis Berichten zufolge eine Intervention in Erwägung ziehen, könnten die Auswirkungen weit über die Geopolitik hinausreichen und die Arzneimittelproduktion, -verteilung und -forschung weltweit beeinträchtigen.

Die ersten Risse auf den globalen Energiemärkten zeigten sich, als der Vorstandsvorsitzende von Shell warnte, dass jede Störung der Meerenge, durch die etwa 25 % des weltweiten Ölhandels fließen, „enorme Auswirkungen auf den Welthandel“ haben könnte. Die Charterraten für Tanker schossen laut The Guardian in die Höhe. Tatsächlich stieg die Rohölsorte Brent auf über 77 Dollar pro Barrel, woraufhin Versicherer ihre Prämien erhöhten und Reedereien begannen, die Route ganz zu meiden. Ein solcher Anstieg der Energiekosten würde die Pharmahersteller empfindlich treffen. Diese Betriebe sind auf konstante Energieversorgung für Reinräume, HLK-Systeme, Produktionsanlagen und Sterilisationsverfahren angewiesen – selbst kurzfristige Kostensteigerungen können die gesamte Lieferkette aus dem Gleichgewicht bringen.

Die zunehmende Volatilität hat bereits dazu geführt, dass in der Golfregion ansässige Unternehmen Notfallpläne aktivieren und Krisenteams einsetzen. Firmen wie DP World bereiten sich auf umgeleitete Logistikrouten vor; Risikoberatungen wie Control Risks und Kroll geben Evakuierungspläne und Strategien für Lieferunterbrechungen heraus. Regionale Knotenpunkte wie Dubai und Abu Dhabi – Heimat wichtiger US-Militärbasen – stellen sich auf zunehmende Instabilität ein. Für pharmazeutische CMOs und API-Hersteller, die in oder nahe der Golfregion tätig sind, bedeutet dies potenzielle Betriebsunterbrechungen, Evakuierung von Mitarbeitern und steigende Versicherungskosten – all das könnte die Produktionsgeschwindigkeit drosseln und die Stückkosten erhöhen.

Die Warnungen für den Seeverkehr haben sich bereits vor einer offiziellen Blockade verschärft. In maritimen Sicherheitshinweisen wird auf zunehmende elektronische Störungen im Golf hingewiesen, und Handelsschiffe wurden aufgefordert, iranische Gewässer in der Nähe von Hormuz zu meiden, da es dort zu Navigationsstörungen kommt. Für Pharmaunternehmen, die auf Just-in-Time-Importe angewiesen sind – etwa bei Hilfsstoffen, Fläschchen und sterilen Verpackungen – könnte diese Instabilität zu Produktionsstopps und kritischen Verzögerungen bei der Verfügbarkeit von Medikamenten führen.

Auch die klinische Forschung ist bedroht. Prüfmedikamente, biologische Proben, Testkits und Laborausrüstung werden regelmäßig auf dem Luft- und Seeweg transportiert; Unterbrechungen könnten die Aufnahme von Studienteilnehmern verzögern, Dosierungspläne stören und Studiendaten entwerten. Je mehr Unsicherheiten beim Transport bestehen, desto wahrscheinlicher werden Verzögerungen bei Zulassungsanträgen und Markteinführungen – mit Folgen für den Zugang der Patienten zu neuen Therapien.

Das makroökonomische Umfeld verschärft den Druck auf ein ohnehin angespanntes Ökosystem. Bleiben die Ölpreise über 75 US-Dollar pro Barrel, könnte das globale BIP-Wachstum um etwa 1 % sinken, schätzen Ökonomen. Zugleich zwingt die Inflation die Zentralbanken zu einer restriktiveren Geldpolitik. Regierungen könnten ihre Haushalte umschichten – weg von öffentlicher Gesundheit und pharmazeutischer Forschung hin zu Verteidigung und Energiesicherheit. Auch Unternehmen könnten Investitionen von langfristiger Innovation auf kurzfristige Krisenbewältigung umlenken.

Doch die Branche reagiert. Multinationale Unternehmen beschleunigen ihre Notfallplanung, verlagern Produktionen aus der Golfregion, stocken Pufferbestände kritischer Komponenten auf und sichern alternative Logistikkorridore. Diese Strategien spiegeln Forschungsergebnisse zur Lieferkettenresilienz wider, wonach geografische Diversifizierung und Verlagerung der Produktion Engpässe – besonders bei lebenswichtigen Medikamenten – abmildern können.

Fazit: Die Eskalation des militärischen Konflikts zwischen den USA und dem Iran mit möglichem regionalem Flächenbrand könnte die Energiekosten hochtreiben, Seewege blockieren und globale Lieferketten erschüttern. Zwar ist unklar, was als Nächstes passiert – doch die pharmazeutische Produktion, Verteilung und Forschung wird den Druck zu spüren bekommen. Das kann zu Preissteigerungen, Produktengpässen, Behandlungsverzögerungen und langsamerer Entwicklung führen.

Wie gravierend die Auswirkungen tatsächlich werden, hängt davon ab, inwieweit die Branche Notfallpläne parat hat, schnell reagiert, Ressourcen sichert und eng mit Regierungen sowie Logistikpartnern zusammenarbeitet, um die Versorgung aufrechtzuerhalten.