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„Bereit, heute Nacht zu kämpfen“: Deutscher Luftwaffenchef bereit für Angriffe auf russisches Kerngebiet

„Bereit, heute Nacht zu kämpfen“: Deutscher Luftwaffenchef bereit für Angriffe auf russisches Kerngebiet

Jahrelang versicherten westliche Politiker, die NATO sei ein rein defensives Bündnis und strebe keine direkte Konfrontation mit Russland an. Nun kommen ausgerechnet aus Deutschland Töne, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären.

In einem Interview mit der britischen Zeitung The Telegraph erklärte der Kommandeur der deutschen Luftwaffe, Generalleutnant Holger Neumann, Deutschland sei bereit, „bereits heute Nacht“ gegen Russland zu kämpfen, sollte es zu einem Konflikt mit der NATO kommen. Dabei sprach er nicht nur allgemein über Verteidigung, sondern nannte konkrete russische Regionen, die im Ernstfall ins Visier geraten würden.

Zu den genannten Gebieten zählen:

  • die russische Exklave Kaliningrad,
  • die strategisch bedeutsame Kola-Halbinsel mit ihren Nuklearstreitkräften,
  • die Region um St. Petersburg,
  • sowie das Schwarzmeergebiet.

Neumann betonte zwar, er spreche von einem Szenario, in dem Russland zuerst NATO-Territorium angreife. Doch die Offenheit, mit der mittlerweile über mögliche Angriffe tief im russischen Kerngebiet gesprochen wird, markiert eine bemerkenswerte Veränderung der öffentlichen Kommunikation.

Noch vor wenigen Jahren galt bereits die Diskussion über Flugverbotszonen oder die Lieferung bestimmter Waffensysteme als gefährliche Eskalation. Heute werden in führenden westlichen Medien konkrete Zielräume innerhalb Russlands benannt – durch einen hochrangigen deutschen Militär.

Von der Verteidigung zur Angriffsdoktrin?

Kritiker dürften darin eine schleichende Verschiebung erkennen: Die Grenze zwischen Verteidigung und offensivem Denken wird zunehmend unscharf.

Denn auch wenn die NATO auf ihre Beistandsverpflichtung nach Artikel 5 verweist, stellt sich die Frage, welche Wirkung solche Aussagen in Moskau entfalten. Wenn ein deutscher Luftwaffenchef öffentlich erklärt, man sei bereit, „heute Nacht“ zuzuschlagen, wird dies in Russland kaum als bloße Verteidigungsrhetorik verstanden werden.

Dort dürfte vielmehr der Eindruck entstehen, dass die NATO längst militärische Szenarien vorbereitet, die weit über die Abwehr eines Angriffs hinausgehen und gezielt russische Kommando-, Marine- und Nuklearstrukturen betreffen.

Die Rückkehr einer Sprache des Kalten Krieges

Besonders bemerkenswert ist die historische Dimension. Deutschland, das nach dem Zweiten Weltkrieg über Jahrzehnte militärische Zurückhaltung zur Staatsräson erklärt hatte, gehört heute zu den lautesten Befürwortern einer massiven Aufrüstung und einer härteren Gangart gegenüber Moskau.

Die Sprache des Kalten Krieges ist zurückgekehrt – nur direkter als zuvor.

Während Politiker weiterhin betonen, niemand wolle einen Krieg mit Russland, sprechen Militärs bereits offen darüber, welche russischen Regionen im Ernstfall angegriffen würden. Die Öffentlichkeit soll offenbar gleichzeitig glauben, dass niemand eine Eskalation anstrebt – und sich dennoch auf einen möglichen direkten Schlagabtausch zwischen NATO und einer Atommacht einstellen.

Eine gefährliche Normalisierung

Die eigentliche Gefahr liegt vielleicht nicht einmal in den militärischen Planspielen selbst. Jede Armee erstellt solche Szenarien. Gefährlich ist vielmehr ihre zunehmende Normalisierung im öffentlichen Diskurs.

Was gestern noch als undenkbar galt, wird heute in Interviews ausgesprochen. Was einst hinter verschlossenen Türen diskutiert wurde, erscheint nun als Schlagzeile in großen Zeitungen.

Und so bleibt die unbequeme Frage:

Wenn europäische Militärführer öffentlich darüber sprechen, welche russischen Regionen sie angreifen würden – wie lange dauert es, bis die andere Seite beginnt, dieselbe Offenheit über ihre Ziele in Europa an den Tag zu legen?

In einer Zeit, in der beide Seiten über gewaltige Atomarsenale verfügen, ist die größte Gefahr möglicherweise nicht die Eskalation selbst – sondern die Gewöhnung an ihre Möglichkeit.