In einem aktuellen Interview warnt der pensionierte Colonel Doug Macgregor eindringlich davor, dass der laufende Konflikt zwischen den USA/Israel und dem Iran weit länger andauern wird, als die Trump-Administration suggeriert.
Trotz beruhigender Aussagen von Präsident Trump sei die Lage katastrophal: Der Strait of Hormuz ist effektiv blockiert, massive Produktionsausfälle in den Golfstaaten haben zu einer der größten Störungen der globalen Ölversorgung in der Geschichte geführt, und die wirtschaftlichen Konsequenzen treffen die Welt – einschließlich der USA – hart.
Macgregor betont, dass der Krieg keine schnelle Lösung haben wird und die USA in einer strategisch schwachen Position stecken.
Aktuelle Lage: Massiver Produktionsausfall und Blockade des Straits of Hormuz
Macgregor hebt hervor, dass etwa 25 % der weltweiten Ölversorgung derzeit offline sind – eine Schätzung, die durch Berichte der International Energy Agency (IEA) gestützt wird.
Die IEA spricht von der „größten Versorgungsstörung in der Geschichte des Ölmarkts“, mit einem Rückgang der globalen Lieferungen um bis zu 8 Millionen Barrel pro Tag im März 2026. Produktionskürzungen in Ländern wie UAE, Qatar, Irak, Kuwait und Saudi-Arabien belaufen sich auf mindestens 10 Millionen Barrel täglich, da Speichertanks voll sind und Exporte über den Strait of Hormuz fast zum Erliegen gekommen sind.
Der Strait – durch den normalerweise rund 20 Millionen Barrel Öl und ein Fünftel des globalen LNG täglich fließen – ist seit Anfang März 2026 weitgehend geschlossen. Iran hat Schiffe angegriffen und erklärt, dass der Durchgang für „feindliche“ Tanker verboten sei.
Iranische Öl-Exporte (hauptsächlich nach China) laufen teilweise weiter, während die der Nachbarstaaten zum Stillstand gekommen sind. Dies führt zu anhaltenden Ausfällen: Selbst nach einer möglichen Öffnung des Straits dauert die Wiederaufnahme der Produktion Wochen bis Monate, da Infrastruktur beschädigt ist und Logistikprobleme bestehen.
Wirtschaftliche Konsequenzen: Globale Inflation und Energiekrise
Macgregor erklärt detailliert die Kettenreaktionen.
Öl- und Gaspreise explodieren:
Brent-Öl hat die 100-Dollar-Marke überschritten, was zu höheren Kraftstoff- und Strompreisen führt.
Dünger und Lebensmittel:
35 % der weltweiten Düngerexporte sind blockiert, da Erdgas – wichtig für die Düngerproduktion – betroffen ist. Dies treibt die Lebensmittelpreise weltweit nach oben.
Europa und Asien:
Europas LNG-Lager sind auf unter 30 % gesunken, deutlich weniger als in früheren Jahren. China und Indien, die jeweils etwa 50 % ihres Öls aus dem Golf beziehen, leiden massiv unter den Ausfällen.
Chinas strategische Reserven werden schneller aufgebraucht, da günstige Quellen wie Venezuela oder Iran teilweise wegfallen.
USA:
Trotz eigener Produktion und venezolanischer Ölexporte – die Trump als „guten Partner“ bezeichnet – bleibt Öl ein globaler Rohstoff. Höhere Preise führen auch in den USA zu Inflation, steigenden Strom- und Industriekosten sowie eingeschränkter Geldpolitik, da Zinssenkungen schwieriger werden.
Macgregor prognostiziert: Die Auswirkungen werden bis Mitte April spürbar und könnten im Sommer „hässlich“ werden – mit möglichen politischen Folgen für Trumps Midterm-Chancen.
Er kritisiert zudem Trumps Beruhigungsversuche: Der Präsident betone die US-Unabhängigkeit und argumentiere, der Konflikt treffe andere Länder – etwa China – stärker. Doch laut Macgregor werde die Realität auch die USA einholen.
