Eine neu veröffentlichte, ehemals geheim eingestufte Analyse des US-Militärgeheimdienstes wirft erneut brisante Fragen zum Ursprung der COVID-19-Pandemie auf. Das Dokument legt nahe, dass SARS-CoV-2 möglicherweise im Labor in Wuhan gentechnisch verändert wurde – eine Hypothese, die lange Zeit als Tabu galt.
Die 46-seitige wissenschaftliche Untersuchung der U.S. Defense Intelligence Agency (DIA), die durch einen Rechtsstreit der gemeinnützigen Organisation U.S. Right to Know freigegeben wurde, stellt bislang die technisch detaillierteste Einschätzung einer US-Behörde dar, die die Laborleck-Hypothese ernsthaft untermauert. Acht Seiten des Berichts bleiben weiterhin geheim.
Genetische Merkmale stützen Laborthese
In dem auf den 25. Juni 2020 datierten Bericht kommt die DIA zu dem Schluss, dass das Genom von SARS-CoV-2 „mit der Hypothese einer Labormanipulation“ am Wuhan Institute of Virology (WIV) übereinstimmt. Die Analyse beschreibt mehrere wissenschaftlich plausible Wege, wie eine solche Manipulation erfolgt sein könnte. Zwar wird ein laborbedingter Ursprung nicht abschließend bewiesen, jedoch liefern Beobachtungen, wissenschaftliche Argumente und dokumentierte Fähigkeiten des WIV ein glaubwürdiges Gesamtbild.
Dazu zählt vor allem die umstrittene Furin-Spaltstelle – ein genetisches Merkmal, das die Infektiosität für den Menschen deutlich erhöht – sowie die Möglichkeit, dass SARS-CoV-2 ein künstlich erzeugter Hybrid aus Fledermaus- und Schuppentier-Coronaviren ist.
Die Veröffentlichung hat die weltweite Debatte über die Ursprünge der Pandemie neu entfacht und zugleich Fragen aufgeworfen – über die Transparenz der US-Geheimdienste, das Verhalten wissenschaftlicher Fachzeitschriften sowie die Rolle internationaler Gesundheitsbehörden.
Zentrale Befunde der Analyse
Die NGO U.S. Right to Know hebt mehrere zentrale Ergebnisse hervor:
- Das Genom von SARS-CoV-2 weist Restriktionsenzymstellen und andere molekulare Marker auf, die laut DIA-Experten bei synthetischen Viren deutlich häufiger vorkommen als bei natürlich vorkommenden.
- Das Spike-Protein des Virus enthält genetische Segmente sowohl von Fledermaus- als auch von Schuppentier-Coronaviren – ein Befund, der auf ein mögliches „Stitching“ im Labor mittels bekannter Methoden wie der Golden Gate Assembly hinweist.
- Besonders auffällig: Die Furin-Spaltstelle von SARS-CoV-2 befindet sich exakt an jener Position, an der WIV-Forscher bereits 2018 im Rahmen eines US-Förderantrags eine solche künstliche Einfügung vorgeschlagen hatten – ein Antrag, der damals abgelehnt wurde. Unter den bekannten natürlichen Verwandten des Virus fand die DIA kein einziges mit diesem spezifischen Merkmal.
- Der Bericht dokumentiert zudem, dass am WIV mit lebenden SARS-ähnlichen Viren unter BSL-2-Bedingungen gearbeitet wurde – also unter einem Biosicherheitsniveau, das unter internationalen Standards für derartige Forschung liegt. Frühere SARS-Ausbrüche sind unter solchen Bedingungen nie aufgetreten.
- Schließlich beschreibt die DIA Techniken zur genetischen Manipulation, die keine molekularen Spuren hinterlassen – ein direkter Widerspruch zu gängigen Argumenten, wonach das Fehlen solcher Spuren im SARS-CoV-2-Genom gegen eine künstliche Herkunft spreche.
