Hans-Jörg Müllenmeister
Heuer im Juni: 250 Jahre Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten – und ein Energienetz, das wirkt, als sei es im selben Jahrhundert entworfen worden. Ein Land, das Milliarden in High‑Tech‑Waffensysteme steckt, aber seine elementare Infrastruktur wie ein Stiefkind sträflich vernachlässigt.
Dass das US‑Energienetz in diesem Zustand ist, liegt weniger an technischem Unvermögen als an seiner Struktur. Viele Stromleitungen in den USA liegen „überirdisch“.Es existiert kein einheitlicher Betreiber, keine zentrale Verantwortung, keine durchgehende Strategie zur Modernisierung. Stattdessen verteilt sich das Netz auf hunderte regionale Versorger, private Unternehmen und unabhängige Netzbetreiber. Das ist ein historisch gewachsenes Geflecht, das eher einem Fleckerlteppich gleicht als einem nationalen Infrastrukturprojekt. Die alten Holzmasten bestehen meist aus Western Red Cedar oder Douglasie. Wenn man da übers Land fährt, bietet sich ein armseliger Anblick, vergleichbar mit einem Land aus der Dritten Welt. Jeder dieser Netz-Akteure folgt seiner