Militärische Perspektive: Kein schneller Sieg, hohe Kosten
Macgregor zweifelt an der militärischen Strategie der US-Administration.
Iran feuert weiterhin ballistische Raketen ab und trifft Ziele in Israel und der Region. Unterirdische „Missile Cities“ im Osten des Landes bleiben weitgehend unberührt, da sie außerhalb der Reichweite vieler Angriffe liegen.
Die US-Luft- und Seestreitkräfte können zwar große Schäden verursachen, doch ein Regimewechsel oder eine Kapitulation seien unwahrscheinlich. Iran gewinne bereits durch sein Überleben – ähnlich wie in früheren Luftkriegen, etwa im Kosovo 1999 oder im Irak 1991, die keine schnelle Unterwerfung des Gegners brachten.
Auch die Kosten steigen rasant. Bereits die ersten Kriegstage hätten Milliarden Dollar verschlungen. Macgregor schätzt, dass ein längerer Konflikt ein zusätzliches Budget von über 50 Milliarden Dollar erfordern könnte.
Ein Einsatz von Bodentruppen sei politisch kaum möglich, da eine Wehrpflicht (Draft) innenpolitisch nicht durchsetzbar wäre. Gleichzeitig bestehe das Risiko, dass Israel nuklear eskalieren könnte, was globale Reaktionen auslösen würde.
Macgregor sieht Trumps Drohungen – etwa Infrastruktur „20-mal härter“ zu zerstören – als Bluff. Iran werde nicht kapitulieren, da die US-Forderungen, darunter vollständige Abrüstung und das Ende der Urananreicherung, für das Regime existenzbedrohend seien.
Geopolitische Dynamik: Russland, China und neue Allianzen
Auch geopolitisch verschiebt der Konflikt laut Macgregor die Machtverhältnisse.
Russland:
Putin nutze die Krise, um Europa unter Druck zu setzen. Er erwäge, Gas- und Öllieferungen früher zu stoppen als geplant und stärker nach Asien umzuleiten. Putin habe Trump Vorschläge zur Beendigung des Konflikts unterbreitet, die jedoch abgelehnt worden seien.
China:
China verliert günstige Energiequellen aus Iran und Venezuela und muss teurer einkaufen. In einem extremen Szenario könnte Peking sogar militärisch eingreifen, etwa durch Luftunterstützung für Iran.
Türkei und andere Staaten:
Mehrere Länder könnten sich Iran annähern, etwa durch Geheimdienst- oder logistische Unterstützung. In vielen Teilen der Welt werde der US-Angriff als ungerecht wahrgenommen, was die internationale Unterstützung für Iran erhöhen könnte.
Macgregor warnt, dass die US-Strategie – etwa China durch Energieknappheit zu schwächen – nach hinten losgehen könnte und stattdessen neue Gegner schafft.
Fazit: Vorbereitung auf das Schlimmste
Macgregor rät der Bevölkerung, sich auf längere wirtschaftliche Turbulenzen vorzubereiten. Dazu gehöre das Anlegen von Medikamenten, Lebensmitteln und wichtigen Vorräten, da Lieferketten – etwa bei pharmazeutischen Produkten aus petrochemischen Rohstoffen – unter Druck geraten könnten.
Er erwartet starke Turbulenzen an den Finanzmärkten. Der Aktienmarkt könnte abstürzen, während Ölpreise im Extremfall auf 200 bis 300 Dollar pro Barrel steigen könnten.
Iran werde nicht kapitulieren. Stattdessen riskieren die USA laut Macgregor internationale Isolation und schwere wirtschaftliche Schäden.
Sein Fazit: Der Krieg sei kein begrenzter militärischer Erfolg, sondern entwickle sich zu einem strategischen Desaster. Getrieben von geopolitischen Fehlentscheidungen und regionalen Interessen zahle letztlich die gesamte Welt den Preis.