Kritik an früherer Wissenschaft und institutioneller Voreingenommenheit
Die Ergebnisse des DIA-Berichts stehen in klarem Widerspruch zur vielzitierten Studie Proximal Origin (2020, Nature Medicine), die die Möglichkeit eines laborbasierten Ursprungs als „nicht plausibel“ zurückwies. Dieses Papier prägte über Jahre hinweg den globalen Konsens zugunsten eines natürlichen Ursprungs und wurde vielfach genutzt, um alternative Hypothesen als Verschwörungstheorien abzustempeln.
Spätere Kongressuntersuchungen legten jedoch offen, dass die Autoren intern sehr wohl ein Laborleck für wahrscheinlich hielten. So schrieb Mitautor Kristian Andersen in einem privaten Slack-Chat:
„Die Theorie des Laborlecks ist so verdammt wahrscheinlich, dass sie tatsächlich passiert sein könnte.“
Wochen später verwarf er dieselbe Idee öffentlich.
Die DIA-Analyse widerspricht den Argumenten von Proximal Origin Punkt für Punkt – sie kritisiert fehlerhafte Annahmen, falsche Deutungen genetischer Merkmale und eine selektive Datenlage.
Geheimdienste und politische Dynamik
Obwohl die DIA-Analyse innerhalb der US-Geheimdienststrukturen verbreitet wurde, tauchte sie nicht im unklassifizierten COVID-Herkunftsbericht 2023 des Office of the Director of National Intelligence auf. Grund: Der Bericht sei „zu technisch“, so die Australian. Kritiker vermuten jedoch gezielte Zurückhaltung sensibler Informationen, möglicherweise aus Rücksicht auf diplomatische oder politische Konsequenzen.
Einige US-Behörden – darunter das FBI und das Energieministerium – unterstützen mittlerweile mit „geringem bis mittlerem Vertrauen“ die Laborleck-Hypothese. Andere bestehen weiterhin auf einem zoonotischen Ursprung. Die DIA unterstreicht in ihrer Analyse jedoch, dass keine der beiden Theorien abschließend bewiesen oder widerlegt ist.
Vertrauenskrise durch Wissenschaftsgeheimhaltung
Die Veröffentlichung der DIA-Dokumente durch den Einsatz des Freedom of Information Act (FOIA) verstärkt die öffentliche Kritik daran, dass Hinweise auf einen Laborursprung politisch motiviert unterdrückt wurden – sei es aus diplomatischer Vorsicht, zum Schutz des wissenschaftlichen Ansehens oder zur Vermeidung öffentlicher Unruhe.
Steve Massey vom unabhängigen Netzwerk DRASTIC, das sich der Aufklärung des Pandemieursprungs widmet, kommentierte:
„Diese Dokumente zeigen, dass es eine wissenschaftliche Debatte gab, die der Öffentlichkeit bewusst vorenthalten wurde.“
„Während man uns sagte, die Laborleck-Theorie sei eine Verschwörung, sammelten Regierungswissenschaftler im Stillen Beweise, die genau diese Theorie stützten.“
U.S. Right to Know kündigte bereits an, die rechtlichen Bemühungen zur Offenlegung der noch geheimen Seiten fortzusetzen.
Ein ungelöstes Rätsel – und wachsende Zweifel
Auch wenn die Entdeckung genetisch ähnlicher Fledermausviren in Laos einige Aspekte laborbasierter Theorien erschwert hat – etwa die Hypothese eines Fledermaus-Schuppentier-Hybrids – hält die DIA-Analyse fest: Bestimmte genetische Merkmale von SARS-CoV-2 bleiben durch natürliche Evolution allein nicht schlüssig erklärbar.
Der Bericht warnt davor, das Fehlen eines identifizierten Vorläufer-Virus als Beweis für natürlichen Ursprung zu werten – und plädiert für eine offene Debatte ohne politische oder institutionelle Scheuklappen.
Solange sich Öffentlichkeit, Wissenschaft und Politik mit diesen Erkenntnissen auseinandersetzen, bleibt eines klar:
Der Ursprung von COVID-19 ist weiterhin ungeklärt – doch neue Enthüllungen rütteln zunehmend am offiziellen Narrativ und untergraben das Vertrauen in wissenschaftliche Objektivität.


