Von Larry C. Johnson
Das folgende Video ist – wenn es sich bewahrheitet – eine vernichtende Anklage gegen Donald Trump und dessen angebliches Engagement für America First. Tatsächlich zeigt sich das Gegenteil: Trump setzt Amerika an zweite Stelle.
US-Army-Sergeant Jonathan Estridge, ein 20-jähriger Militärveteran, berichtet, dass gegen ihn ermittelt wird, weil er israelkritische Beiträge in sozialen Medien geteilt habe. Man habe ihm gesagt, er sei nun eine „nationale Sicherheitsbedrohung“. Estridge betont zu Recht, dass er einen Eid geschworen habe, die Verfassung zu verteidigen. In diesem Eid ist keine Rede davon, das US-Militär müsse Israel schützen.
Lawrow bei NBC
Besonders bemerkenswert ist, dass der russische Außenminister Sergej Lawrow einem Interview mit NBC zustimmte. Die Moderatorin Kristen Welker arbeitete ein vorgefertigtes Skript ab, hörte aber kaum auf das, was Lawrow tatsächlich sagte. Er hingegen blieb ruhig, präzise und souverän – und lud sie sogar ein, das nächste Interview persönlich in Moskau zu führen.
Jetzt, da der Wirbel um den Alaska-Gipfel und Trumps Treffen in Washington mit Zelensky sowie den europäischen Staatschefs abgeflaut ist, setzt sich im Westen die Erkenntnis durch: Ein Friedensabkommen ist nicht in Sicht. Lawrow erläuterte die russische Position, die ich in diesem Blog schon mehrfach dargestellt habe.
Putins Kalkül und der Deep State
Ich verstehe Putins Wunsch nach einer normalen Beziehung zu Trump. Doch ich fürchte, er unterschätzt den tief verwurzelten Hass des US-„Deep State“ auf Russland. Nur eine militärische Niederlage der Ukraine kann den Westen zwingen, ernsthaft eine diplomatische Lösung in Betracht zu ziehen.
Ob Putin bewusst auf Spieltheorie setzt, weiß ich nicht. Aber seine jüngsten Entscheidungen lassen darauf schließen. Denn Washingtons Ziel bleibt klar: Russland zur Unterwerfung zu zwingen – sei es durch Täuschung, Sanktionen oder militärischen Druck. Die Bürokratie in D.C. wird Donald Trump nicht erlauben, normale Beziehungen zu Russland aufzubauen.
Spieltheorie als Strategie
Was rät die Spieltheorie in solchen asymmetrischen Verhandlungen? Die wichtigsten Prinzipien:
- Glaubwürdigkeit: Drohungen oder Versprechen müssen so formuliert sein, dass der Gegner an ihre Umsetzung glaubt. Ohne Glaubwürdigkeit verpufft jede Abschreckung.
- Reziprozität: Kooperation belohnen, Aggression bestrafen – das klassische tit-for-tat. So wird klar, dass feindliches Verhalten Konsequenzen hat.
- Kommunikation & Reputation: Klare Signale, Entschlossenheit und Zurückhaltung sind entscheidend, um Eskalationen zu vermeiden und zugleich die eigenen Interessen zu verteidigen.
- Langfristigkeit: Wer Verhandlungen als Serie wiederholter Interaktionen versteht, hat einen Anreiz, Kooperation statt Konfrontation zu fördern.
Ein aktuelles Beispiel: Der russische Angriff auf eine US-beteiligte Fabrik in der Westukraine, in der Drohnenkomponenten gefertigt wurden. Das war ein klassisches tit-for-tat, eine Vergeltung, die zugleich eine Botschaft sendet.
Fazit
Die Spieltheorie legt nahe, dass Russland ein Gleichgewicht finden muss – zwischen Entschlossenheit und Zurückhaltung. Glaubwürdige Drohungen, gepaart mit gezielten Vergeltungen, sollen den Gegner abschrecken, während Gesprächskanäle offen bleiben. So ließe sich Schaden begrenzen, ohne jede Perspektive auf Zusammenarbeit zu zerstören.
Hier ist das Interview mit Lawrow. Ich empfehle Ihnen dringend, es sich anzusehen.


